Wissenschaftsausschuss debattiert Entwicklung der Hochschulen Töchterle will Fachhochschulen kontinuierlich ausbauen

Wien (PK) - Der Wissenschaftsausschuss befasste sich in seiner heutigen Sitzung mit dem Universitätsbericht 2011 und dem Bericht des Fachhochschulrates 2010. Dem Ausschuss lag auch die 15a-Vereinbarung des Bundes mit dem Land Niederösterreich zur finanziellen Absicherung des Institute of Science and Technology-Austria und ein Antrag der Koalitionsparteien vor, der das Fachhochschulgesetz um eine Übergangsregelung für die Leitung von Fachhochschulkollegien ergänzt. Auf der Tagesordnung standen auch Anträge des BZÖ und der Grünen zu Universitätsthemen, die jeweils mit S-V-Mehrheit dem Unterausschuss des Wissenschaftsausschusses zugewiesen wurden.

Bundesminister Töchterle: Der eingeschlagene Pfad wird eingehalten

Abgeordneter Kurt Grünewald (G) meinte, es liege ein umfassender und informativer Bericht zur Lage der Universitäten vor. Für ihn sei aber die Frage offen, wie mit dem derzeitigen Budgetpfad bis 2010 den angestrebten Anteil der Forschung und Entwicklung von 2 % des BIP erreichen wolle. Für die Grundlagenforschung, wo man derzeit bei 0,46 % BIP-Anteil halte, sei sogar eine Verdoppelung geplant. Wenn man mehr private Beteiligung wünsche, stelle sich die Frage, wie man Anreize schaffe und verhindere, dass eine Einflussnahme von privaten Interessen auf Forschung und Lehre erfolgt.

Abgeordneter Rainer Widmann (B) meinte, der Bericht zeige, vor dem Hintergrund knapper Ressourcen, viele "offene Baustellen" an den Hochschulen auf. So gebe es unbefriedigende Betreuungsverhältnisse in vielen Studien. Bei Studiengebühren stehe eine Regelung, die Rechtssicherheit schaffe, aus. Dies sei vor allem angesichts vieler Studierenden aus dem Ausland ein wichtiges Thema. Insgesamt habe sich auch die allgemeine Lage für Studierende nicht verbessert. Er vermisse in dem an sich guten Bericht, der viele Daten biete, leider die Konsequenzen, die daraus abzuleiten wären.

Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager (V) meinte, es sei ein guter Bericht, der viel Verbesserungsbedarf aufzeige, aber auch auf positive Entwicklungen verweise - etwa das Steigen der Zahl der Abschlüsse. Er zeige die Internationalität der Studierenden und auch die Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten. Für sie sei von Interesse, welche Entwicklung von StudienanfängerInnen und AbsolventInnenzahlen zu erwarten seien, welche Steuerungsinstrumente die Hochschulen und Universitäten dabei hätten, und wie Österreich im internationalen Vergleich der Hochschulbudgets abschneide.

Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) interessierte sich für den Einsatz der Offensivmittel und meinte, sie sei gegen ein Ausspielen der so genannten "Massenstudien" gegenüber den MINT-Fächern. Kuntzl erinnerte an die gesellschaftlichen Zielsetzungen der Leistungsvereinbarungen. Das seien die Erhöhung der sozialen Durchlässigkeit, mehr Frauen in Leitungspositionen zu bringen und Nachwuchsforscherinnen zu fördern. Hier fehlten im Bericht leider klare Aussagen, was erreicht sei, und welche zukünftigen Ziele vereinbart werden sollten. Sie hätte auch eine erste Bewertung der Studieneingangs- und Orientierungsphase gewünscht. Sie sah auch ein Stagnieren der Studierendenzahlen, ein Ansturm sei allerdings bei deutschen Studierenden zu erwarten, welche Maßnahmen setze man hier? Auch sei der Anteil der BezieherInnen von Studienförderung rückläufig, stellte Kuntzl fest und wollte wissen, was die Ursache sei.

