• 09.07.2012, 16:10:40
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Neues Volksblatt: "Sittenbild" von Michael KALTENBERGER

Ausgabe vom 10. Juli 2012

Linz (OTS) - Nach den Affären um den Dritten
Nationalratspräsidenten Martin Graf und den Chef der Kärntner
Freiheitlichen Uwe Scheuch fragt man sich, was man in dieser Partei
tun muss, um zurücktreten zu müssen.
Eine ganze Menge, wie man sieht. Wobei die Toleranz-Skala bei den
eigenen Leuten nach oben offen ist, während bei Politikern anderer
Parteien recht strenge Maßstäbe angelegt werden. Da braucht es nicht
viel, um zum Rücktritt aufgefordert zu werden.
Aber offensichtlich ist die von Jörg Haider zur Abwehr von Kritik
eingeführte Verschwörungstheorie - alle sind gegen die FPÖ, nur wir
sind für uns - den Blauen schon derart in Fleisch und Blut
übergegangen, dass jede Spur von Selbstkritik verschwunden ist. Das
wirkt sich dann so aus, dass einer, der gerade verurteilt worden ist,
wenn auch nicht rechtskräftig, dem Bundespräsidenten und der
Nationalratspräsidentin droht, anstatt einen Augenblick innezuhalten
und darüber nachzudenken, ob er erstens nicht doch etwas falsch
gemacht hat und, wenn ja, ob er zweitens nicht in irgend einer Form
Konsequenzen ziehen sollte. Und wenn er schon selbst nicht dazu
willens oder imstande ist, dann sollte es in der Partei jemanden
geben, der ihm einen freundschaftlichen Rat gibt.
Aber nichts von all dem geschieht. Ein Sittenbild in blau.

Rückfragehinweis:
Neues Volksblatt, Chefredaktion
Tel.: 0732/7606 DW 782
mailto:[email protected]
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