Windisch: Pflanzenschutzmittel sichern leistbare Qualitätslebensmittel

GAP: Wettbewerbsfähigkeit und Dotierung der bäuerlichen Leistungen erhalten

Wien (OTS) - "Weg vom Populismus und zurück zu einer fachlichen
und fundierten Diskussion in der Frage des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in der österreichischen Landwirtschaft", fordert Ing. Franz Windisch, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien und Mitglied des Unterausschusses Landwirtschaft im Parlament, angesichts der "immer bösartiger" werdenden Angriffe auf den heimischen Bauernstand. So fordert eine breite Front unter dem Deckmantel des Bienenschutzes ein Totalverbot der Gruppe der sogenannten Neonicotinoide (Beizmittel). Ebenso steht es um das auch von Nicht-Landwirten vielfach verwendete Breitbandherbizid "Roundup" und das Phosphorsäure-Insektizid Agritox, das gegen Bodenschädlinge eingesetzt wird. "Pflanzenschutz ist nicht nur ein brisantes parteipolitisches Thema, sondern ein gesamtgesellschaftliches", betont Windisch. "Jeder der ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft fordert, muss sich über die Folgen gewiss sein. Diese Präparate sind für die Erzeugung leistbarer, gesunder bäuerlicher Lebensmittel in ausreichender Menge unverzichtbar. Ein PSM-Verbot geht auf Kosten der Versorgungssicherheit. Die Frage lautet also: Sind wir bereit für unsere Nahrung mehr zu bezahlen?"

Einheitswert muss Basis für Sozialabgaben und Einkommenssteuer bleiben

Um größere Aufgaben geht es auch in der Frage der Einheitswert-Neufeststellung, die am 01.01.2014 kommen soll. Ein Termin, der im Zuge der Debatten um den Stabilitätspakt, vereinbart worden war. Dabei gilt es sicherzustellen, dass auch in Hinkunft der Einheitswert, also der Ertrag und nicht der Verkaufswert von Äckern, Wiesen und Wäldern, als Steuer-Grundlage herangezogen wird. "Unsere Bauern leben nicht vom Verkauf ihrer Landwirtschaftsflächen, sondern von deren nachhaltiger Bewirtschaftung und den daraus resultierenden Ertrag. Deshalb ist es unerlässlich, dass der Einheitswert als Ertragswert auch weiterhin die Basis für alle damit im Zusammenhang stehenden Zahlungen, wie die Einkommenssteuer oder die sozialversicherungsrechtlichen Abgaben, bleibt", fordert LK-Präsident Windisch.

Erntehelferkontingent um 80 Plätze erweitert

Einen Erfolg kann die LK Wien in der Frage der Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer verbuchen, wo die im Vorjahr in Kraft getretene Saisonarbeiterregelung für Stammarbeitskräfte (insbesondere Rumänen und Bulgaren) nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Nach Verhandlungen mit dem Sozialministerium wurden schließlich 80 zusätzliche Arbeitskräfte genehmigt, womit die arbeitsintensiven Kulturen in der Bundeshauptstadt auch dieses Jahr wieder im gewohnten Ausmaß versorgt werden können.

EU-Förderung: Differenziertes Flächenprämienmodell nach Nutzung gefordert

Ein zentrales Thema der gestrigen Vollversammlung zur LK Wien war auch die weiterhin in Diskussion befindliche Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2014-2020 und die darin implementierte Neugestaltung der 1. Säule (Direktzahlungen). Dieser zufolge muss sich Österreich ab 2014 (Übergangsfrist bis Anfang 2019) vom derzeitigen historischen Modell der Betriebsprämien-Berechnung verabschieden und auf ein Regionalmodell umstellen, was aufgrund der vorherrschenden Agrarstruktur in Österreich einige Brisanz birgt. "Hier kann es nur ein nach Nutzung (intensiv/extensiv) differenziertes Flächenprämienmodell geben", stellte Windisch fest. Sollten die Verhandlungen jedoch nicht in diese Richtung gehen, wäre ein Bundesländermodell mit einer eigenen Region Wien zu bevorzugen.

Low-Input-Kulturen für ökologische Ausgleichsflächen

Was die Brüsseler Pläne der Anrechnung von Agrarumweltmaßnahmen wie dem Österreichischen Umweltprogramm (ÖPUL) zur Ökologisierung ("Greening") der 1. Säule betrifft, stellt sich für Windisch die Frage, "ist dies in der 2. Säule kalkulationsrelevant". Denn keineswegs dürften die heimischen Bauern dadurch finanzielle Einbußen in der Ländlichen Entwicklung erleiden, so der Präsident. Umstritten bleibt ebenso die von der Kommission geforderte verpflichtende 7%ige Stilllegung des Ackerlandes. "In Zeiten der notwendigen Steigerung der Lebensmittelproduktion zur ausreichenden Versorgung der Bevölkerung ist dieser Prozentsatz nicht nur zu hinterfragen, er muss drastisch reduziert werden", fordert Windisch.

"Zu überlegen ist auch, ob es nicht sinnvoller wäre, auf diesen ökologischen Ausgleichsflächen die Bewirtschaftung mit Low-input-Kulturen wie z.B. Sojabohne, Erbse oder andere Leguminosen zuzulassen. Das wäre öko-logisch und würde dazu beitragen die Eiweißlücke GVO-frei in Österreich zu schließen", so der LK-Präsident. "Denn mit jeder zusätzlichen Tonne leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und sichern unsere Unabhängigkeit bei der Lebensmittelversorgung". In Wien hat bereits eine Verschiebung der Anbauflächen statt gefunden. Seit dem Vorjahr hat sich die Sojafläche verdreifacht, während die Maisfläche deutlich zurückgegangen ist.

GAP muss weniger Bürokratie bringen

Letztlich müsse die Agrarreform den Landwirten aber weniger Auflagen, also eine Verwaltungs-vereinfachung bringen, so Windisch. Ziel aller Anstrengungen müsse auch sein, "jeden Euro aus Brüssel abzuholen". Dass das Europäische Parlament kürzlich eine 6%ige Erhöhung der Mittel aus der Ländlichen Entwicklung gefordert hat, gibt Anlass zur Hoffnung. "Unser Fokus liegt klar auf dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit unserer heimischen Betriebe und einer ausreichenden Dotierung", betonte Windisch.

Dahingehend ist auch die Resolution der Vollversammlung gerichtet, die neben einer eindeutigen gesetzlichen Sicherung der landwirtschaftlichen Produktionsflächen - mit einer widmungskonformen Nutzung insbesondere von Weinbaugebieten -, ebenso überbordenden Naturschutzmaßnahmen, die die Produktion von sicheren, hochqualitativen und leistbaren Lebensmitteln gefährden, eine Absage erteilt. Ferner wird eine stärkere Vermarktung der Wiener Produkte innerhalb des Stadtgebietes gefordert. Der Focus sollte dabei auf öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Küchen gelegt werden und die Gemeinde beispielgebend voran gehen, so die Forderung der bäuerlichen Interessenvertreter. Schließlich ergeht der Appell an die Bundesregierung, bei der Verteilung der Budgetmittel in Brüssel in den kommenden Wochen, alle notwendigen Schritte zu setzen, um die Leistungsabgeltungen für die österreichischen und die Wiener Bauern und damit deren weitere Existenz zu sichern.

Rückfragen & Kontakt:

Landwirtschaftskammer Wien, Pressestelle
Kammerdirektor Ing. Robert Fitzthum
Tel. 01/587 95 28-26, Fax 01/587 95 28-21
E-Mail: direktion@lk-wien.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0006