Abgeordneter Werner Herbert (F) meinte, der umfangreiche Bericht zeige eine Reihe von Schwierigkeiten, die für Studierende bestehen, auf. Er zeige auch die teilweise unbefriedigende Personalsituation der Hochschulen auf. Er wolle wissen, wie es mit der Finanzierung der Hochschulen weitergehen werde, vor allem mit der von der FPÖ eingeforderten Uni-Milliarde, und wie der Stand der studienplatzbezogenen Finanzierung sei.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle stellte fest, dass die Erreichung der 2 %-Quote ein ambitioniertes Ziel sei, dessen Erreichung sicher nicht einfach sein werde. Es werde dazu der Bemühungen der öffentlichen Hand wie auch des privaten Sektors bedürfen. Der Anteil von privater Seite an der Hochschulfinanzierung sei in Österreich im internationalen Vergleich recht gering, betonte Töchterle, und müsse sicher ausgebaut werden. Österreich sei auch eines der wenigen Länder, in dem die öffentliche Finanzierung noch im Steigen begriffen ist. Da die Gelder der so genannten "Uni-Milliarde", die mit der Finanzministerin ausverhandelt wurden, bis 2016 bereits eingeplant seien, sei er aber optimistisch, dass man auf dem vorgesehenen Budgetpfad bis 2020 bleiben werde. Der Anteil der Grundlagenforschung am BIP liege im Übrigen nach ihm vorliegenden Zahlen etwas höher, bei 0,5 %.

Sein Ressort fordere die Universitäten auf, verstärkt Kooperationen mit der Wirtschaft zu suchen, und unterstütze sie dabei. Mit Stiftungsprofessuren habe man im allgemeinen sehr gute Erfahrungen, die befürchtete Einflussnahme erkenne er nicht. Eine Verbesserung der Betreuungsrelationen lasse sich erreichen, indem man entweder mehr Personal einstelle, oder den Zugang beschränke. Sein Zugang zu der Frage sei, dass man an beiden Schrauben drehen müsse. Man könne die Nachfrage nach Studienplätzen nicht einfach unbegrenzt befriedigen.

In der Frage der Regelung der Studiengebühren herrsche derzeit Stillstand. Einige Universitäten heben sie bereits ein, er selbst habe ein Modell vorgelegt, dass er für gut halte, und über das zu diskutieren er einlade. Er sei dagegen, die Akademikerquote zu einem Fetisch zu machen, sie sage per se noch nichts über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aus. Jedenfalls hole Österreich aber seit einigen Jahren stark auf und liege jetzt schon bei einem international durchaus akzeptablen Schnitt.

Der Anstieg der AbsolventInnenzahlen sei am deutlichsten bei den Medizinstudien, er leite daraus ab, dass diese die klare Folge der Zugangsregelungen sei, aufgrund derer nur tatsächlich Qualifizierte ein Studium beginnen. Zudem sei man bemüht, auch finanzielle Anreize für ein rasches Studium zu bieten.

Zum Einsatz der Offensivmittel wolle er festhalten, dass er als Geisteswissenschaftler sicher nicht den Wert dieser Fächer gegenüber MINT-Fächern in Frage stelle. Die Universitäten seien aufgefordert worden, Projekte vorzulegen, die von einer Fachjury bewertet wurden. Den Hochschulen war damit die Umsetzung vieler Vorhaben möglich, die ganz unterschiedlichen Bereichen zugutekamen. Für die umfassende Evaluierung der Studieneingangs- und Orientierungsphase sei es zu früh. Es habe sicher auch da und dort zu scharfe Regelungen gegeben, er sei für Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten stets dankbar.

Was die Internationalisierung der Hochschulen und der Studierenden betrifft, so sei diese prinzipiell positiv, man müsse aber bedenken, dass es eine asymmetrische Mobilität gebe. Es sei Österreich gelungen, dafür auf EU-Ebene ein Problembewusstsein zu schaffen und erfahre viel Unterstützung, auch wenn erfahrungsgemäß Lösungsansätze für ein derart komplexes Thema auf dieser Ebene ihre Zeit brauchen. So lange es diese nicht gebe, werde man auf nationaler Ebene handeln müssen, man müsse auch an Zugangsbeschränkungen denken.

Was die Studienbeihilfen angehe, so seien ein Grund dafür, dass diese nicht in Anspruch genommen werden, die Einkommensgrenzen. Hier müsse man überlegen, was man verbessern könne. Das Sinken der BezieherInnenzahlen erkläre sich aber auch daraus, dass die Anträge auf die Auszahlung von Kleinstbeträgen zurückgegangen sind.

