Holzindustrie als Technologieträger in Europa - Sägeindustrie mit großen strukturellen Problemen

Holzindustrie setzt positiven Trend 2011 fort - Anerkennung der CO2-Speicherung durch Holzprodukte - Sägeindustrie rechnet mit deutlichem Produktionsrückgang für 2012

Wien (OTS/PWK412) - Mit einem Plus von 8,3 % verzeichnete die österreichische Holzindustrie im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Produktionsvolumen von insgesamt 7,64 Mrd. EUR (Vergleich 2010: +13,6 %). Absolut gesehen wurde damit das bisherige Rekordjahr 2007 übertroffen. Auch die Beschäftigtenzahlen sind wieder auf das Vorkrisenniveau von 28.606 angestiegen, davon erfreulicherweise 824 Lehrlinge. Damit konnte die Holzindustrie ihre Position als eine der größten Arbeitgeber aller 17 Industriezweige Österreichs weiter behaupten.

Die Entwicklung der sehr unterschiedlichen Teilbranchen der Holzindustrie stellt sich 2011 wie folgt dar:

Teilbranche; Wert in Mrd. EUR; % Veränderung

Bauindustrie;2,54; +10,3 %
Möbelindustrie; 2,27; +2,3 %
Sägeindustrie; 2,10; +9,0 %
Platte/Ski; keine Angabe, da wenige Firmen
Holzindustrie GESAMT; 7,64; +8,3 %

  • Bauindustrie: generell ist ein positiver Trend zum Holzbau bzw. zu Holzbauprodukten bemerkbar.
  • Möbelindustrie: Trotz oder vielleicht gerade deswegen investieren viele Verbraucher in die eigene Wohnung.
  • Plattenindustrie: Konsolidierung, mengenmäßige Steigerung auf Exportmärkten vor allem bei Spanplatten. Exportquote von 80 %.
  • Skiindustrie: Exportquote über 80 %, österreichische Wintersportmarken konnten weitere Marktanteile gewinnen.

Exportquote 69 %
Traditionell stark entwickelte sich wieder der Außenhandel: 2011 betrug die Exportquote 69 % bei einem Gesamtvolumen von 5,28 Mrd. EUR (+5,6 %). Überproportional tragen dazu Nadelschnittholz, Leimholz, Holzwerkstoffe (Platten) und Ski bei. Davon gingen 74,4 % (3,93 Mrd. EUR) an die EU, insbesondere Deutschland und Italien. Importiert wurden Holzprodukte im Wert von 3,72 Mrd. EUR (+10,1 %), wobei hier der Anteil der EU bei 86,4 % liegt.

Handelsbilanz
Die Holzindustrie ist einer der wenigen Industriezweige, die kontinuierlich mit einer positiven Handelsbilanz aufwarten können:
2011 wurde zwar ein kleiner Rückgang von -3,9 % (1,56 Mrd. EUR) gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Allerdings befindet sich die Handelsbilanz trotzdem auf hohem Niveau, da bereits 2010 eine überdurchschnittliche Steigerung um 19 % erwirtschaftet wurde. Gemeinsam mit den anderen Bereichen der Wertschöpfungskette Holz- und Forstwirtschaft hat der Außenhandelsüberschuss annähernd den gleichen Stellenwert wie der Tourismus in Österreich.

FHP / Forst-, Holz- und Papierwirtschaft beschäftigt mehr als 290.000 Menschen
Am Wald - und damit am Holz - hängt in Österreich eine ganze Branche, die entscheidend zum heimischen Wohlstand beiträgt. Fast 300.000 Menschen finden hier Beschäftigung, mehr als in der Bauwirtschaft und auch deutlich mehr als im Gastgewerbe. Gemeinsam erwirtschaften sie jährlich mehr als 11 Mrd. EUR. 70 % der Produktion geht in den Export, wovon Österreich mit mehr als 3 Mrd. EUR profitiert. Die Holzwirtschaft ist nicht nur einer der größten Devisenbringer, sie ist auch regional stark verankert und trägt dadurch zur Stärkung des ländlichen Raumes bei. Den jungen Menschen auf dem Land wird eine Palette von unterschiedlichen Berufsfeldern angeboten - vom Sägewerker, Zimmerer bis hin zu Industrieberufen in der Möbel-, Papier- und Plattenerzeugung. Die Plattform Forst-Holz-Papier (FHP) bündelt die Kräfte dieser weitverzweigten Branche und unterstützt damit ihre Trägerorganisationen bei der Durchsetzung ihrer Interessen.

