WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Markt hat immer recht - S&P nicht - von Andre Exner

Eine Entschuldigung wird es von Standard & Poor's nicht geben

Wien (OTS) - Zu Finanzministerin Maria Fekter kam der Krampus am
5. Dezember des Vorjahres in Form einer angedrohten Ratingsenkung durch die US-Ratingagentur Standard & Poor's. Und als "unser" zuvor in jahrelanger Arbeit in Stein gemeißeltes AAA kurz danach tatsächlich weggenommen wurde, war die Aufregung riesig - kostet ein Downgrade doch üblicherweise Geld in Form von Strafzinsen, sprich höheren Finanzierungskosten für die Staatsschulden.

Die Finanzmärkte ließen sich von S&P jedoch nicht die Freude an Staatstiteln made in Austria nehmen. Im Gegenteil: Die Renditen der Bundesanleihen sind seitdem rückläufig. Und seit gestern gehört Österreich zusammen mit Deutschland, den Niederlanden und Finnland nachweislich zu den vier sichersten Häfen in den Wogen der Eurokrise. Bei diesen vier Ländern sind Anleger bereit, Negativzinsen in Kauf zu nehmen, um ihr Geld sicher zu wissen. Doch während die anderen drei Negativzins-Staaten eine makellose Rating-Weste haben, genießt Österreich auch ohne die Bestnote von S&P historisch günstige Finanzierungskosten.

Im Nachhinein betrachtet erweist sich die Abstufung durch S&P als unüberlegte Aktion, die an den Märkten verpufft ist. Eine Entschuldigung wird es von Standard & Poor's trotzdem nicht geben. Hier spielen auch persönliche Eitelkeiten eine Rolle - so hat sich auch Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman nicht für seinen berüchtigten Sager aus dem Jahr 2008 entschuldigt, Österreich sei ein Pleitekandidat.

Mangels eines AAA von allen Ratingagenturen können wir uns aber nur im stillen Kämmerlein über die Negativzinsen freuen - und versuchen, Österreichs guten Ruf, der bei den Anlegern erwiesenermaßen keinen Schaden genommen hat, auch bei den Ökonomen wiederzuerlangen. Hier ist die Politik gefordert. Mehr Mut zu Reformen kommt bei Ratingagenturen immer gut an, selbst symbolische Schritte wie die Zweidrittelmehrheit bei der Schuldenbremse nehmen Wirtschaftsforscher sehr ernst. Und mit tatsächlichen Reformschritten könnte man S&P einen Anlass geben, das AAA ohne Gesichtsverlust zurückzugeben.

Allein: Von alldem wird leider nichts passieren. Vielmehr werden die Früchte der Negativzinsen im schwarzen Loch des Budgets verschwinden oder in Form von Wahlzuckerln verteilt werden - wie das mit Mehreinnahmen immer passiert. Nur nicht übertreiben, denn sonst werden wir auch von den Märkten abgestraft. Und die haben im Gegensatz zu Ratingagenturen immer recht.

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