"profil": Gutachten belastet BZÖ

Sachverständiger kritisiert oranges Spielerschutz-Papier für Lotterien - 300.000-Euro-Kosten nicht gerechtfertigt - Stickler bestätigt Fehlverhalten

Wien (OTS) - Das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet in seiner Montag erscheinenden Ausgabe über neue Entwicklungen in Zusammenhang mit dem umstrittenen neunseitigen Gutachten zum Thema "Responsible Gaming", das die BZÖ-eigene Werbeagentur Orange im Jahr 2006 für die Österreichischen Lotterien erstellte. Laut einem von der Staatsanwaltschaft Salzburg beauftragten Sachverständigen sei das Papier der Orange-Agentur "nicht als Gutachten zu bezeichnen", sondern "die Arbeit eines Laien". Die Kosten würden "keinesfalls der erbrachten Leistung entsprechen." Auch "bei großzügigster Auslegung der 2006 gängigen Honorarberechnungen erscheint die Verrechnung von 300.000 Euro für ein neunseitiges Schriftstück mindestens 20-fach überzogen und nicht gerechtfertigt."

Laut "profil" vorliegenden Einvernahmeprotokollen des Bundesamts zur Korruptionsbekämpfung vom Juni 2011 bezeichnete Leo Wallner, der frühere Generaldirektor von Casinos Austria und Lotterien, die Höhe der Rechnung als "gerechtfertigt". Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler räumte dagegen in seiner Zeugeneinvernahme am 23. Februar 2012 ein, die Studie sei "meiner Meinung nach keine 300.000 Euro wert". Man könne "aus heutiger Sicht und dem nunmehrigen Wissen schwer argumentieren, dass die Freigabe der Rechnung gedeckt gewesen wäre." Leo Wallner habe ihn im September 2006 um die Abzeichnung dieser Rechnung gebeten. Er habe den "Zahlungsgrund nicht hinterfragt, denn damals herrschte ein Vertrauensverhältnis und es war kein Grund, den Zahlungsgrund beim Generaldirektor des Unternehmens zu hinterfragen."

Die Staatsanwaltschaft Salzburg war auf die Geschäftsbeziehungen zwischen den Österreichischen Lotterien und dem BZÖ im Zuge der Ermittlungen zum Olympia-Skandal gestoßen. Autor des umstrittenen Gutachtens war Kurt Lukasek, der frühere Sekretär von Peter Westenthaler. Westenthaler wird von der Staatsanwaltschaft Salzburg in der Causa wegen Beihilfe zur Untreue als Beschuldigter geführt. Der laufende Korruptions-Untersuchungsausschuss wird sich ab Juli mit der Affäre beschäftigen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die Zahlung an das BZÖ in Zusammenhang mit der 2006 geplanten, aber letztlich gescheiterten Lockerung des Glücksspielmonopols stand.

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