Alte Probleme der "Medizinischen Assistenzberufe" in neuem Kleid

ÖGKV sieht die Umsetzung des MAB- Gesetzes in der Praxis kritisch

Wien (OTS) - Die seit 1961 bestehenden gesetzlichen Regelungen
für "Sanitätshilfsdienste" haben nun endlich ausgedient und werden durch das neue "MAB Gesetz", welches heute durch den Nationalrat beschlossen wird, ersetzt. Sieben Berufe sollen durch ein modulares Ausbildungssystem auf die Aufgaben der modernen Gesundheitsversorgungssysteme vorbereiten und darüber hinaus Flexibilität zwischen den einzelnen Berufen ermöglichen - soweit so gut. Der bedarfsgerechte Patienten- und Patientinnenversorgung rückt man dadurch jedoch keinen Schritt näher. Vielmehr befinden sich nach wie vor "nichtärztliche" Gesundheitsberufe - so auch Pflegefachberufe wieder einmal am Gängelband der Medizin.
Aus der Sicht des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV) betrifft dies in erster Linie die OrdinationsassistenInnen und OperationsassistenInnen.

"Die Formulierungen für die praktische Tätigkeit dieser beiden Berufe sind im Gesetz so allgemein gehalten, das eine Delegation von komplexen Pflegehandlungen durch den Arzt an diese beiden Berufe möglich wird ", meint Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV) und Vorsitzenden der Österreichischen Pflegekonferenz.

Konkret geht es dabei um Bereiche der Patientenaufklärung, sowie um das Assistieren bei Operationen. "Auch wenn dies nur im Rahmen kleinerer Eingriffe möglich wird, ist der gesetzliche Freibrief dafür der Patientensicherheit und der Behandlungsqualität nicht förderlich", meint Frohner.

Der zweite sehr wichtige Aspekt betrifft die Betreuung von Patienten und deren Angehörige im Rahmen von Beratungsgesprächen. Die Behandlungs- und Therapieformen für die Menschen werden wohl immer individueller, aber auch immer umfangreicher. Es ist gelebte Praxis, dass der behandelnde Arzt, dem für ein umfassendes Gespräch oft die Zeit fehlt, dies an seine MitarbeiterInnen delegiert. Bei bester Absicht reicht jedoch das Wissen der ehemaligen Ordinationshilfen und künftigen OrdinationsassistentInnen dafür sicher nicht aus.

Auch in den Krankenanstalten liegt die so genannte Angehörigenschulung, beispielsweise für Diabetiker - so nicht vom Arzt durchgeführt - derzeit im gesetzlichen Graubereich.
Denn dem dafür bestens ausgebildeten gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege ist das nach den derzeitigen Bestimmungen nicht erlaubt.

Die Gelegenheit hier eine konstruktive Lösung, zumindest hinsichtlich der angesprochenen Berufe gesetzlich zu verankern, wurde zwar in vielen Arbeitsgesprächen diskutiert und fachlich argumentiert, schlussendlich aber im Gesetz nicht abgebildet. Somit ist ein weiter wurschteln in den Versorgungssystemen zu den angesprochenen Punkten gegeben.

Rückfragen & Kontakt:

Ursula Frohner, Präsidentin
Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV)
Wilhelminenstraße 91/IIe, 1160 Wien
T:+43 1/ 478 27 10
office@oegkv.at
www.oegkv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GKV0001