Darabos und die Kritik an Israel

Der Aufruf zur Besonnenheit im Atomkonflikt steht im Einklang mit zahlreichen Experten und Insidern - auch in Israel.

Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: Der Verteidigungsminister hat
sich nicht
antisemitisch geäußert, aber gegen die diplomatische Etikette und Vernunft verstoßen.

Die Kritik an den Aussagen von Norbert Darabos zu Israel schießt am Ziel vorbei. Der Verteidigungsminister hatte die Kriegsdrohung gegen den Iran als entbehrlich und Israels Außenminister Avigdor Lieberman als unerträglich bezeichnet. Daraufhin wurde er des Antisemitismus geziehen und zum Rücktritt aufgefordert.
Wenn der Verteidigungsminister eines neutralen Landes im Atomkonflikt zur Besonnenheit aufruft und auf eine nicht-militärische Lösung pocht, dann ist das weder abwegig noch antisemitisch und bedeutet auch nicht automatisch eine Verharmlosung des Iran. Richtig ist, dass es einen neuen Antisemitismus gibt, der sich als Kritik an Israel verkleidet. Falsch wäre es, jede Kritik an der Politik der israelischen Regierung mit Antisemitismus gleichzusetzen. Darabos befindet sich im Einklang mit Experten und Insidern - auch in Israel. Und es ist kein Geheimnis, dass die US-Regierung versucht, Israel von einem Angriff abzuhalten - allerdings hütet sie sich, das Säbelrasseln öffentlich zu kritisieren.
Noch weiter hinausgelehnt hat sich Darabos mit der Geringschätzung für den israelischen Außenminister. Lieberman ist nicht Israel, sondern er spielt innerhalb der stark fragmentierten israelischen Parteienlandschaft die Rolle des rechten Polterers, mit dem beispielsweise eine Aussöhnung mit den Palästinensern nur schwer vorstellbar ist. Insofern hat Darabos wahrscheinlich ausgesprochen, was sich viele Israelis und auch viele Freunde Israels denken. Doch es verstößt gegen die diplomatische Etikette und Vernunft, ein Regierungsmitglied eines befreundeten Landes persönlich abzuqualifizieren. Das gilt in besonderem Maß für das historisch sensible Verhältnis zwischen Österreich und Israel.
Es gibt also Anlass zur Kritik am Verteidigungsminister. Doch dabei geht es nicht um Antisemitismus, sondern um allzu freimütige Formulierungen.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001