Offener Brief, der Katholischen Aktion Wien, an die zuständigen Minister/innen in der österreichischen Bundesregierung:

Wien (OTS) - Sehr geehrte Frau Bundesministerin Bures!
Sehr geehrter Herr Bundesminister Berlakovich!

Der Hunger in der Welt ist der größte Skandal in unserer Zeit.
Die Katholische Aktion der Erzdiözese Wien sieht es schon seit Jahrzehnten als ihre Verantwortung, durch entwicklungspolitische Arbeit in den betroffenen Ländern Maßnahmen gegen den Hunger zu setzen. Zum Beispiel unterstützen wir die Augustsammlung der Caritas und die Aktion "Sei so Frei" der Katholischen Männerbewegung unter dem Motto "Zukunft ohne Hunger". Wir sind aber davon überzeugt, dass es neben dem Spendensammeln auch konkrete politische Maßnahmen und Veränderungen in unserem Lebensstil braucht, da wir alle durch unser Konsumverhalten den Hunger in südlichen Ländern mitverursachen. Zuerst die Teller füllen und dann die Tanks!
Eine besorgniserregende Entwicklung ist das Vorhaben der österreichischen Politik die Beimengungsquote von Agrotreibstoffen im Benzin weiter anzuheben, um das EU-Ziel bis 2020, einen Anteil von 10% erneuerbare Energie im Verkehrssektor einzusetzen, vorzeitig erreichen zu können. Ackerflächen werden statt zur Produktion von Lebensmittel zunehmend zum Anbau von Treibstoffpflanzen für die Befüllung von Autotanks verwendet. Die Flächen dafür befinden sich häufig in Ländern, in denen gleichzeitig Menschen hungern. Lebensmittel in den Tank zu füllen ist ein ethisches, aber auch ein ökologisches, ökonomisches und soziales Problem. Selbst wenn die Agrotreibstoffe für die Treibstoffbeimischung von österreichischen Flächen stammen, kommt es durch die Erhöhung der Beimischungsquote zu folgenschweren Flächenumwandlungen in den Ländern des globalen Südens.
Damit tritt der Autotank in Österreich in Konkurrenz zum Teller der hungernden Menschen.
Diese Entwicklung wollen wir nicht hinnehmen! Wir fordern von der österreichischen Bundesregierung, sich durch politische Regelungsmaßnahmen zum Ziel zu setzen, die Reduktion fossiler Treibstoffe durch geringeren Energieverbrauch vor allem im Verkehrssektor auszugleichen, anstatt die Beimengungsquote von Agrotreibstoffen anzuheben. Wir treten dafür ein, dass der öffentliche Verkehr verstärkt gefördert und ausgebaut wird. Als unser Beitrag zum Kampf gegen den Hunger in der Welt, muss das Ziel heißen:

10% weniger Treibstoffverbrauch statt 10% mehr Essen im Tank.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung dieses Zieles!
(Wir werden gerne das Unsrige dazu beitragen.)

Rembert J. Schleicher
Präsident der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien
Wien, am 30. Juli 2012

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