Betreuungslücke Sommerferien: Inklusion für Kinder mit Behinderungen macht Urlaub

Diakonie weist auf Betreuungslücke hin: Insg. beklagen 58% fehlendes Angebot, 21% können sich`s nicht leisten, bei 20% stimmt die Qualität nicht.

Wien (OTS) - "Nicht die Sonne, sondern die mangelnden Angebote in den Sommerferien bringen Eltern und ihre Kinder regelmäßig ins Schwitzen", weist Martin Schenk, Sozialexperte und stv. Direktor der Diakonie Österreich, auf die großen Betreuungslücken im Sommer hin. Die Sommerferien sind für berufstätige Eltern eine Herausforderung in Sachen Kinderbetreuung, für Eltern mit behinderten Kindern ein nicht zu überwindender Hürdenlauf. "Die Betreuungslücke in den Sommerferien bedeutet für Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine große Herausforderung, denn das Recht auf inklusive Bildung wird durch neun Wochen Sommerferien jäh unterbrochen. Selten ist das öffentliche Ferienangebot von Ländern und Gemeinden auch für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf vorgesehen. Deshalb braucht es in den langen Sommerferien inklusive Angebote, die für SchülerInnen mit Handicaps passen und auch leistbar sind", so Schenk.

Laut aktuell verfügbaren Daten des Mikrozensus zur "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" ist es ohnehin schon schwierig, zu Ferienzeiten eine adäquate Kinderbetreuung zu finden. "Für schulpflichtige Kinder wären zusätzlich 30.000 Betreuungsplätze erforderlich, darunter 16.600 Plätze, die zu bestimmten Tageszeiten und während der Ferien benötigt werden", zitiert Schenk aus dem Mikrozensus. Von den insgesamt 1.732.900 Personen von 15 bis 64 Jahren mit Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahren hatten 208.700 Personen bzw. 12,0% Probleme mit Kinderbetreuungsangeboten. Das Hauptproblem stellten meistens fehlende Angebote dar (für 121.900 bzw. 58,4%), für jeweils rund 43.000 bis 44.000 Personen waren ein zu hoher Preis (21,1%) bzw. andere Probleme (20,5%) wie etwa mangelnde Qualität das Hauptproblem.

Aus Salzburg, wo die Diakonie Kinder mit Behinderungen in einer inklusiven Schule begleitet, wissen wir, wie die Eltern jedes Jahr händeringend nach guter Ferienbetreuung für ihre Kinder suchen.

Kids aus sozial schwierigen Verhältnissen sich selbst überlassen

Für Kinder- und Jugendliche, die wenig Unterstützung von zu Hause haben und in sozial schwierigen Verhältnissen leben, fehlt es auch an guter und leistbarer Begleitung über die Sommermonate. Gleichzeitig wird die geduldige Arbeit von Sozialpädagogen wieder zunichte gemacht, wenn die Kids über einen längeren Zeitraum sich selbst überlassen werden, so Schenk.

Die inklusive FIT Schule (Fachspezifische individuelle Teilausbildungen) der Diakonie in Wien geht einen anderen Weg: Die berufsorientierende Schule für von Ausgrenzung gefährdeten Jugendlichen verpflichtet seine SchülerInnen für vier Wochen zum Besuch einer "Sommerschule". Und zwar unabhängig von ihrer familiären Situation. Der Diakonie und ihren LehrerInnen ist es wichtig, auch im Sommer mit einer sozial heterogenen Gruppe arbeiten zu können. Das vielfältige sportliche und kulturelle Angebot stärkt die Persönlichkeitsentwicklung. Das "Sommerloch" wird für Aktivitäten genutzt, die während des Schuljahres sonst zu kurz kommen würden.

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