Presserat: Neue Bestimmung zur Suizidberichterstattung

Wien (OTS) - Der Trägerverein des Presserates hat eine neue Bestimmung zur Berichterstattung über Suizide und Selbstverstümmelungen beschlossen und in den Ehrenkodex für die österreichische Presse aufgenommen.

Der neue Punkt 11 des Ehrenkodex im Wortlaut: "Berichterstattung über Suizide und Selbstverstümmelung sowie Suizidversuche und Selbstverstümmelungsversuche gebietet im Allgemeinen große Zurückhaltung. Verantwortungsvoller Journalismus wägt - auch wegen der Gefahr der Nachahmung - ab, ob ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht und verzichtet auf überschießende Berichterstattung."

Die über Jahrzehnte vorherrschende freiwillige Zurückhaltung der österreichischen Medien bei der Suizidberichterstattung scheint nicht mehr von allen eingehalten zu werden. Mit der neuen Bestimmung möchte der Presserat diesen Tendenzen bewusst entgegenwirken.

Das Thema Suizidberichterstattung ist bei den meisten Schwesterorganisationen des Presserats in eigene Bestimmungen gefasst, die - so wie auch der neue Punkt 11 - auf das Risiko von Nachahmungstaten hinweisen.

Im Dezember vorigen Jahres hat der Presserat zusammen mit dem Kriseninterventionszentrum und den Wiener Linien ein Symposium zu dem Thema veranstaltet. Das Fazit: Durch zurückhaltende Berichterstattung, eine sensible Herangehensweise und das Anführen von Hilfsangeboten können Medien dazu beitragen, Suizide zu verhindern. Völlig unterbleiben soll die Berichterstattung über Suizide aber auch nicht, da dies einer unerwünschten Tabuisierung gleichkommt.

Thomas Kralinger, Präsident des Presserates und Geschäftsführer des KURIER, sieht im neuen Punkt 11 eine wichtige Ergänzung des Ehrenkodex. "In letzter Zeit sind einige Beschwerden zu diesem Thema beim Presserat eingegangen. Ich freue mich, dass es mit dieser neuen Bestimmung gelungen ist, den Beschwerdesenaten eine ausgewogene Entscheidungsgrundlage für derartige Fälle in die Hand zu geben. Die Bestimmung gewährleistet den Schutz aller, die von einem derart tragischen Ereignis betroffen sind und weist auf die Gefahr von Nachahmungstaten hin. Sie bringt aber auch klar zum Ausdruck, dass eine Berichterstattung in Suizidfällen mit überwiegendem öffentlichem Interesse grundsätzlich möglich ist."

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