Neue Reifeprüfung trotz "Toleranzjahr" fix Unterrichtsausschuss: Mehrheit für Verschiebung der Zentralmatura

Wien (PK) - Die Zentralmatura an AHS und BHS wird ein Jahr später als von der Regierung geplant in den Schuljahren 2014/15 beziehungsweise 2015/16 allgemein eingeführt. Ein S-V-Initiativantrag zur entsprechenden Novelle des Schulunterrichtsgesetzes wurde im heutigen Unterrichtsausschuss mit den Stimmen aller Fraktionen außer jener der Grünen beschlossen. Einstimmig nahmen die Ausschussmitglieder Regierungsvorlagen zu einer neuen Form der Externistenprüfung und zur Verlängerung von Sprachförderkursen an Österreichs Schulen an.

Der Ausschuss diskutierte anschließend mehrere Anträge der Opposition. Die Freiheitlichen forderten, in Deutschlandsberg das Bundeschulzentrum zu sanieren sowie die Bundeslehranstalt für Maschinenbau und Elektrotechnik zu erhalten. Die Grünen drängten auf einen Kriterienkatalog für die Bestellung von SchulleiterInnen. Anträge zur Abschaffung der Schulsprengel, Reform der Schulverwaltung und zum sonderpädagogischen Förderbedarf brachte das BZÖ ein, wobei letzterer Antrag dem Unterausschuss des Unterrichtsausschusses zugewiesen wurde. Alle anderen Oppositionsanträge wurden vertagt.

Schmied: Zentralmatura für mehr Qualität und Fairness an Österreichs Schulen

Bundesministerin Claudia Schmied beschrieb die Einführung der kompetenzorientierten Diplom- und Reifeprüfung als einen "Paradigmenwechsel" im österreichischen Bildungssystem. Der Unterricht werde sich zukünftig an einheitlichen Bildungsstandards orientieren und externe Prüfungsformate stellten Transparenz, Objektivität und eine internationale Ausrichtung der Matura sicher. In den letzten drei Jahren habe es eine steigende Beteiligung an Schulversuchen mit der neuen Reifeprüfung gegeben. Insgesamt seien bereits 310 Klausurstandorte verzeichnet worden und regelmäßige Informationsveranstaltungen an AHS und BHS in allen Bundesländern begleiteten das Projekt, beantwortete Schmied die Frage nach Implementierungsmaßnahmen für die Zentralmatura von der Abgeordneten Andrea Gerstl-Raftl (S). In den Regionen böten Schulen, die bei Versuchen bereits Erfahrung mit der neuen Reifeprüfung gemacht haben, anderen Schulen Hilfestellungen an, informierte die Unterrichtsministerin. Sie betrachte auch den direkten Informationsfluss zu SchulleiterInnen und zu den Landesschulräten als essentiell für das Gelingen der Maturareform.

Die Kritik des G-Bildungssprechers Harald Walser, die Verschiebung der neuen Matura um ein Jahr würde auf Kosten von SchülerInnen und LehrerInnen, die sich bereits auf das neue Format vorbereitet haben, gehen und zeuge von einem "Chaosmanagement", wies die Bundesministerin entschieden zurück. Sie hob die Bedeutung der Schulpartnerschaft hervor und betonte, es müsste die Sorge von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern am 2009 beschlossenen Zeitplan respektiert werden. An Abgeordneten Dieter Brosz (G) gerichtet, der blockierende Kräfte im Lehrpersonal für die Verzögerung der Zentralmatura verantwortlich machte, meinte Schmied, die fachlichen und inhaltlichen Rahmenbedingungen für die neue Reifeprüfung seien bereits gesichert. Da diese bildungspolitisch entscheidende Maßnahme für die nächsten 50 Jahre gelten solle, komme es auf ein "Toleranzjahr" mehr nicht an, so die Ministerin. Petitionen und Landtagsbeschlüsse hätten die Befürchtungen der Betroffenen verdeutlicht.

