Gemeinsame Obsorge nach strittiger Scheidung gefährdet das Kindeswohl

Österreichischer Frauenring kritisiert Vorgehen von Bundesministerin Karl

Wien (OTS) - Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings (ÖFR), zeigt sich angesichts der neuerlich auflodernden Obsorgedebatte brüskiert: "Ministerin Karl hat Anlass zur Hoffnung auf einen zeitgemäßen Gesetzesentwurf gegeben, letztlich aber alle Erwartungen enttäuscht".

Im vorliegenden Entwurf ist im Zweifel bei strittigen Trennungen offenkundig die gemeinsame Obsorge vorgesehen. Pölzlbauer stuft dies als Kniefall vor der offensiven Väterrechtslobby ein. Tatsächlich stützt sich der Gesetzesentwurf nach dem Wissensstand des ÖFR auf zwei Studien, die bereits mehrmals sowohl aus frauenrechtlicher, als auch aus fachlich-methodologischer Sicht heftig kritisiert wurden. Aus Sicht des Österreichischen Frauenring sendet dieses Vorgehen ein demokratiepolitisch bedenkliches Signal. "Gesetze scheinen für diejenigen geschrieben zu werden, die Ressourcen haben, um laut genug zu schreien. Die Interessen derjenigen, die durch tagtägliche Betreuungsarbeit gebunden sind - in diesem Fall beinahe ausschließlich Frauen - werden nicht weiter beachtet", beschwert sich Pölzlbauer.

Abschließend meint die ÖFR-Vorsitzende: "Dass die Karenzarbeit in Österreich nach wie vor zu rund 95% von Frauen geleistet wird, deutet darauf hin, dass die Väterrechtslobby die gemeinsame Obsorge als Trophäe handelt, jedoch nicht nach einer tatsächlichen Beteiligung an der Kindeserziehung interessiert ist. Für eine derartige Herangehensweise sind wir nicht zu haben - weder aus feministischer Perspektive, noch aus der Sicht des Kindeswohls."

Als Psychologin gibt Pölzlbauer zu bedenken, dass die Auswirkungen der Kämpfe der Eltern auf die Kinder nicht unterschätzt werden dürfen. Kinder würden weiterhin als Streitobjekte missbraucht. Es ist fragwürdig, ob das die ernsthafte Absicht einer Ministerin sein kann.

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