ÖGB-Ruprecht: 1.300 Euro Mindesteinkommen längst überfällig

A-typische Beschäftigung und "woorking poor" vermindern Wachstum und Wohlstand

Wien (OTS/ÖGB) - "Dass Arbeit nicht mehr vor Armut schützt, sollte die verantwortlichen Arbeitgeber beschämen. Wenn sich Leistung lohnen soll, müssen die Mindesteinkommen erhöht werden, insbesondere in den Niedriglohnbranchen", sagt ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Brigitte Ruprecht. Befristete Verträge und atypische Jobs verdrängen seit Jahren immer mehr reguläre Beschäftigungsformen. Den "Sozialstaat fairbessern" bedeutet auch, gesicherte Arbeits- und Sozialstandards für die Beschäftigten zu sichern. "Von a-typischer Beschäftigung sind fast alle Branchen betroffen, nicht nur die klassischen Bereiche wie Call-Center und Austräger von Werbematerial. So gibt es bereits Steuerberatungskanzleien mit lauter Ein-Personen-Gesellschaften oder Friseursalons, die praktisch den Friseurstuhl an Ein-Personen-Unternehmen vermieten."

Rund sechs Prozent der Erwerbspersonen sind trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet und hatten ein Einkommen von weniger als 1.031 Euro pro Monat. Von den über 200.000 Betroffenen war fast jede zweite eine Frau. Obwohl es seit Jahren erstmals einen Rückgang bei den working poor gab, zeigen sich auch darin die Folgen der Wirtschaftskrise. Zumal diese Beschäftigten überproportional stark in die Arbeitslosigkeit gedrängt wurden. Auch der stetige Anstieg der geringfügigen Jobs wird zunehmend zu einem Problem, so Ruprecht. Im Jahr 2011 waren 283.000 Personen geringfügig beschäftigt, hinzu kommen noch die geringfügig beschäftigten Freien DienstnehmerInnen. Zwei Drittel sind Frauen, auch wenn der Männeranteil stetig steigt. "Besonders folgenschwer ist dies aus versicherungsrechtlicher Sicht für Frauen. Von rund 100.000 Frauen, die einen geringfügigen Job als Erwerbseinkommen haben, sind nur 33.000 freiwillig selbstversichert, um eine Kranken- und Pensionsversicherung zu haben. Mit den Änderungen im Pensionsrecht kann sich die Entscheidung gegen eine Selbstversicherung zukünftig folgenschwer für die Pensionshöhe auswirken", sagt die ÖGB-Frauenvorsitzende. "Das ist vielen Frauen leider nicht bewusst".

Existenzsicherung, Arbeitszeitsicherheit und faire Arbeitsbedingungen sind für viele ArbeitnehmerInnen keine Selbstverständlichkeit mehr. Hier muss die Wirtschaft ihre Verantwortung übernehmen. "Wenn wir Wachstum und Wohlstandverteilung sicherstellen wollen, brauchen wir vor allem Vollzeitarbeitsplätze, von denen Menschen leben können. Wer kein Geld hat, kann auch keins ausgeben. Daran kann auch die Wirtschaft kein Interesse haben", sagt die Vorsitzende der ÖGB-Frauen.

Nicht nur die Bezahlung sondern auch die Qualität der Arbeitsplätze ist zu verbessern, vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, damit Menschen länger gesund arbeiten können. Eine Vielzahl arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen - von zielgruppenorientierten Angeboten der Qualifizierung bis zur Förderung älterer ArbeitnehmerInnen - ist dazu notwendig. Ruprecht:
"Arbeitsmarktprognosen lassen in den kommenden Jahren geringes Wirtschaftswachstum und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit erwarten. Es braucht Initiativen und keine Lippenbekenntnisse."

"Einkommensgerechtigkeit und faire Karrierechancen für Frauen sind uns dabei ein zentrales Anliegen. Zu den Kernzielen der EU-2020-Strategie hat sich Österreich ebenfalls bekannt - gezielte Armutsbekämpfung und ein Erhöhung der Beschäftigung können die Lebenssitution vieler Frauen verbessern. Wir wollen schließlich den Wohlstand in Europa verteilen, und nicht die Armut" erinnert Ruprecht.

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