AKW-Stresstests beim Europäischen Rat: Nicht nachbessern, sondern rausprüfen!

GLOBAL 2000 fordert europaweit einheitliche Knock-out-Kriterien für AKWs und vollständige Überprüfung.

Wien (OTS) - Im Vorfeld des heute beginnenden EU-Rats der Staats-und Regierungschefs verlangte die österreichische Regierung eine Fortsetzung der AKW-Stresstests. "Wir begrüßen diesen Vorstoß unserer gewählten Staatsvertreter, die Sicherheit der durch AKWs in ganz Europa bedrohten Bevölkerung zu verbessern", so Reinhard Uhrig, Atomexperte von GLOBAL 2000. "Die bisher durchgeführten 'Stresstests' reichen jedoch hinten und vorne nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen - sie müssen verbindlich auf alle Anlagen ausgeweitet und mit Knock-out-Kriterien für die Abschaltung unsicherer AKWs geschärft werden."

Das Mandat der "Stresstests" vom Europäischen Rat im März 2011 war nur die systematische Auslotung von Sicherheitsreserven bei extremer Belastung (Stress) über die Auslegung der AKWs hinaus. "Das Ziel war also nie, ungenügende Anlagen zu identifizieren und diese stillzulegen, sondern Sicherheitsreserven aufzuzeigen, die über den vorgeschriebenen und von den nationalen Nuklearaufsichten immer wieder selbst bestätigten Mindeststandards liegen", stellt Uhrig klar. GLOBAL 2000 kritisiert die oberflächliche Durchführung der Stresstests: So wurden von 147 vorher definierten Atomreaktoren überhaupt nur 38 untersucht - ein Reaktor pro Land, was im Falle der Atommacht Frankreich mit 58 Reaktoren nur 1,7 % der Reaktorflotte entspricht. Aufgrund dieses offenkundig unzureichenden Zustandes ordnete Energie-Kommissar Günther Öttinger am 27. April 2012 den Besuch von weiteren Reaktoren an. "Besuche von Anlagen alleine reichen jedoch nicht. Wir fordern eine lückenlose Überprüfung der Hochrisikotechnologie Atomkraft auf alle Unfallszenarien, auch was den menschlichen Einfluss betrifft", so Uhrig.

In den Untersuchungen wurden die AKWs nur auf die Auswirkung von Naturkatastrophen überprüft und nicht auf Materialabnutzung von wichtigen Teilen wie dem Reaktordruckbehälter, geschweige denn auf menschliches Versagen, Brände oder Terrorangriffe. "Eine Sicherheitsüberprüfung, die die europäische Bevölkerung wirklich vor riskanten Atomkraftwerken schützt, beruht nicht auf Nachbesserungen von einzelnen Komponenten und Pfusch am Reaktor-Bau, sondern auf der Stilllegung von riskanten Anlagen", sagt Uhrig abschließend. "Der Europäische Rat muss klare Knock-out-Kriterien definieren lassen, die dann bei einer wirklich umfassenden Sicherheitsüberprüfung aller AKWs zu einem Rausprüfen von gefährlichen Anlagen führen können."

GLOBAL 2000 fordert mit Partnerorganisationen in einem EU-weiten Volksbegehren die Stilllegung der Hochrisikoreaktoren, verbindliche Ausstiegspläne aus der Atomkraftnutzung sowie das Ende der Verzerrung des Energieträger-Wettbewerbs durch Atom-Subventionen. Nähere Informationen unter www.my-voice.eu

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