Schönborn: Wissenschaft braucht Raum fürs "Staunen"

Wiener Erzbischof diskutierte mit Wissenschaftsminister Töchterle, Philosophin Gerl-Falkovits und Theologen Weder zum Auftakt der Salzburger Festspiele über "Schöpfer und Geschöpf"

Salzburg, 22.07.12 (KAP) Der Mensch muss wieder einen "Raum zurückgewinnen", der sich der alleinigen Rationalität entzieht, dafür aber "sinnvoll" ist, "weil vordergründig nutz- und zwecklos". Zu dieser Überzeugung kamen die Diskutanten zum Thema "Schöpfer und Geschöpf" im Rahmen der "Ouverture spirituell" bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele am Samstag. Im Zentrum der Diskussion in der "SalzburgKulisse" mit Kardinal Christoph Schönborn, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, der deutschen Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovits und des Schweizer Theologen Hans Weder standen Grundfragen der europäischen Kultur und des Suchens nach Gott im Kontext einer naturwissenschaftlich geprägten Geisteswelt.

Dabei wies der Wiener Erzbischof nachdrücklich die Kritik zurück, wonach die Kirche in kritischer Distanz zur Naturwissenschaft stünde. Gleichzeitig warnte Schönborn vor einer "Vergötzung des Fortschritts" und einem Knappwerden der Sinnreserven. Das "Suchen" sei "dem Menschen eingewebt", sagte der Kardinal. "Gefährlich" sei aber das "alleinige Vertrauen auf die Wissenschaft" und "wenn eine Methode zur Mentalität wird". Demgegenüber hielt der Kardinal fest, dass "in allen Wissenschaften Raum für das Staunen bleiben muss."

Eine Sicht, die auch vom Wissenschaftsminister Töchterle bestärkt wurde, der zudem für einen klaren "Auftrag an die Bildung" plädierte, "dafür zu sorgen, dass Gott im Diskurs bleibt". Zuvor hatte der habilitierte Altphilologe über die bleibende Brisanz des Prometheus-Mythos als Vollender oder Zerstörer der Schöpfung referiert.

Das vom internationalen Filmproduzenten Jan Mojto moderierte Gespräch wurde vom Herbert Batliner Institut und der Leitung der Salzburger Festspiele im Rahmen der erstmals stattfindenden "Ouvertüre spirituelle" veranstaltet. Ihre musikalische Eröffnung erfolgte mit der "Schöpfung" von Joseph Haydn, mit der auch künftig die Festspiele eröffnet werden sollen, wenn es nach dem Wunsch des Festspielintendanten Pereira geht.

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