In einer zweiten Runde sprach Abgeordneter Erwin Preiner (S) die Probleme beim Übergang vom BA- zum Masterstudium an. Manche Universitäten würden Hürden schaffen, kritisierte er.

Abgeordnete Karin Hakl (V) meinte, der internationale Vergleich zeige, dass eine hohe Akademikerquote nicht unbedingt direkten Einfluss auf die Arbeitslosenquote junger Menschen habe. Das zeige sich etwa in den skandinavischen Ländern. Ihre Fraktionskollegin Silvia Fuhrmann thematisierte die Lage der Studierenden. Probleme gebe es vor allem mit der Vereinbarkeit von Studium und Beruf.

Abgeordneter Bernard Vock (F) bezweifelt die Wirksamkeit der Frauenförderprogramme der Universitäten.

Abgeordneter Elmar Mayer (S) verwies darauf, dass 61 % der Studierenden berufstätig seien, 45 % davon durchgängig. Er wollte wissen, wie man diese Gruppe berücksichtige. Eine akademische Ausbildung senke auch eindeutig das Risiko der Arbeitslosigkeit. Wichtig sei, dass ein tertiäres Bildungsangebot für Früh- und Elementarpädagogik geschaffen werde.

Abgeordneter Kurt Grünewald (G) meinte, dass Österreich aufgrund seiner Besonderheiten der Statistikführung tatsächlich eine hohe Dunkelziffer der Akademikerarbeitslosigkeit habe. Der FWF, der viele Arbeitsplätze sichere, sei massiv unterfinanziert.

Ausschussvorsitzender Martin Graf (F) meinte, die Frage der Zugangsbeschränkungen sollte nicht immer von Seite der Hochschulen gedacht werden. An sich besitze man mit der Matura eine Form der Zugangsberechtigung. Man sollte auch Überlegungen anstellen, wie man ihre Aussagekraft über die damit verbundene Qualifikation erhöhen könnte. Der derzeitige Stand in der Frage der Studienbeiträge sei der schlechteste, der denkbar sei.

Bundesminister Karlheinz Töchterle hielt fest, dass gesetzlich geregelt sei, dass ein BA-Studium immer die Möglichkeit geben müsse, daran ein MA-Studium anzuknüpfen. In der Ausgestaltung dieser MA-Studien hätten aber die Senate der Universitäten das Sagen, er sei als Minister angehalten, die Autonomie der Hochschulen in dieser Frage zu respektieren. Was die Früh- und Elementarpädagogik betreffe, so sei selbstverständlich wichtig, dass die Ausbildung auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse eingehe. Einige Universitäten überlegen die Einrichtung von Lehrstühlen in diesem Bereich und erhalten Unterstützung seines Ressorts.

Über die soziale Lage der Studierenden sei er zur Diskussion gerne bereit, wenn die Ergebnisse des Studierenden-Sozialberichts vorliegen. Er werde aber darauf drängen, dass zukünftige Berichte auf tatsächlich repräsentativen Umfragen basieren. Was die Vereinbarkeit von Beruf und Studium betreffe, so wolle er zu bedenken geben, dass es eine gewisse Grenze gebe, wie weit diese gelingen könne. Ein Studium werde immer mehr als eine Wochenend- und Freizeitbeschäftigung sein.

Die von Abgeordnetem Graf angesprochene Aufwertung der Matura sah Töchterle kritisch. Matura bzw. Abitur seien ein Modell des 19. Jahrhunderts, das viele Länder auch nicht hätten. Angesichts der Internationalisierung sei er skeptisch, ob eine Standardisierung der Matura zielführend sein könne. Letztlich müsse es die aufnehmende Institution sein, welche die Kriterien festlege, nach denen sie Studierende aufnimmt. - Der Universitätsbericht 2011 wurde, gegen die Stimmen des BZÖ, mehrheitlich zur Kenntnis genommen.

