• 28.06.2012, 11:19:06
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Gemeinsame Obsorge nach strittiger Scheidung gefährdet das Kindeswohl

Österreichischer Frauenring kritisiert Vorgehen von Bundesministerin Karl

Wien (OTS) - Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Österreichischen
Frauenrings (ÖFR), zeigt sich angesichts der neuerlich auflodernden
Obsorgedebatte brüskiert: "Ministerin Karl hat Anlass zur Hoffnung
auf einen zeitgemäßen Gesetzesentwurf gegeben, letztlich aber alle
Erwartungen enttäuscht".

Im vorliegenden Entwurf ist im Zweifel bei strittigen Trennungen
offenkundig die gemeinsame Obsorge vorgesehen. Pölzlbauer stuft dies
als Kniefall vor der offensiven Väterrechtslobby ein. Tatsächlich
stützt sich der Gesetzesentwurf nach dem Wissensstand des ÖFR auf
zwei Studien, die bereits mehrmals sowohl aus frauenrechtlicher, als
auch aus fachlich-methodologischer Sicht heftig kritisiert wurden.
Aus Sicht des Österreichischen Frauenring sendet dieses Vorgehen
ein demokratiepolitisch bedenkliches Signal. "Gesetze scheinen für
diejenigen geschrieben zu werden, die Ressourcen haben, um laut genug
zu schreien. Die Interessen derjenigen, die durch tagtägliche
Betreuungsarbeit gebunden sind - in diesem Fall beinahe
ausschließlich Frauen - werden nicht weiter beachtet", beschwert sich
Pölzlbauer.

Abschließend meint die ÖFR-Vorsitzende: "Dass die Karenzarbeit in
Österreich nach wie vor zu rund 95% von Frauen geleistet wird, deutet
darauf hin, dass die Väterrechtslobby die gemeinsame Obsorge als
Trophäe handelt, jedoch nicht nach einer tatsächlichen Beteiligung an
der Kindeserziehung interessiert ist. Für eine derartige
Herangehensweise sind wir nicht zu haben - weder aus feministischer
Perspektive, noch aus der Sicht des Kindeswohls."

Als Psychologin gibt Pölzlbauer zu bedenken, dass die Auswirkungen
der Kämpfe der Eltern auf die Kinder nicht unterschätzt werden
dürfen. Kinder würden weiterhin als Streitobjekte missbraucht. Es ist
fragwürdig, ob das die ernsthafte Absicht einer Ministerin sein kann.

Rückfragehinweis:
Österreichischer Frauenring
office@frauenring.at
www.frauenring.at

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