Coface Länderrisiko-Bewertung: Die Krise in Südeuropa vertieft sich, erste Probleme auch in Indien

Wien (OTS) - Die Rezession in Südeuropa nimmt immer ausgeprägtere Züge an und hat von Spanien und Italien bereits auf Zypern übergegriffen. Angesichts der sich verschlechternden Konjunkturlage hat Coface Spanien und Italien mit der Bewertung A4 auf die negative Watchlist gesetzt und Zypern, dessen Situation Anlass zur Sorge gibt, von B auf C herabgestuft. Die Wirtschaftsleistung in diesen drei Ländern wird im Jahr 2012 voraussichtlich um 2,0% (Spanien), 1,8% (Italien) bzw. 1,3% (Zypern) schrumpfen.

In Spanien war im ersten Quartal 2012 eine deutliche Vertiefung der Rezession zu verzeichnen: Die Wirtschaftsleistung im Industrie-und Dienstleistungsbereich ging stark zurück und die Immobilienpreise fielen um 30% im Vergleich zum Spitzenwert von Dezember 2007. Die Arbeitslosenrate steigt weiter an und liegt seit März 2012 über der 24-Prozent-Marke. Zahlungsverzüge und Unternehmenskonkurse haben in Spanien merkbar zugenommen und betreffen nicht mehr nur Unternehmen aus der Baubranche, sondern auch solche aus den Bereichen Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion, Elektrogeräte, chemische Industrie und Nichtfachhandel. Durch das langsame Wachstum kommt es zu keiner Reduzierung der Staatsschulden und die Lage auf dem Sekundärmarkt bleibt weiterhin merklich angespannt.

Italien verzeichnete auch im ersten Quartal 2012 - zum dritten Mal in Folge - wieder einen Rückgang des BIP, und zwar um 0,8%. Die Wirtschaftsleistung im Industriebereich sank noch rascher als zuvor, wobei insbesondere die Baubranche einen Rückgang von 15,1% im Jahresverlauf zu beklagen hatte. Die Arbeitslosigkeit hat Rekordhöhen erreicht und lag im April 2012 bei 10,2%. Unter Bedingungen, in denen Reformen zu einer wachsenden Desillusionierung der Bevölkerung führen könnten, stellt die Höhe der Staatsverschuldung eine Bedrohung dar. Inwieweit das Land die Verschuldung in den Griff bekommt, hängt in großem Maße von den Markterwartungen ab, die jedoch häufigen Änderungen unterworfen sind. Coface registriert eine drastische Verschlechterung der Zahlungsstatistik bei italienischen Unternehmen, speziell in den Bereichen Metallverarbeitung, Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion, Bauwesen und Textilindustrie.

Zypern ist das fünfte Land der Eurozone, das bei der Währungsunion um Hilfe angesucht hat. Der Bankensektor stellt mit einer Bilanzsumme, die das Siebenfache des zypriotischen BIP beträgt, ein systemisches Risiko dar: Hier kommt das mit Griechenland verbundene Risiko in erheblichem Ausmaß zum Tragen. Die Privatverschuldung erreicht mit 311% des BIP (2011) den Spitzenwert in Europa, die Verschuldungsrate der Unternehmen beläuft sich auf 186% des BIP. Die Baubranche leidet weiterhin an den Folgen der geplatzten Immobilienblase. Auch die petrochemische Industrie musste aufgrund von Unterbrechungen der Stromversorgung Rückschläge hinnehmen.

Auch in den Schwellenländern gibt es inzwischen Grund zur Sorge:
Im indischen Wirtschaftswachstumsmodell zeichnen sich erste Probleme ab, und auch im Wirtschaftsklima Argentiniens ist eine Verschlechterung zu beobachten. Indonesien kann hingegen auf die Vitalität seines Inlandsmarkts zählen und zeigt deutliche Widerstandkraft gegenüber negativen Einflüssen von außen.