Minister Töchterle will Fachhochschulen kontinuierlich ausbauen

Abgeordneter Bernhard Vock (F) leitete die Debatte, in der sich Sprecher aller Fraktionen lobend über den Bericht und positiv zur Entwicklung des Fachhochschulsektors äußerten, mit dem Ersuchen an den Minister ein, beim Ausbau von Fachhochschulstudiengängen in Richtung Gesundheitsberufe auf die Arbeitsmarktkonformität zu achten.

Auch Abgeordneter Rainer Widmann (B) sprach vom guten Funktionieren der Fachhochschulen und begrüßte neue Studiengänge zur Krankenpflege, wobei er auf die inhaltliche Harmonisierung der Ausbildung an den verschiedenen Standorten drängte.

Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager (V) registrierte auffallende Unterschiede bei den Absolventenquoten von Universitäten und Fachhochschulen und hielt es für angebracht, daraus Schlüsse für die Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten zu ziehen. Während das Verhältnis der Studierendenzahlen zwischen Fachhochschulen und Universitäten bei 1:7 liege, mache das Verhältnis bei den Absolventen 1:3 aus, sagte Cortolezis-Schlager.

Für Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) belegte die hohe Dropout-Rate auch bei den Fachhochschulen, dass Zugangsbeschränkungen kein Mittel zur Reduzierung der Dropout-Quote sei. Kuntzl betonte die Zielsetzung, den Anteil Studierender ohne Matura an den Fachhochschulen zu erhöhen, das Angebot an berufsbegleitenden Lehrgängen zu verbessern und den Anteil Studierender mit Migrationshintergrund zu steigern.

Abgeordneter Kurt Grünewald (G) plädierte für einen zügigen Ausbau des Fachhochschulsektors, weil Österreich noch weit entfernt von dem international üblichen 40 Prozent-Anteil der Fachhochschulen am tertiären Bildungssektor sei. Die Durchlässigkeit zwischen Universitäts- und Fachhochschulstudien sei zu verbessern und mentale Schwellen bei den Universitäten gegenüber FH-Absolventen abzubauen, forderte Abgeordneter Grünewald.

Bundesminister Karlheinz Töchterle bekannte sich dazu, Fachhochschulen in Richtung Gesundheitsberufe auszubauen, weil es langfristig wichtig sei, der Nachfrage des Arbeitsmarkts nach qualifizierten Pflegekräften zu entsprechen. Der Forderung nach gleichen Ausbildungsstandards an verschiedenen Standorten stimmte Töchterle zu. Hinsichtlich der quantitativen Relation zwischen Fachhochschulen und Universitäten meinte der Wissenschaftsminister, ein Verhältnis von 30 zu 70 sei für ihn ein plausibles Ziel. Der FH-Sektor insgesamt sollte aber kontinuierlich, nicht explosionsartig, ausgebaut werden. Verbesserungen registrierte Töchterle bei der Kooperation zwischen Universitäten und Fachhochschulen: "Da beweget sich einiges", teilte der Ressortleiter den Abgeordneten mit. - Der Fachhochschulbericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen.

Absicherung des Institute of Science and Technology - Austria

Eine Verlängerung der bis 2016 geltenden 15a-Vereinbarung mit Niederösterreich über die Errichtung und den Betrieb des Institute of Science and Technology - Austria (IST) bis 2026 soll dem Institut ausreichende Planungssicherheit geben (1783 d.B.). Der Bund stellt dem Institut vom 2017 bis 2026 988 Mio. €, Niederösterreich 368 Mio. € zur Verfügung. Damit werden dem Institut bis 2026 bis zu 1,356 Mrd. € eingeräumt. 2014 soll eine umfassende Beurteilung des IST durchgeführt und auf dieser Grundlage über dessen weitere Entwicklung entschieden werden.

Abgeordneter Rainer Widmann (B) lobte das Institut und sprach sich grundsätzlich auch dafür aus, diese renommierte wissenschaftliche Einrichtung finanziell abzusichern. Zugleich mahnte der Abgeordnete aber die Gleichbehandlung anderer Wissenschafts- und Forschungsstätten in Österreich ein. Kritisch merkte Widmann an, der der "schwarze" Wissenschaftsminister eile mit diesem Vertrag dem "schwarzen" Landeshauptmann von Niederösterreich im Wahlkampf um dessen Wiederwahl zu Hilfe.

