"Damit Kärnten nicht auch noch zum Brennpunkt eines Ärztemangels wird"

Präsident Dr. Josef Huber fordert intensive Pflege des Ärztestandortes Kärnten

Klagenfurt (OTS) - "Die Gesundheitscharta Kärnten mit der neuen Zusammenarbeit der Parteien und neuen Rechtsgrundlagen für die Landesspitäler wird nur funktionieren, wenn Kärnten seine Standort-Qualitäten für Ärzte verbessert", erklärt der Präsident der Kärntner Ärztekammer Dr. Josef Huber. Er nimmt die österreichweite Studie über den zukünftigen Ärztebedarf zum Anlass, eine vertiefte Prüfung der speziellen Situation in Kärnten zu fordern. "Die bundesweite Erhebung deutet an, dass bereits ab 2015 gebietsweise und in bestimmten Fachgruppen ein Ärztemangel droht. Wir müssen aufpassen, dass Kärnten dabei nicht zu einem Brennpunkt wird".

Es gebe leider Anzeichen, die darauf hindeuten, dass Kärnten mehr als andere Regionen in Österreich betroffen sein könnte. "Der Kärntner Gesundheitsfonds, der ja neu aufgestellt wird und zusätzliche Kompetenzen bekommen sollte, muss sich mit diesem Thema endlich beschäftigen", fordert Huber.

Er sieht die Gefahr, dass man in den nächsten Jahren zu wenig Allgemeinmediziner, vor allem in ländlichen Regionen, finden könnte und dass in einzelnen medizinischen Fächern, wie Augenheilkunde, Neurochirurgie, Neurologie, Anästhesie oder Urologie zu wenig Spezialisten zur Verfügung stehen werden.

Geringe Ärztedichte in Kärnten

Laut der eingangs erwähnten österreichweiten Studie befand sich Kärnten bereits 2008 in einer ungünstigen Lage. Laut dieser Statistik entfiel auf 450 Einwohner ein Spitalsarzt. "Damit gehörte Kärnten neben dem Burgenland und Niederösterreich zu den am meisten benachteiligten Bundesländern. Aufgrund des Sparkurses in den Landesspitälern in den vergangenen drei Jahren hat sich dieser Status weiter verschlechtert", stellt Huber fest.

Negativ wirkt sich auch der Bevölkerungsrückgang in Kärntner Randlagen ab. Die Jungen gehen, die Alten bleiben. Trotz der geringeren Einwohnerzahl besteht ein wachsender Bedarf nach ärztlicher Hilfe. Dem stehen aber die schlechten Bedingungen für Allgemeinmediziner am Land entgegen. "Neue Gesetze gefährden ihr wirtschaftliches Standbein, z.B. die Führung einer Hausapotheke".

Hohes Durchschnittsalter der Kärntner Hausärzte

Ein weiterer Faktor sei auch das hohe Durchschnittsalter der Kärntner Allgemeinmediziner. "Bis 2020 steht eine Pensionierungswelle bevor. Mehr als 100 der derzeit 255 Hausärzte werden in den Ruhestand treten. Es wird sich die Frage stellen, ob wir alle Kassenstellen für Allgemeinmedizin, vor allem in den Randregionen, besetzen können", erläutert Dr. Huber. Es drohen auch Probleme bei den Bereitschaftsdiensten. "Einem Hausarzt, der täglich ordiniert und danach Visiten fährt, ist es kaum zumutbar, dass er auch noch mehrere Nachtdienste unter der Woche absolviert, nach denen er in der Regel wieder in der Ordination sitzen muss", führt Huber aus.

Kärnten brauche daher eine klare Strategie, wie die Versorgung in Zukunft gewährleistet wird. "Dafür brauchen wir verlässliche Zahlen und Kärnten muss seine Standortbedingungen für Ärzte verbessern, sowohl in den Spitälern als auch im niedergelassenen Bereich. Das Gesundheitswesen ist überaus komplexes System. Der künftige Bedarf an Ärztinnen und Ärzten wird von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst. Es gibt regionale Besonderheiten, die man vor Ort am besten beurteilen kann", meint Dr. Huber.

