- 16.07.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Markt hat immer recht - S&P nicht - von Andre Exner
Eine Entschuldigung wird es von Standard & Poor's nicht geben
Wien (OTS) - Zu Finanzministerin Maria Fekter kam der Krampus am
5. Dezember des Vorjahres in Form einer angedrohten Ratingsenkung
durch die US-Ratingagentur Standard & Poor's. Und als "unser" zuvor
in jahrelanger Arbeit in Stein gemeißeltes AAA kurz danach
tatsächlich weggenommen wurde, war die Aufregung riesig - kostet ein
Downgrade doch üblicherweise Geld in Form von Strafzinsen, sprich
höheren Finanzierungskosten für die Staatsschulden.
Die Finanzmärkte ließen sich von S&P jedoch nicht die Freude an
Staatstiteln made in Austria nehmen. Im Gegenteil: Die Renditen der
Bundesanleihen sind seitdem rückläufig. Und seit gestern gehört
Österreich zusammen mit Deutschland, den Niederlanden und Finnland
nachweislich zu den vier sichersten Häfen in den Wogen der Eurokrise.
Bei diesen vier Ländern sind Anleger bereit, Negativzinsen in Kauf zu
nehmen, um ihr Geld sicher zu wissen. Doch während die anderen drei
Negativzins-Staaten eine makellose Rating-Weste haben, genießt
Österreich auch ohne die Bestnote von S&P historisch günstige
Finanzierungskosten.
Im Nachhinein betrachtet erweist sich die Abstufung durch S&P als
unüberlegte Aktion, die an den Märkten verpufft ist. Eine
Entschuldigung wird es von Standard & Poor's trotzdem nicht geben.
Hier spielen auch persönliche Eitelkeiten eine Rolle - so hat sich
auch Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman nicht für seinen
berüchtigten Sager aus dem Jahr 2008 entschuldigt, Österreich sei ein
Pleitekandidat.
Mangels eines AAA von allen Ratingagenturen können wir uns aber nur
im stillen Kämmerlein über die Negativzinsen freuen - und versuchen,
Österreichs guten Ruf, der bei den Anlegern erwiesenermaßen keinen
Schaden genommen hat, auch bei den Ökonomen wiederzuerlangen. Hier
ist die Politik gefordert. Mehr Mut zu Reformen kommt bei
Ratingagenturen immer gut an, selbst symbolische Schritte wie die
Zweidrittelmehrheit bei der Schuldenbremse nehmen Wirtschaftsforscher
sehr ernst. Und mit tatsächlichen Reformschritten könnte man S&P
einen Anlass geben, das AAA ohne Gesichtsverlust zurückzugeben.
Allein: Von alldem wird leider nichts passieren. Vielmehr werden die
Früchte der Negativzinsen im schwarzen Loch des Budgets verschwinden
oder in Form von Wahlzuckerln verteilt werden - wie das mit
Mehreinnahmen immer passiert. Nur nicht übertreiben, denn sonst
werden wir auch von den Märkten abgestraft. Und die haben im
Gegensatz zu Ratingagenturen immer recht.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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