Abgeordneter Johannes Schmuckenschlager (V) wies den Vorwurf der Parteipolitik bei der finanziellen Absicherung des IST entschieden zurück und machte darauf aufmerksam, dass sich das Land Niederösterreich beträchtlich an der Finanzierung des Instituts beteilige. Der Abgeordnete machte auf internationale Erfolge dieser Forschungseinrichtung aufmerksam, sowie darauf, dass dieses Institut auch private Investoren und Mittel aus anderen europäischen Ländern anziehe.

Abgeordneter Alexander Van der Bellen (G) hielt es für "gescheit", dieses Institut, dessen erfolgreiche Arbeit auf österreichische Universitäten, insbesondere in Wien, ausstrahle, bis 2026 finanziell abzusichern. Van der Bellen zeigte aber auch Verständnis dafür, dass Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ebenfalls langfristige finanzielle Absicherungen fordern. In diesem Sinn sei der vorliegende Vertrag doppelt vorbildlich, für die Finanzierung von Instituten wie dem IST, aber auch für Universitäten und andere Forschungsstätten.

Abgeordneter Martin Graf (F) gab ebenfalls seiner Freude über die Zukunftsperspektive Ausdruck, die die Absicherung des IST bedeute und sprach ebenfalls von einem Best-Practice-Modell für alle anderen Forschungseinrichtungen.

Abgeordnete Andrea Kuntzl (S) schloss sich den Einschätzungen ihrer Vorredner an und plädierte ebenfalls dafür, den vorliegenden Vertrag als ein Vorbild für alle zu sehen, die finanzielle Planungssicherheit brauchen. Dabei machte die Rednerin aber auf Unterschiede zwischen der Art der Finanzierung von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen aufmerksam.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle dankte für die Anerkennung und hielt es für sinnvoll, einen erfolgversprechenden Weg fortzusetzen. Die mit diesem Vertrag vereinbarten Mittel werden klug und verantwortungsvoll eingesetzt, zeigte sich der Wissenschaftsminister überzeugt und meinte zur Situation an den Universitäten, auch dort sei es gelungen, die Situation wesentlich zu verbessern. Das sich Landeshauptmann Josef Pröll für die Förderung von Wissenschaft in seinem Bundesland einsetze, sei legitim und zu begrüßen.

Übergangsregelung für die Leitung von Fachhochschulkollegien

Die Abgeordneten Katharina Cortolezis-Schlager (V) und Andrea Kuntzl (S) beantragten eine Novelle des Fachhochschul-Studiengesetzes (1994/A), um sicherzustellen, dass spätestens mit 1. September 2012 bei allen Erhaltern von Fachhochschulen Kollegien eingerichtet werden. Eine Ergänzung bringt eine Übergangsregelung für bereits bestehende Leitungen und Stellvertretungen der Leitungen von Fachhochschulkollegien, deren Funktionsperioden bis dahin nicht abgelaufen sind. Die auf Grundlage des Fachhochschulgesetzes 2008 gewählten Leitungen und Stellvertretungen sollen in ihren Funktionen verbleiben, sofern sie von den anderen Mitglieder des Kollegiums bestätigt werden. Andernfalls üben sie diese Funktion bis zur Wahl einer neuen Leitung und Stellvertretung aus. - Der Antrag stieß auf einhellige Zustimmung.

Anträgen der Grünen und des BZÖ an Unterausschuss zugewiesen

Im weiteren Verlauf der Ausschusssitzung nahmen die Abgeordneten eine Reihe von Entschließungsanträgen der Grünen und des BZÖ zu Universitätsthemen in Verhandlung und wiesen diese Vorlagen jeweils mit S-V-Mehrheit dem Unterausschuss des Wissenschaftsausschusses zur weiteren Beratung zu. Die Antragsteller, Abgeordneter Kurt Grünewald (G) und Rainer Widmann (B) protestierten gegen diese Vorgangsweise der Koalitionsparteien.