Indien: Ein Wachstumsmodell gerät unter Druck

Coface hat die allgemeine Bewertung des Landes (A3) auf die negative Watchlist gesetzt. In Indien schwächen die nachlassende Außennachfrage sowie die restriktive Geldpolitik im Zeitraum zwischen März 2010 und Oktober 2011 das Wirtschaftswachstum. Coface rechnet für 2012 mit einem BIP-Wachstum von 6,5% im Jahresverlauf. In diesem Quartal erreichte das Wirtschaftswachstum seinen niedrigsten Wert seit neun Jahren, gleichzeitig wurde ein Rückgang der Produktionsleistung verzeichnet. Nach einem Kurssturz von 23% im Juni 2012 ist die Rupie angesichts des hohen Länderrisikos und des Rückgangs der ausländischen Direktinvestitionen weiterhin unter Abwertungsdruck. Diese anhaltenden Belastungen im Zusammenhang mit der Währungspolitik, den Inflationsängsten und der Höhe der Staatsverschuldung lassen trotz der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums keinen Spielraum für Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft zu. Darüber hinaus hat die geschwächte Position der Kongresspartei nach den Wahlen im März 2012 den Zeitplan für Strukturreformen ins Stocken gebracht. Das anhaltend hohe Ausmaß an Korruption, wenig effiziente Infrastrukturen und der Qualitätsrückgang bei den ordnungspolitischen Maßnahmen geben ausländischen Investoren Anlass zu Bedenken. Daher hat das Wirtschaftsklima negative Auswirkungen auf das Wachstum.

Argentinien: Verschlechterung des Wirtschaftsklimas

Coface hat in Folge der Umsetzung restriktiver Devisenbewirtschaftungsmaßnahmen seine Bewertung des Wirtschaftsklimas in Argentinien von B auf C herabgestuft. Diese Maßnahmen erschweren sowohl Import- als auch Exportunternehmen den Zugang zu Devisen. Die Instabilität der ordnungspolitischen Maßnahmen und der zunehmende Interventionismus der Regierung beginnen, das wirtschaftliche Vertrauen sowohl bei Haushalten als auch Unternehmen zu untergraben und tragen so zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums bei.

Indonesien: Im Aufwärtstrend

Coface hat die Bewertung des Landes (B) und auf die positive Watchlist gestellt. Der Inlandsmarkt profitiert von günstigen demografischen Faktoren. Rohstoffexporte nach China tragen zur Stabilisierung des ausgeprägten Wachstums bei. Die fortschreitende Verbesserung des Länderrisikos, die zur Restrukturierung des Bankensektors umgesetzten Reformen und die kontinuierliche Korruptionsbekämpfung haben einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der indonesischen Wirtschaft und deren Fähigkeit, sich im zunehmend schlechter werdenden globalen Wirtschaftsklima zu behaupten, geleistet.

Über die Methodik:

Die Coface Länderbewertungen zeigen das Ausfallsrisiko, also die Fähigkeit der Unternehmen eines Landes, Zahlungen rechtzeitig zu leisten. Sie werden auf Basis des wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Umfelds sowie des Zahlungsverhaltens der Unternehmen vergeben. Die Ländereinstufung von Coface erfolgt in sieben Kategorien. A1 bis A4 entsprechen Investmentgrades und symbolisieren geringes Risiko und stabiles Zahlungsverhalten. B, C und D stehen für mittleres bis hohes Risiko unterhalb der Investmentgrades.

Coface Austria & Coface Central Europe

Coface Austria, mit Zentrale in Wien und Niederlassungen in Polen, Ungarn, Litauen, Lettland, Slowakei, Tschechien, Rumänien und Bulgarien ist seit Gründung 1954 der Partner am heimischen Markt für Kreditversicherungen. Seit 1997 ist Coface Austria Tochter der französischen Coface und damit Teil eines der drei Global Player am Kreditversicherungsmarkt. Die Schwestergesellschaft Coface Central Europe ist seit 20 Jahren Marktführer für Wirtschaftsinformationen in 12 zentraleuropäischen Ländern. Ergänzend bietet man in der gesamten Region Inkassoservices an. Coface Central Europe ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Coface (75 Prozent) und des KSV1870 (25 Prozent). Seit 2002 ist Wien innerhalb des Coface Konzerns Headquarter für Zentral- und Osteuropa, die gesamte Region zählt bereits über 700 Mitarbeiter/innen.

Coface

Die Coface-Gruppe, einer der weltweit führenden Kreditversicherer, bietet Unternehmen globale Lösungen für ihr Forderungsmanagement. 2011 erwirtschaftete die Gruppe einen konsolidierten Umsatz von 1,6 Mrd. Euro. 4.600 Mitarbeiter/innen in 66 Ländern bieten weltweit lokalen Service. Jedes Quartal veröffentlicht Coface ihre Einschätzung des Risikos von 157 Ländern. Diese Bewertung basiert auf den einzigartigen Kenntnissen über das Zahlungsverhalten von Unternehmen und der Expertise der 350 Kreditprüfer. Coface ist die Tochter der französischen Bank Natixis (Core Tier 1 Ratio 10,2% Ende Dezember 2011).

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