Die Abgeordneten Elmar Mayer und Josef Auer (beide S) bekräftigten, Schmied habe die richtige Entscheidung getroffen, den Schulen ein Jahr mehr zur Vorbereitung auf die standardisierte Reifeprüfung zu geben und den Bedenken der Schulpartner Rechnung zu tragen. In einem Initiativantrag (1975/A) zur Zentralmatura sprachen sich Abgeordnete Elmar Mayer (S) und Werner Amon (V) für ein Optionenmodell aus. Damit sollte zwar die standardisierte Form der Reifeprüfung an AHS bzw. der Reife- und Diplomprüfung an BHS wie von der Regierung vorgesehen in den Schuljahren 2013/14 bzw. 2014/15 ermöglicht werden, wenn das der jeweilige Schulgemeinschaftsausschuss beschließt. Norm soll die Zentralmatura jedoch erst ein Jahr später werden, an AHS also mit 2014/15 und an BHS mit 2015/16. Abgeordneter Werner Amon (V) erklärte, der Entschluss, die neue Reifeprüfung zu verschieben, sei nach monatelanger Diskussion gefallen, außer dem Termin habe sich jedoch nichts an der Umsetzung der Zentralmatura geändert.

Abgeordnete Ursula Haubner (B) bemerkte, der vorliegende Bericht (III-328 d.B.) des Unterrichtsministeriums zur Zentralmatura zeige den erfolgreichen Verlauf der neuen Reifeprüfung für lebende Fremdsprachen, daher sei die Terminverschiebung doch schwer nachzuvollziehen. Laut Bericht waren mehr als 90% der befragten Lehrkräfte mit den verfügbaren Informationen zur Zentralmatura zufrieden, der Großteil bewertete auch die Form der bereitgestellten standardisierten Prüfungsaufgaben und Lösungen positiv. Bei Höraufgaben etwa beurteilten 89% der Befragten die angesprochenen Themen als eher oder völlig angemessen für die jeweiligen Klassen, das Hörverstehen ihrer SchülerInnen werteten 61% der LehrerInnen als vergleichbar mit den Schularbeitsleistungen der achten Klasse und 27% erkannten eine Verbesserung der Resultate. Bis zur allgemeinen Einführung könnten Schulstandorte sich auch dafür entscheiden, die standardisierten Maturaprüfungen nur in ausgewählten Fächern abzuhalten, zusätzliche Kosten würden durch die Terminänderung keine anfallen, beantwortete die Unterrichtsministerin eine diesbezügliche Frage der Abgeordneten Haubner. Der Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen.

Empirische Grundlage zur neuen Reifeprüfung

Von den Abgeordneten Katharina Cortolezis-Schlager (V) und Walter Rosenkranz (F) auf die wissenschaftliche Begleitung der standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung angesprochen, hielt Schmid fest, sie sehe die intensive Kooperation mit den Universitäten sehr positiv. Christian Dorninger, am Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) für österreichweit einheitlichen Klausuren zuständig, umriss die Zusammenarbeit mit den Universitäten in Innsbruck, Salzburg, Graz, Klagenfurt, Linz und Wien sowie mit internationalen Fachleuten in den Bereichen Testpsychologie, Fachdidaktik und Aufgabenevaluierung. Prüfungsbeispiele werden Dorninger zufolge nach empirischen Methoden überarbeitet. Gemeinsam mit den pädagogischen Hochschulen adaptiere man zudem die Fortbildung von LehrerInnen an die neue Unterrichts- und Maturaform.

Die Teilnahme von 85% der Schulstandorte an den Schulversuchen zur Zentralmatura in den letzten drei Jahren wertete Dorninger als Beleg für die hohe Akzeptanz des standardisierten Prüfungsmodells. Das Vollprogramm der neuen Fremdsprachenmatura, bestehend aus Teilen zum Hör- und Leseverständnis, zur Idiomatik und zur Schreibkompetenz, werde für AHS und BHS 2013 fertig vorliegen, führte Dorninger aus. Auch die standardisierten Prüfungen für Deutsch, Altgriechisch und Latein seien gut im Zeitplan. Im Prüfungsfach Mathematik biete man den SchülerInnen in den nächsten zwei Jahren Kompetenzchecks und Probeprüfungen an, um ihnen die Gelegenheit zu geben, sich an das neue Format heranzuarbeiten. Bei der Aufgabeneerstellung für Feldtestungen arbeite das BIFIE mit 80 erfahrenen Lehrenden zusammen, im Institut selbst seien 32 MitarbeiterInnen mit der Koordination von Fächern und der Projektassistenz betraut, skizzierte Dorninger. Die Website des BIFIE biete außerdem Mathematikbeispiele für den kompetenzorientierten Unterricht zur Zentralmatura an.(Fortsetzung Unterrichtsausschuss)

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