Scharfe Kritik an Beschneidungsverbot auch in Österreich

Debatte um Kölner Urteilsspruch erreicht Österreich: Theologe Jäggle vom christlich-jüdischen Koordinierungsausschuss, Wiener Rabbiner Hofmeister und evangelischer Synodenpräsident Krömer sehen Eingriff in die Religionsfreiheit

Wien, 04.07.12 (KAP) Scharfe Kritik an dem zuletzt durch ein Kölner Gericht ausgesprochenen Beschneidungsverbot ist nun auch in Österreich laut geworden: Der Urteilsspruch, die religiöse Beschneidung von Buben sei als "schwere und irreversible" und somit strafbare Körperverletzung zu werten, sei ein massiver Eingriff in die Religionsfreiheit, erklärten jetzt sowohl christliche als auch jüdische Stimmen in Österreich: der Wiener Theologe Martin Jäggle als Präsident des österreichischen Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Wiener Rabbiner Schlomo Hofmeister und der evangelische Synodenpräsident Peter Krömer. Auch Kommentare zum Thema in Printmedien zeigen, dass die in Deutschland zuletzt lebhafte Debatte nach Österreich übergeschwappt ist.

Von einem "eklatanten Eingriff" sprach Martin Jäggle am 4. Juli in einer Stellungnahme gegenüber "Kathpress". Das Kölner Urteil habe zwar für Österreich keine rechtlichen, könne aber sehr wohl gesellschaftspolitische Folgen haben. Es zeige sich darin eine "westliche Grundhaltung" gegenüber Ritualen generell, so Jäggle:
"Wer davon ausgeht, dass nur die innere Einstellung zählt, wird Rituale nie verstehen und als bloß 'äußerlich' abtun", so Jäggle. Diese Sichtweise sei mittlerweile so verbreitet, dass ihre "Begrenztheit" für Betroffene schwer zu erkennen sei.

Und noch ein zweiter Punkt stört den Protagonisten des interreligiösen Dialogs in Österreich massiv: Jäggle wies auf den Widerspruch zwischen der Einstufung von Beschneidung als "Körperverletzung" und dem zugleich in vieler Hinsicht "normativen Umgang mit dem Körper in unserer Gesellschaft" hin. Das Durchstechen von Ohrläppchen u.ä. dem Schönheitsideal entsprechende Eingriffe seien akzeptiert, während hier bei einer uralten identitätsstiftenden Symbolhandlung auf "Unversehrtheit" gepocht werde.

Ähnlich argumentiert Schlomo Hofmeister, Gemeinderabbiner von Wien:
Beschneidung sei ein Eingriff, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Präventivmaßnahme empfohlen wird; ihn "als rechtswidrige Körperverletzung zu diffamieren, weil -und nur weil - seine Durchführung religiös begründet war, ist nicht nur absurd, sondern implizit eine bemerkenswerte Antwort auf die Frage, was wohl die wahre Motivation der an diesem Gerichtsverfahren beteiligten Personen ist". Hofmeister sieht in dem Urteil "den säkularistischen Versuch, religiöses Leben in Deutschland gesellschaftlich zu delegitimisieren".

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