Die Spitäler dürfen sich bei der Ausbildung von Ärzten keinesfalls allein auf ihren eigenen Bedarf beschränken, sondern sie müssen dabei den landesweiten Bedarf im Auge haben. Unabdingbar für Huber ist die Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Mediziner.

Hoher Frauenanteil in der jungen Ärztegeneration

In Kärnten macht sich die wachsende Feminisierung des Arztberufes besonders bemerkbar. Im Turnusdienst stellen Frauen bereits die klare Mehrheit (65 %).

Unabhängig vom Geschlecht ist zu beobachten, dass die junge Generation von Ärztinnen und Ärzten hohe Ansprüche an einen Arbeitsplatz stellt. Dazu zählen neben der Forderung von geregelten Arbeitszeiten und möglichst wenigen Überstunden auch neue Karrieremodelle und ein neuer Führungsstil. An diesen Werten orientiert sich nicht nur die Wahl des Arbeitsplatzes, sondern auch die Wahl der Fachrichtung. Es ist daher dem generellen Bestreben der Ärztinnen und Ärzte hin zu einer ausgewogeneren Work-Life-Balance Rechnung zu tragen.

Dem jeweiligen Lebensabschnitt entsprechende, sind flexible Arbeitszeitmodelle zu schaffen (z. B. Teilzeitmodelle für ältere Arbeitnehmer/innen, Elternteilzeit, individuelle Arbeitszeiten)

Die Kärntner Ärztekammer drängt daher darauf, dass die Attraktivität ärztlicher Tätigkeit in den Spitälern spürbar erhöht wird - durch:

  • Reduzieren der Administrativbelastung - weniger aktive Dokumentationsarbeit, dafür mehr Zeit für ärztliche Tätigkeiten
  • Ausbildungsgerechte Verwendung der Jungmediziner/innen
  • Administrative und arztfremde Tätigkeiten sollen von geeignetem Personal verrichtet werden, z.B. durch Dokumentationsassistenten
  • Etablierung familienfreundlicher Ausbildungsmodelle und Arbeitsbedingungen, Umsetzung entsprechender Teilzeitmodelle
  • Schaffung bzw. Erhalt von Karrieremöglichkeiten in den Spitälern,
  • Abbau des Missverhältnisses zwischen Arbeitsleistung und Gehalt (ein vernünftiges Gehalt ist derzeit nur durch Verrichtung möglichst vieler Nacht-dienste erreichbar)
  • Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeithöchstgrenzen Erhalt der Arbeitsfähigkeit und Schaffung von Arbeitszeitmodellen für ältere Spitalsärztinnen und -ärzte

Auch Attraktivität im niedergelassenen Bereich ist zu steigern, durch:

  • Sicherstellung eines adäquaten Einkommens und adäquater Arbeitsbedingungen speziell in peripheren Gebieten (u. a. bereits frühes "Werben" um Jungärztinnen/-ärzte wie z. B. in Deutschland durch "Landarztstipendien" während der Ausbildung, verstärkte Förderung von Lehrpraxen in Landarztordinationen)
  • Reduzierung des administrativen Aufwandes
  • Unterstützung bei der Eröffnung einer Ordination (Vereinfachen baulicher Vorschriften, anwenderfreundliche Bürokratie, mehr Service)
  • Kein Anspruch einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit
  • Bessere Möglichkeit von Teamwork unter Ärzten (Gruppenpraxen, time-sharing-Modelle und flexiblere Vertretungsmöglichkeiten)

"Die Politik muss handeln, wenn sie den drohenden Ärztemangel in Kärnten verhindern will. Die Arbeitsbedingungen für Mediziner sowohl in den Spitälern als auch in der Niederlassung sind derzeit nicht attraktiv", betont Präsident Dr. Josef Huber abschließend.

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