WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die staubedingte Kettenreaktion - von Oliver Jaindl

Staus kosten die Volkswirtschaft jährlich Milliarden

Wien (OTS) - Bekanntlich bestimmt der Standpunkt die Perspektive. Auch beim Thema Baustellensommer ist das so. Die Politik entdeckt das Thema jeden Sommer mit mehr oder weniger großer Begeisterung für sich. Man kann sich als Österreicher noch gut daran erinnern, dass manche Parteien früher sogar Arbeiter auf Baustellen zählten und zürnende Aussendungen verfassten, dass auf Straßenbaustellen ja überhaupt nichts weitergehe und das ein Skandal sei. Seither hat sich viel geändert, die Baustellenorganisation etwa der Asfinag oder der Koordinatoren in den Städten scheint zu einer wissenschaftlichen Disziplin geworden zu sein.

Man möchte meinen, dass der Stau ein eher belangloses Sommerthema ist. Das ist natürlich richtig, vorausgesetzt, man steht nicht gerade im Stau. Nun ist hier aber zu unterscheiden: Wenn der Autofahrer am Weg in den Urlaub ist, mag es unangenehm sein, Zeit zu verlieren. Der Schaden ist aber ideell. Nun könnte aber - verbleibend bei der Vorstellung, man stünde gerade im Stau - hinter dem Steuer kein Urlauber, sondern ein Lkw-Fahrer, der eine Terminlieferung hat, sitzen. Er ist schon früher losgefahren, da er mit dem Stau bereits rechnete, allerdings ist nun die Wartezeit doch länger als erwartet (das kostet teuren Sprit). Folglich kann er das transportierte wichtige Ersatzteil nicht rechtzeitig abliefern. Was wiederum seinen Abnehmer nicht sonderlich erfreut, da dieser das Maschinenteil dringend benötigt hätte.

Es ist Freitag, die Mitarbeiter gehen nach Hause, die Maschine läuft - wegen der Lieferverspätung - immer noch nicht und die Fertigstellung eines Auftrags kann erst am Montag erfolgen. Folglich überzieht wiederum der Belieferte seinen Liefertermin und es wird eine Pönale fällig (das kostet), weswegen später der Anwalt des Belieferten einen Brief schreibt (kostet auch etwas), dass man sich am Spediteur schadlos halten will (das wird kosten). Das wiederum war für den ohnehin schon auf der "Abschussliste" stehenden Lkw-Fahrer das Zünglein an der Waage, das zu seiner Kündigung führte (kostet dem AMS etwas). Folglich muss sich der Spediteur einen neuen Fahrer suchen, sein Lkw steht unnütz herum (das kostet auch).

Verwirrt? Wenn ja: Man kann die Baustellen folgenden Kettenreaktionen auch einfacher fassen - Staus kosten die Volkswirtschaft fünf Milliarden Euro jährlich. Vorschnell wäre der Schluss, dass "dieses Geld in das Straßennetz investiert werden soll" - woher soll es denn kommen? Die eigentliche Frage ist nämlich: Wie hoch wäre der Schaden, wenn es keine Baustellen mehr gäbe? Daher: Im heißen Auto abwarten und Mineralwasser trinken.

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