"Transparenz ist zumutbar" - Bilanz des Österreichischen Spendengütesiegels

JournalistInnen, ExpertInnen, NGO's und Kammer der Wirtschaftstreuhänder diskutierten über Transparenz und die politische Vertrauenskrise

Wien (OTS) - Im Rahmen eines "Netzwerktreffens" zogen am Montag im Albert Schweitzer-Haus VertreterInnen von Spendenorganisationen, Dachverbänden, Medien, Agenturen und der Kammer der Wirtschaftstreuhänder eine erste Bilanz über 10 Jahre Österreichisches Spendengütesiegel. Einig waren sich die 130 TeilnehmerInnen über die Bedeutung der Transparenz als Grundbaustein des Vertrauens. 227 Organisationen tragen das Österreichische Spendengütesiegel derzeit, das seit seiner Einführung im Jahr 2001 massiv zu einer Anhebung der Qualitätsstandards im gesamten gemeinnützigen Spendensektor beigetragen habe. Nun gelte es, das Spendengütesiegel bekannter zu machen, die Zahl der Träger-Organisationen zu erweitern und die Prüf-Kriterien auf Basis der bisherigen Erfahrungen weiterzuentwickeln.

"Die Transparenzwirkung des Spendengütesiegels ist vorbildlich. Da kann die Politik von den NGOs lernen. Transparenz ist zumutbar", betonte Dr. Werner Beutelmeyer (market Institut) bei der von Barbara Van Melle moderierten Podiumsdiskussion. "Vertrauen basiert auf Transparenz. Das Misstrauen in der Gesellschaft hat zugenommen, wir sind zu einer Misstrauensgesellschaft geworden. Der Klebstoff der Werte wird dünner. Die Politik trägt auch das ihre dazu bei: Wir haben zwei Parteien gewählt, die sich gegenseitig blockieren. Das bringt zwar, zynisch gesagt, eine gewisse 'Stabilität' - aber da ist viel Nebel im Spiel. Es geht daher um die Nebelentfernung und klare Spielregeln für Transparenz. Das Spendengütesiegel ist ein wichtiges Anti-Nebelmittel und schafft Vertrauen."

Beutelmeyer berichtete, dass 60-65% der ÖsterreicherInnen regelmäßig spenden, 62% der ÖsterreicherInnen können mit dem Spendengütesiegel etwas anfangen: "Das ist ein hoher Wert. 29% sagen, das Spendengütesiegel ist mir wichtig. Daher ist es ein ungeheuer wichtiges Orientierungsinstrument geworden. Ich bin zuversichtlich, dass hier noch viele Organisationen dazukommen werden."

Petra Stuiber, Chronik-Leiterin bei der Tageszeitung "Der Standard" erklärte: "Das neue Transparenz-Paket für die Politik ist wenig glaubwürdig, wenn gleichzeitig die Parteienförderung erhöht wird. Damit wird das Vertrauen gleich wieder zerstört. Das ist sozusagen ein Supergau in der Kommunikation. Transparenz, also Nachvollziehbarkeit, ist das Thema unserer Zeit. Wenn es die Politik nicht positiv vormacht, dann muss es die private Seite vorzeigen. Warum erhalten nicht alle Organisationen, die das Spendengütesiegel tragen, auch gleich die steuerliche Absetzbarkeit?"

"NGO's gründen sich mit allem Enthusiasmus als Amateureinrichtung. Sie können aber auf Dauer nur bestehen, wenn es eine Professionalisierung gibt, "erläuterte Monica Culen, Geschäftsführerin von Rote Nasen International. "Uns hat das Spendengütesiegel einen enormen Professionalisierungsschub gegeben. Wir haben eine klare Anleitung für eine gute 'Governance' bekommen. Die Prüfung ist mit ihren mehr als 200 Fragen zwar sehr aufwändig, aber dafür können wir den Spendern dann in die Augen schauen."

Es sei aber schwierig, allgemein gültige Kriterien für die Finanzdarstellung von Spendenorganisationen festzulegen: "Die Vergleichbarkeit der Organisationen ist nicht gegeben. Organisationen durchleben verschiedene Phasen. Kleine und junge Organisationen haben zwangsläufig Investitionsphasen, in denen der Fundraising-Aufwand höher ist. Auch ist es leichter, etwa für Kinderhilfe Spenden zu generieren als für Obdachlose und MigrantInnen."

Günther Lutschinger vom Fundraising Verband Austria unterstrich, dass die Spendenabsetzbarkeit keine Qualitätsauszeichnung für eine Organisation ist - im Unterschied zum Spendengütesiegel: "Die Liste der begünstigten Organisationen für die Absetzbarkeit ist eine politische Liste. Die Politik entscheidet. Es ist gut, dass diese Liste durch die Liste der Spendengütesiegelorganisationen konterkariert wird. Da können auch die Organisationen drauf, die auf der staatlichen Liste nicht erwünscht sind."

Auch Leopold Wundsam (Kammer der Wirtschaftstreuhänder) hob die Unterschiede zwischen Spendengütesiegel und Absetzbarkeit hervor:
"Hier geht es um völlig verschiedene Zielrichtungen: Für die Absetzbarkeit reicht eine einfache Wirtschaftsprüfung, bei der die ordnungsgemäße Rechnungslegung kontrolliert wird. Beim Spendengütesiegel hingegen werden auch Kriterien wie die sparsame Mittelverwendung, die ordentliche Finanzpolitik, die interne Kontrolle, die Transparenz der Finanzdarstellung, die Lauterkeit in der Werbung geprüft. Die Absetzbarkeit ist daher kein Qualitätssiegel."

Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch die 39 Organisationen mit einer Urkunde geehrt, die das Spendengütesiegel seit 10 Jahren ununterbrochen tragen. Fünf weiteren Spenden sammelnden Organisationen wurde das Gütesiegel zum ersten Mal verliehen.

Web: www.osgs.at

Mitglieder der AG Spendengütesiegel: ARGE der missionierenden Orden, Diakonie Österreich, Fundraising Verband Austria, Interessensvertretung Österreichischer Gemeinnütziger Vereine, Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission, Ökobüro und Kammer der Wirtschaftstreuhänder.

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(Interessensvertretung Österreichischer Gemeinnütziger Vereine,
Projektmanagerin AG Spendengütesiegel):
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