Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Neue Partei, neues Glück"

Ausgabe vom 13. Juli 2012

Wien (OTS) - Wer in der Politik nach Generalabsolution strebt,
etwa für in der Vergangenheit begangene Sünden wider die geschriebenen und ungeschriebenen Gebote der demokratischen Anständigkeit, der gründet einfach eine neue Partei. Das erinnert entfernt an die kreative Verpackungsindustrie für faule Kredite: Auch hier weiß am Ende niemand, wo genau der Dreck - in diesem Fall die politische Sauerei - drinnen steckt. Und am Ende stehen alle mit blütenreiner Weste vor dem Publikum. Ein Wunder.

Was kann daher die heutige FPÖ für die legalen und illegalen Unanständigkeiten unter Schwarz-Blau? Gar nichts natürlich. Weil sich bekanntlich die alte FPÖ mit dem Haider Jörg an der Spitze 2005 von selbst verabschiedete.

Also müsste doch zumindest das BZÖ, das Haider in der Folge ins Leben rief, für die Sünden geradestehen. "Sicher nicht", schallt es einem aus der Truppe von Josef Bucher und Co entgegen. Diese pochen besonders auf die Gnade der späten Geburt. Dabei waren die Orangen im Süden bis 2010 an den süßen Hebeln der Macht, die Narrenfreiheit bedeuten; zwar in konkreter Gestalt der Freiheitlichen Partei Kärnten FPK, aber dennoch wenigstens im Geiste eins mit dem BZÖ im Bund. Übrigens auch noch unter Bucher.

Mit den dubiosen Machenschaften rund um den Wörthersee wollen Bucher und die Seinen aber heute selbstredend nichts mehr zu tun haben. Schließlich weiß doch jeder, dass sich FPK und BZÖ längst spinnefeind sind. Neue Standards in der Disziplin Selbstreinwaschung setzt dabei übrigens Stefan Petzner, dem Haider einst Lebensmensch war und der trotzdem von all den Grenz- und Gesetzesüberschreitungen nie etwas mitbekommen haben will.

Bleibt die FPK. Aber nicht einmal hier will man sich für die Malversationen der Vergangenheit das Büßerhemd überstreifen. Statt Fehler einzugestehen, beharren die Kärntner Freiheitlichen, die längst wieder mit der FPÖ verbandelt sind, dass überhaupt keine passiert sind.

Natürlich haben die Freiheitlichen kein Monopol auf Machtmissbrauch, das lehrt die Affärenchronik der Zweiten Republik. Was so unerträglich aufstößt, ist die Attitüde der ewig verfolgten Unschuld beim einstigen dritten Lager.

Angesichts der aktuellen politischen Nachrichtenlage dürfte der Trend zu neuen Parteien nicht so schnell abebben. Einfacher lässt sich Schmutzwäsche schließlich nicht entsorgen.

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