GPA-djp-Peschek: Jeder vierte Wiener Lehrling verliert Ausbildungsplatz

Trauriger Rekord von 23,2 Prozent Lehrvertragsauflösungen in Wien

Wien (OTS/GPA/djp/ÖGB) - "Leider gibt es laut Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer einen traurigen Rekord an Lehrvertragsauflösungen in Wien. Jeder vierte Lehrling verliert seinen Ausbildungsplatz während der Lehrzeit. Offenbar werden speziell in der Probezeit Lehrlinge als billige Arbeitskräfte missbraucht und die Qualität der Lehrausbildung lässt zu wünschen übrig. Es braucht dringend Ausbildung statt Ausbeutung", kommentiert Christoph Peschek, Jugendsekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) - Wien, die Lehrlingsstatistik der Wiener Wirtschaftskammer.++++

Insgesamt wurden im Jahr 2011 4.461 Lehrverträge von insgesamt 19.267 in Wien gelöst, um 89 oder 2,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Lösungsrate, der Anteil der Lösungen während des Jahres am Gesamtlehrlingsstand am Jahresende, ist gegenüber 2010 gestiegen und beträgt 23,2 Prozent. "Besonders dramatisch ist die dreimonatige Probezeit, welche unter der FPÖ und ÖVP Bundesregierung verlängert wurde. Denn während dieser wurden 1.285 Lehrverträge aufgelöst, dies entspricht 28,8 Prozent. Offenbar betrachten leider manche Firmenbosse den Lehrling als billigste Arbeitskraft, insbesondere für Urlaubsvertretungen oder besonders starke Verkaufsmonate", so der Junggewerkschafter.

"Bemerkenswert ist, dass 993 ( 22,3 Prozent) Lehrverträge durch Lehrlinge aufgelöst wurden. Wie mies muss die Ausbildungsqualität oder der Umgang sein, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten soviele sich dazu gezwungen sehen?", fragt Peschek. "Da sich die Privatwirtschaft zunehmend von ihrer Ausbildungsverantwortung zurückzieht, bekanntlich bilden nur 9 Prozent der Wiener Betriebe Lehrlinge aus, wird die Unzufriedenheit ebenso eine Rolle spielen. Daher braucht es auch mehr Lehrstellenplätze in der Privatwirtschaft, damit die Jugendlichen ihren Wunschberuf erlernen können. Ein Ausbildungsfonds wäre dazu dienlich", fordert Peschek.

Die höchsten Lösungsraten gibt es bei den Sparten Tourismus und Freizeitwirtschaft (35,6 Prozent), Gewerbe und Handwerk (23,5 Prozent), Handel (19,3 Prozent), Information und Consulting (14,8 Prozent) sowie Industrie (10,8 Prozent). Die niedrigsten Raten gibt es bei den Sparten Bank und Versicherung (4,3 Prozent) sowie Transport und Verkehr (5,7 Prozent).

"Die Wirtschaftskammer und das Arbeitsinspektorat sind dringend aufgerufen aktiv die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen zu kontrollieren. Auffällige Betriebe müssen aus dem Verkehr gezogen werden, um den vielen tollen Ausbildungsbetrieben nicht zu schaden. Insbesondere die Probezeit gehört gekürzt und gleichzeitig benötigt es dringend mehr Qualität in der Lehrausbildung. Unsere Konzepte wie der Lehrlingsaward, betriebliche Ausbildungspläne sowie Ausweitung der Berufsschulzeit sind bekannt und warten auf Umsetzung!", so Peschek abschließend.

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