Studie: Österreichs Gesundheitssystem teuer bei mittelmäßigen Ergebnissen

WKÖ-Vizepräsident Schelling: "Krankheitssystem in Gesundheitssystem umwandeln" - Österreichs Gesundheitssystem krankt bei Effizienz und Patientennutzen

Wien (OTS/PWK466) - Österreichs Gesundheitssystem wird oftmals als eines der besten dargestellt. Unbestritten ist, dass die Ausgaben für Gesundheit hierzulande hoch sind: 2010 waren das 31,4 Mrd. Euro, das sind rund 11 Prozent des BIP. Die Betriebe stemmen einen beträchtlichen Anteil der Gesundheitsausgaben und sind deshalb ganz besonders an einem effizienten und zielgerichteten Einsatz der Mittel interessiert. So tragen die österreichischen Unternehmen im Rahmen des Dienstgeberanteils zur Sozialversicherung ca. 27, 6 Milliarden Euro (Daten aus 2011) zu den "sozialen Töpfen" bei, während auf die Dienstnehmer rund 15,6 Milliarden entfallen.

Dass sich die hohen Ausgaben aber nicht gleichsam auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung, die Patientenversorgung und Effizienz des Systems insgesamt niederschlägt, belegt nun eine Analyse des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich, eine Initiative der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und des FOPI (Forum der Forschenden Pharmazeutischen Industrie in Österreich).

"Ein relativ hoher Ressourceneinsatz bei einer nur mittelmäßigen Wirkung für die Patienten ergibt eine eher geringe Gesundheitssystemeffizienz. Das bedeutet: Unser Gesundheitssystem könnte wesentlich patientenorientierter und effizienter arbeiten. Ziel muss es daher sein, den eigentlichen Patientennutzen zu stärken und Effizienzpotenziale zu heben. Denn anders ist das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem langfristig nicht finanzierbar", betonte Hans Jörg Schelling, WKÖ-Vizepräsident und Vorsitzender des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem IHS-Gesundheitswirtschsftsexperten Thomas Czypionka und FOPI-Vizepräsident Ingo Raimon.

Für die Studie "Public Sector Performance: Gesundheit" wurden verschiedene Methoden der Effizienzmessung in Gesundheitssystemen gegenübergestellt und analysiert. Ziel war es, aufzuzeigen, in welcher Relation Kosten und Ergebnisse im heimischen Gesundheitssystem stehen und wie Österreich damit im internationalen Vergleich abschneidet. Fazit: Die outcomeorientierte Performance des heimischen Gesundheitssystems liegt im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Die Effizienz des Gesundheitssystems liegt nur im hinteren Drittel im internationalen Vergleich.

FOPI Vizepräsident Ingo Raimon unterstrich: "In einem effizienten Gesundheitssystem können die Menschen gesünder alt werden. Die aufgezeigten Ansätze gehen in eine klare Richtung: bessere Nutzung der vorhandenen Ressourcen und Investition in innovative Lösungen, die die Bevölkerungsgesundheit verbessern und somit Kosten im nachgeschalteten Bereich verringern."

Ein nachhaltig finanziell gesundes, effektives und effizientes Gesundheitssystem bietet laut Raimon die beste Grundlage für die Schaffung von "Headroom for Innovation" - und damit für die Absicherung und den weiteren Ausbau der Qualität im Zugang der österreichischen Bevölkerung auch und gerade zu innovativen Arzneimitteln.

Laut Raimon brauchen wir in Österreich innovationsfreundliche Rahmenbedingungen "from research to retail", damit die Ergebnisse pharmazeutischer Innovation ihren größtmöglichen Nutzen entfalten können, für einzelne Patienten und für das österreichische Gesundheitssystem.

"Derzeit haben wir eine einrichtungsorientierte Finanzierung, aber keine bedarfsorientierte Versorgung. Ohne eine umfassende Gesundheitsreform wird es nicht möglich sein, Effizienzsteigerungen im System zu erreichen", betonte Schelling mit Verweis auf die aktuelle politische Punktuation.

Dabei gehe es aber nicht nur um effizienzsteigernde und kostendämpfende Schritte, sondern auch um die Förderung von Eigenverantwortung, unterstrich Schelling: "Prävention ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern in erster Linie des Bewusstseins. Hier liegt die Verantwortung im Wesentlichen bei jedem Einzelnen". (PM)

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