Hearing im Bundesrat zum Thema: "Land ohne Ärzte" Diskussion über Zukunft der ärztlichen Versorgung in den Regionen

Wien (PK) - Die Zukunft der ärztlichen Versorgung in Österreich, vor allem in den ländlichen Regionen, stand im Mittelpunkt eines Hearings, das vom Bundesrat veranstaltet wurde. Mit namhaften Experten aus dem Gesundheitsbereich diskutierten die Ländervertreter über aktuelle Problembereiche sowie mögliche Strategien zur Sicherung der medizinischen Nahversorgung. Der Präsident des Bundesrates, Georg Keuschnigg, betonte die Bedeutung dieser komplexen Thematik, weil es darum gehe, eine geografische Zweiklassenmedizin zu vermeiden.

Der Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH, Georg Ziniel, ging zunächst auf die Problembereiche des österreichischen Gesundheitssystems ein und führte bei dabei u.a. die Spitalslastigkeit an, die trotz hohem monetären und personellen Einsatz nicht zu optimalen Ergebnissen führe, wie internationale Vergleich belegen. Weiters wies er darauf hin, dass in den letzten zwei Jahrzehnten die Anzahl der Fachärzte, die tendenziell eher in Ballungsgebieten tätig sind, deutlich gestiegen ist, während es bei den Allgemeinmedizinern kaum einen Zuwachs gab. Auffällig sei auch, dass zwar immer mehr Frauen den Arztberuf ergreifen, aber dabei eher zum Angestelltenverhältnis tendieren. Aus seiner Sicht müsste auf jeden Fall die Primärversorgung, die nicht nur die hausärztliche Betreuung, sondern die sinnvolle Kooperation mit allen Gesundheitsberufen umfasst, ausgebaut werden.

Der Generaldirektor des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, Josef Kandlhofer, gab eingangs zu bedenken, dass es in Österreich derzeit so viele Ärzte wie noch nie gibt. Er thematisierte ebenso die extreme Spitalslastigkeit des Systems und ortete Mängel bezüglich der regionalen Ausgewogenheit und Verteilung der Mediziner. Man müsste daher über neue Versorgungssysteme in den Regionen nachdenken, die Nahtstelle zwischen Spitalsambulanz und niedergelassenem Bereich verbessern sowie sich Anreizsysteme überlegen, damit mehr Ärzte in die Peripherie gehen, schlug der Generaldirektor vor.

Arthur Wechselberger, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, wies darauf hin, dass es heute zwar viel mehr Ärzte gibt als früher, aber die Kassenstellen fast gleich geblieben sind. Auch die Altersstruktur - das Durchschnittsalter der Allgemeinmediziner liegt bei 56 Jahren - sowie die Tatsache, dass drei Viertel der praktischen Ärzte Männer sind, lassen erkennen, dass es in der Zukunft zu einem großen Generationenwechsel und Geschlechtertausch kommen wird. Die Herausforderung bestehe sicher darin, den Beruf des niedergelassenen praktischen Arztes attraktiver zu gestalten, meinte Wechselberger, was auch die Einkommenssituation inkludiere. Außerdem trat er für einen Ausbau des Leistungskatalogs der Sozialversicherungen ein.

In der Umsetzung eines "Primary Health Care Modells" sah Universitätslektor Erwin Rebhandl, der viele Jahre Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin war, eine Verbesserung und Lösung vieler aktueller Probleme. Dabei geht es um die Schaffung eines modernen, wohnortnahen und extramuralen Versorgungsnetzwerkes, das auch schon von einigen Ländern realisiert wurde. Der Hausarzt, der Teil eines multidisziplinären Teams ist, fungiere dabei als Koordinator bzw. Ansprechstelle und werde in seiner Arbeit von Vertretern verschiedenster Gesundheitsberufe unterstützt. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen sollten jedoch eigene Modelle für die Stadt und für das Land entwickelt werden, argumentierte Rebhandl. Da für ein solches System auch mehr Allgemeinmediziner erforderlich sind, müsste der Beruf attraktiver gestaltet und Anreizsysteme überlegt werden.

Schließlich beleuchtete noch Universitätsprofessor Norbert Mutz (Vizerektor der Medizinischen Universität Innsbruck) die Thematik von der der Ausbildungsseite. Ein Problem sah er auch darin, dass viele ausländische Medizinstudenten wieder in ihr Heimatland zurückkehren und österreichische Jungmediziner von anderen Staaten abgeworben werden. (Schluss)

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