Wirtschaftsparlament: Matznetter und Jank für Beibehaltung des europäischen Wegs

Ehemaliger IV-Präsident Sorger als Gastredner: Positiver Rückblick auf acht jährige Amtszeit

Wien (OTS/PWK449) - Christoph Matznetter vom
Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV) betonte in seiner Rede vor dem Wirtschaftsparlament, dass der "Erfolg der österreichischen Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten nicht ohne das europäische Projekt möglich gewesen wäre. Derzeit stehen wir aber vor einer Situation, wo wir damit konfrontiert sind, dass dieses Projekt gefährdet ist." Das wäre aber eine Katastrophe für Österreichs Wirtschaft, denn der Heimmarkt der österreichischen Unternehmen ist die Europäische Union. Matznetter: "Unstrittig ist, wir brauchen die gemeinsame Währung, aber es wird nicht reichen, wenn alle Länder nur mit Budgetsanierungen reagieren - wir brauchen auch Wachstumsimpulse." Österreich könne künftig nur mit Qualität und auch mit der Qualität des Preises international konkurrieren. Hochqualifizierte Ausbildung ist die Basis des österreichischen Wirtschaftserfolges - gerade im Handwerk ist das eine jahrhundertelange Tradition. "Auf der Billig-Schiene werden wir verlieren", so Matznetter. In diesem Zusammenhang mahnte Matznetter zum Erhalt des erfolgreichen Dualen Ausbildungssystems, das international gefragt sei, eine tiefgreifende Bildungsreform ein. "Wir brauchen ein mehr an Bildung, nicht weniger. Auch die Akademikerquote muss erhöht werden", so Matznetter. Abschließend und bezugnehmend auf die Ausladung des Sozialministers vom Wirtschaftsparlament appellierte Matznetter "an die weitere gute Zusammenarbeit in der Sozialpartnerschaft, die nicht durch Entscheidungen in der Landespolitik getrübt werden soll".

Industrie-Spartenobmann Wolfgang Welser ging in seiner letzten Rede vor dem Wirtschaftsparlament auf die "kritische wirtschaftliche Phase, in der wir uns befinden" ein. Welser: "Wir Österreicher haben von der EU und dem Euro profitiert, aber wir haben auch im Vorfeld unsere Aufgaben und Pflichten erfüllt. Wir werden aber nicht umhin kommen, einen Ausgleich dafür zu schaffen, wovon wir profitiert haben. Es stellt sich dabei nur die Frage, wie zwingt man die anderen Länder, die ihre Aufgaben nicht erfüllt haben, die Sanierungsaufgaben auch wahrzunehmen."

Anschließend hielt der ehemalige Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Veith Sorger eine "Abschiedsrede" vor dem Wirtschaftsparlament. Sorger: "Zu meinem Amtsantritt als IV-Präsident vor acht Jahren habe ich mir mehrere Fragen gestellt, die ich in meiner Amtszeit beantworten wollte, was mir auch großteils gelungen ist." Erste und wichtigste Frage war für Sorger damals "Wie die Arbeit an die Jetztzeit angepasst werden kann?". Das Schlagwort der Antwort war für Sorger die "Arbeitszeitflexibilisierung": "Damals war das ein Tabu, aber wir haben es geschafft, dass das heute überhaupt kein Diskussionsthema mehr ist, aber für den Wirtschaftsstandort Österreich von unschätzbarem Wert wurde." Weitere Themen seiner Amtszeit waren gemeinsame Initiativen mit Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Außerdem hat es die IV in seiner Ära geschafft, das pauschale "Feindbild der Industrie" abzubauen und eine positive Marke "Industrieland Österreich" zu schaffen.

Brigitte Jank appellierte als Sprecherin des Österreichischen Wirtschaftsbundes (WB), dass an einem Tag wie dem heutigen, an dem ein entscheidender EU-Gipfel in Brüssel stattfinde, nicht nur aufrüttelnde Worte wie jene des italienischen Ministerpräsidenten Monti nützen würden. Vielmehr gehe es um große Verantwortung und klare Entscheidungen, zu denen es dem Wähler gegenüber zu stehen gelte. Die Europäische Union, betonte Jank, umfasse wesentlich mehr als die Frage der wirtschaftlichen Entwicklung: "Sie ist ein Lebensmodell und ein Friedensmodell, das jetzt auch am Prüfstand steht." Deshalb gelte es nun - auch wenn es empfindliche wirtschaftliche Einschnitte bedeutet - sich für dieses Modell einzusetzen. Unterstützungen müssten an Änderungen wirtschaftlicher Systeme gekoppelt werden, mit dem Ziel, ein einheitliches gemeinsames europäisches Wettbewerbsniveau zu erlangen - nur dann könne das System auf Dauer funktionieren, so Jank.

Auch Jank ging auf die aktuelle Problematik des Fachkräftemangels und damit der Dualen Ausbildung ein. Diese müsse - zum Vorteil der gesamten Gesellschaft - parallel zum schulischen Modell weiter gestärkt werden. Die Einführung des Faches "Bildungs- und Berufsberatung" werde hier ebenso auf Schiene gebracht wie verstärktes "Berufs-Schnuppern" in Betrieben, ein Talente-Scan und eine verpflichtende Potentialanalyse sowie die Einführung einer Berufsakademie im tertiären Bildungssektor. Massive Kritik übte Jank am heimischen Schulsystem: es sei das viert-teuerste Schulsystem der Welt und diskriminiere zudem Kinder, die aus sozial schwächeren Familien kommen. Hier rasch und in der Verantwortung für die eigenen Betriebe zu handeln, sei ein Gebot der Stunde: "Als kleine Volkswirtschaft ohne Rohstoffe und andere Ressourcen brauchen wir die gut ausgebildeten, motivierten Menschen, die unser Land so erfolgreich gemacht haben, noch dringender als andere Länder." (BS/ES)

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