Spaß und Sicherheit beim Spiel im Schwimmbad

Neue ÖNORM schließt Sicherheitslücke zwischen Spielplatz- und Schwimmbadgeräten

Wien (OTS) - Schwimmbäder warten mit immer neuen und aufwändigeren Spielgeräten und Attraktionen auf, um jungen Gästen mehr zu bieten als bloßes Schwimmvergnügen. Um künftig die Sicherheit rund um diese Spielgeräte, die im Wasserbereich von Badeanlagen aufgestellt werden, zu erhöhen, haben die Experten des Komitees 184 "Spiel- und Sportgeräte; Freizeiteinrichtungen" bei Austrian Standards die neue ÖNORM S 4720 erarbeitet.

Dieses europaweit einzigartige Dokument definiert Anforderungen für standortgebundene, nichtschwimmende Spielgeräte im Wasserbereich von Bädern mit öffentlicher Nutzung. "Das Komitee hat dabei eine Lücke geschlossen", so Dipl.-Ing. (FH) Dagmar Schermann, MSc, zuständige Komitee-Managerin. Denn auf der einen Seite gibt es zwar ein vollständiges und bewährtes Normenwerk für Spielplatzgeräte, auf der anderen Seite auch ein solches für Schwimmbadgeräte. Was aber fehlte, waren Festlegungen dafür, wenn man sozusagen den Spielplatz ins Wasser verlegt. Schermann: "Da zeigt sich dann, dass einige zusätzliche Fragestellungen zu berücksichtigen sind, um ein Höchstmaß an Sicherheit bei ungetrübtem Badespaß gewährleisten zu können."

All das hat man nun in der ÖNORM S 4720 zusammengefasst: für Hersteller dieser Geräte, vor allem aber auch für Planer, Sachverständige und Prüfstellen, sowie für Betreiber und Verantwortliche von Schwimmbädern. Auch ihnen gibt die Norm Sicherheit - vor allem im Hinblick auf mögliche Haftungsfragen.

Unvorhersehbare Gefahren vermeiden

Zu den wichtigsten Aspekten der ÖNORM S 4720 zählen etwa die Rutschfestigkeit der Oberflächen, die verwendeten Werkstoffe, stoßdämpfende Böden oder erforderliche Mindesttiefe des Wassers. Thema dabei ist natürlich auch das "Ins-Wasser-Springen". Wenn dies vorgesehen oder vorhersehbar ist, dann ist nach einer Risikoanalyse mitunter notwendig, eine entsprechende Aufsicht sicherzustellen. Auf Risikoanalysen legt die Norm insgesamt großen Wert, vor allem im Hinblick darauf, dass sich Spielgeräte im Wasser "weiterentwickeln". Durch neue Kombinationen oder neue Attraktionen können sich neue Anforderungen ergeben. "Diese möglichen Entwicklungen soll die Norm ja nicht behindern", wie Schermann betont.

Was die Norm aber ganz klar festlegt, ist u. a., dass Materialien, die mit dem Beckenwasser in Berührung kommen, die Wasserqualität nicht negativ beeinflussen dürfen. Außerdem müssen sie korrosionsbeständig sein und dürfen auf keinen Fall die Entwicklung von Mikroorganismen oder Phytoplankton zulassen. Womit Holz, textile Beläge, Kunstrasen oder Kunststoffmatten in Becken mit einer Wasseraufbereitungsanlage definitiv nicht zugelassen sind. Zu verhindern gilt es außerdem, dass Kinder unter die Geräte schwimmen oder versuchen darunter durchzutauchen. Ausreichende Freiräume und richtig ausgeführte Aufprallflächen sind ebenso Themen wie zusätzliche spezifische Anforderungen an einzelne Geräte.

Zudem wurde eine Reihe von Piktogrammen entwickelt, die Kindern und ihren Aufsichtspersonen klar machen, was man lieber unterlassen sollte oder zur eigenen Sicherheit unbedingt berücksichtigen sollte. Für die Hersteller gibt es außerdem Vorgaben, welche Informationen sie bereitstellen müssen - von Montage und Betrieb bis hin zu Wartungsintervallen.

Wichtig aber - so merkt Dagmar Schermann an - ist, "der Wunsch nach Schutz der Kinder vor unvorhersehbaren Gefahren, wie er in dieser Norm festgelegt ist, darf nicht so verstanden werden, dass durch Einhaltung der neuen ÖNORM S 4720 das Spiel völlig gefahr- und unfallfrei wird. Eine angemessene Aufsichtspflicht kann durch eine Norm nicht ersetzt werden."

Austrian Standards Institute wird diese bisher einmalige Norm übrigens auch in englischer Sprache veröffentlichen - mit dem Ziel, Herstellern in ihren Exportmärkten bzw. ausländischen Produzenten und Betreibern von Bädern ein Referenzdokument zur Verfügung zu stellen. Das gibt nicht nur den Kindern Sicherheit, sondern auch Betreibern, falls doch einmal etwas passieren sollte.

Bibliographie

ÖNORM S 4720 Spielgeräte im Wasserbereich von Badeanlagen -Sicherheitstechnische Anforderungen (Play equipment in the water area of public baths - Technical safety requirements)
ÖNORM EN 1176 Spielplatzgeräte und Spielplatzböden
ÖNORM EN 13451 Schwimmbadgeräte

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Dr. Johannes Stern
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