WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Österreich als Testballon für EU-Wettbewerb - von Thomas Jäkle

Echter Wettbewerb braucht mehr als nur drei Anbieter

Wien (OTS) - Konsolidierung ist gut, sie bringt für Unternehmen in Märkten mit wenigen Anbietern rasch Kostenvorteile, schönere Bilanzen und mehr Profit. Und vor allem überschaubare Risiken. In jedem Markt ist die Freude der Akteure groß, wenn sich - wie in Österreichs Mobilfunkmarkt - die Zahl der Anbieter von vier Wettbewerbern auf drei verringert - sei es, weil einer aussteigt, oder ein anderer seinen Konkurrenten übernehmen will. In Österreich soll mit der Orange-Übernahme durch Hutchison der Markt konsolidiert werden.

Aus Anbietersicht ergibt die Konsolidierung einen Sinn. Die Margen der Mobilfunker sinken. Orange und Hutchison können künftig für sich alleine die Millioneninvestitionen für Infrastruktur und Lizenzen, die in den kommenden fünf Jahren zu tätigen sind, kaum alleine stemmen. Und A1 und T-Mobile freuen sich, weil sie als Gejagte etwas mehr Luft bekommen - und die Margen wieder wachsen.

Eine Win-win-Situation, der die EU-Wettbewerbshüter nichts abgewinnen können, weil es tendenziell nach Oligopol riecht. Ein Schelm ist, wer an Frühstückskartelle à la Lombardklub denkt, wo sich Konkurrenten ausmauscheln, einst selbst in die Schlacht geworfene "Null-Euro-Handys" oder Monatstarife zur Diskontpauschale abzuschaffen.

Genau hier halten die EU-Wettbewerbshüter ihre Finger in triefende Wunden der Mobilfunker. Das EU-Credo lautet nämlich: Wettbewerb braucht so viele Anbieter wie möglich. Und kommt der Konsument zu kurz, liegt Marktversagen vor. Es wird vielleicht zurecht befürchtet, dass es - wie zu Zeiten der Euro-Einführung - durch Änderungen der Verpackungsgrößen zu einer schleichenden Verteuerung etwa bei Tarifen kommen kann.

Die Glücksformel der Mobilfunker lautet: 4 minus 1 gleich 3. Die EU rechnet mit zusätzlichen unbekannten Anbietern: 4 minus 1 gleich 3 mit gleichzeitiger Addition von "x+y+...". Soll heißen: Auch wenn Hutchison als kleinster Anbieter mit 22 Prozent Marktanteil verspricht, gegen die Übermacht von A1 und T-Mobile als Preisbrecher zu agieren, sollen neue Player ermuntert werden, in Österreich Mobilfunkdienste anzubieten. Mit erstem Erfolg: Tele2 will sein Mobilfunk-Comeback starten. UPC sondiert noch.

Österreichs Mobilfunkmarkt wird nun auch eine Art Testballon für die EU-Wettbewerbsbehörde. Auch in anderen EU-Ländern sinken Umsatz und Erträge. Würde die EU die "Causa Österreich" dem freien Spiel der Marktkräfte mit drei Playern überlassen, droht à la longue nicht der Viertelanschluss, aber das (Staats-)Monopol - scheibchenweise in ganz Europa.

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