Grüne fordern eine ausreichende Finanzierung des FWF

G-Abgeordneter Kurt Grünewald beantragte (1889/A(E)), die FTI-Strategie 2011 umzusetzen und eine konkurrenzfähige Finanzierung des Forschungsfonds FWF sicherzustellen. Grünewald sprach sich dafür aus, Investitionen in die Grundlagenforschung bis 2020 auf das Niveau führender Forschungsnationen zu steigern, den Anteil der im Wettbewerb vergebenen Mittel anzuheben, die Universitätsfinanzierung zu reformieren, die Forschungsfinanzierung stärker kompetitiv und projektbezogen zu gestalten und die Drittmittelforschung der Hochschulforschung über FWF-Projekte auszubauen. Dabei soll es eine pauschalierte Abdeckung der Overheads in der Höhe von 20 % geben. Mit einer Exzellenzinitiative will Grünewald bis zu zehn Exzellenzcluster bis 2020 implementieren, die von der Regierung versprochen wurden.

... und eine Anhebung der Altersgrenze für StipendienwerberInnen

In einem weiteren Antrag (1890/A(E)) forderte Abgeordneter Kurt Grünewald, auf den sich vollziehenden demographischen Wandel mit der Unterstützung des lebensbegleitenden Lernens zu reagieren. Dazu müsse die Altersgrenze für Stipendien auf mindestens 40 Jahre angehoben werden. Auch die Alterskriterien für den Weiterbezug des Stipendiums nach dem Bachelor bzw. zum Beginn des Masters sollten nach Meinung der Grünen bei einer durchgängigen Bildungslaufbahn Bachelor-Master gelockert werden.

Grüne für leistbare Studierendenwohnheime

G-Abgeordneter Kurt Grünewald (G) forderte in einem Entschließungsantrag (1989/A(E)) die Rücknahme der Streichung der Sanierungsförderung für Studierendenheime. Der Ausbau der Wohnheimplätze soll an allen Hochschulorten forciert werden, um sicherzustellen, dass der Anteil von Studierenden, die Heimplätze erhalten, den europäischen Durchschnitt von 20 % erreicht. Grünewald forderte außerdem eine einheitliche Obergrenze für das Benützungsentgelt.

BZÖ für Einführung von Studiengebühren

Für das BZÖ beantragte Abgeordneter Rainer Widmann eine Novelle des Universitätsgesetzes 2002 zur Einführung von Studiengebühren in der Höhe von 500 € pro Semester und Studierendem (1919/A(E)). Eine Refundierung des Gesamtbetrages samt Zinsen sollen jene Studierenden bekommen, die ihr Studium in Mindeststudienzeit plus zwei Toleranzsemester absolvieren.

Sieben-Punkte-Programm des BZÖ für Österreichs Universitäten

Ein Entschließungsantrag (1999/A(E)) des BZÖ-Abgeordneten Rainer Widmann enthielt folgende sieben Punkte für den Universitätsstandort Österreich: Alle Bildungsagenden in einem Schul-, Wissenschafts- und Forschungsressort; Studienplatzfinanzierung an Universitäten, Finanzierungsbeteiligung von Bund und Studierenden zur Sicherung der "Uni-Milliarde"; Studienkreditsystem für Studierende; qualitätssichernde Aufnahmeverfahren und anrechenbare Studieneingangsphasen; mehr Autonomie und Selbstverantwortung der Universitäten.

Grüne für die Erhaltung des Studiums "Internationale Entwicklung"

G-Abgeordneter Kurt Grünewald zeigte sich besorgt wegen der zunehmenden Verdrängung gesellschaftskritischer Inhalte an den Universitäten und forderten in einem Entschließungsantrag (1943/A(E)) den Wissenschaftsminister auf, im Rahmen der Leistungsvereinbarung von der Universität Wien zu verlangen, das Studium "Internationale Entwicklung" weiterhin im vollen Umfang anzubieten.

Grüne gegen unausgewogene Geschlechterverhältnisse an Universitäten

Schließlich räumte Abgeordneter Kurt Grünewald ein, dass beim Gender Mainstreaming an den Universitäten durchaus etwas weitergegangen sei, hielt die Kritik seiner Fraktion an unausgewogenen Geschlechterverhältnissen an den österreichischen Universitäten aber dennoch aufrecht und forderte in einem Entschließungsantrag (1980/A(E)), die Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten für 2013 bis 2015 im Sinn des Gender Mainstreamings zu überprüfen und die Situation der Frauen zu verbessern. (Schluss)

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