Holzbau als Motor der Branche - alle 40 Sekunden wächst in Österreich ein ganzes Einfamilienhaus nach
Holz ist das einzig nachwachsende Baumaterial. Im Gegensatz zu allen anderen Baustoffen ist Holz ein "Kreislaufprodukt". Wird es genutzt, reduziert sich die verfügbare Gesamtmenge nicht. In 40 Sek. wächst ein durchschnittliches Einfamilienhaus, pro Tag also 2.160 Häuser. Wenn man richtig damit baut, weisen Holzbauten eine hohe Lebensdauer und eine hohe Wertbeständigkeit auf. Am Ende des Lebenszyklus können die Holzteile stofflich und energetisch genutzt werden (sogenannte kaskadische Nutzung).

Der Holzbau ist somit quasi der "Motor" der Holzindustrie, der Holzeinsatz ist in diesem Bereich gestiegen und Bauen mit Holz ist in aller Munde. Vorteile ergeben sich nicht nur für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette durch höhere Erträge, sondern auch für die österreichische Volkswirtschaft, da die Wertschöpfungskette Holz nahezu 10 % des BIP ausmacht. Politik und Gesellschaft stehen in Bezug auf Klimawandel, CO2-Ausstoß, Energiewende und Ressourcenverbrauch vor großen Herausforderungen. Bauen mit Holz kann dazu wesentliche Beiträge liefern. Die öffentliche Hand erkennt zwar die Vorzüge von Holzbau, nutzt jedoch das technische, ökonomische, ökologische und gestalterische Potenzial des Holzbaus bei weitem nicht aus. Daher arbeitet die Holzindustrie mit allen Partnern der Wertschöpfungskette an der weltweiten Durchsetzung der Anerkennung der CO2-Speicherung von Holzprodukten. Insbesondere zur Abwehr des Klimawandels kommt der vermehrten Nutzung von Holz zum bestmöglichen Ersatz CO2-intensiver Materialien wie Beton und Stahl eine herausragende Bedeutung zu. Dazu wurde die "Raidinger Deklaration des waldbasierten Sektors in Österreich" von der Plattform FHP erarbeitet und an die Entscheidungsträger übergeben. Überdies wurde bei der Weltklimakonferenz in Durban 2011 die Anerkennung von Holz als CO2-Speicher international bestätigt.

Auch im privaten Sektor hält der Trend an: bereits zwei Drittel aller Niedrigenergie- oder Passivenergiebauten sind aus Holz. Ebenfalls beliebt sind die Holzfertighäuser mit einem Marktanteil von 35 % bei Ein- und Zweifamilienhäusern.

Österreich, mit seinem Holzreichtum und seiner anerkannten Holzverarbeitungskompetenz, könnte weltweit eine Vorreiterrolle spielen, und die öffentliche Hand sollte dabei ein Vorbild sein. "Österreich ist im Holzbau in Europa Nr. 1. Wir sind die Technologieträger und geben die Richtung vor", so Dr. Erich Wiesner, Obmann des Fachverbandes der Holzindustrie Österreichs. Nicht nur auf europäischer Ebene wird die Building With Wood Plattform geleitet, sondern auch national in Forschungsprojekte investiert. Dazu wurde eigens eine neue Holzbauplattform gegründet, die sich speziell auf die technische Grundlagenarbeit konzentriert.

Investition in den Nachwuchs
Bereits 2008 wurde der Lehrberuf "Holztechnik" als erster Modullehrberuf für die Industrie geschaffen. Einerseits sollte ein attraktives und modernes Berufsbild für Lehrlinge angeboten werden, andererseits durch drei Hauptmodule, nämlich Fertigteilproduktion, Werkstoffproduktion und Sägetechnik, die nach einem Grundmodul (ersten zwei Jahre) gewählt werden können, die Vielfalt der Branchen der Holzindustrie abgedeckt werden. Von ca. 800 Lehrlingen in der Holzindustrie sind 200 in diesem neuen Lehrberuf; die anderen ausgebildeten Lehrberufe sind in Bereichen wie Tischlerei, kaufmännischen Lehrberufen, Maschinen- und Elektrotechnik.

- "genialeholzjobs Tage": Holzunternehmen live erleben! 1.670 SchülerInnen waren dabei
Die österreichische Forst- und Holzbranche bietet vielfältige Berufschancen für Leute von heute. Die genialenholzjobs Tage sind ein Angebot von Holzunternehmen an Schulklassen, sich direkt vor Ort in den Betrieben ein Bild über die zukünftigen Holzjobs zu machen. Diese Imagekampagne wird von proHolz Austria durchgeführt und war bereits 2011 mit 1.670 Teilnehmern erfolgreich. Daher startet die nächste Kampagne im Oktober 2012 in Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol.

- Holztechnikum Kuchl
Die Holzindustrie betreibt das Holztechnikum Kuchl als Standort für die Berufsschule, Fachschule, HTL und Fachhochschule. Neben diesen für die Holzindustrie essentiellen Ausbildungsschienen im Sekundär- und Tertiär-Bereich wird in Kuchl ein reichhaltiges Weiterbildungsprogramm speziell für die Mitarbeiter der Holzindustrie angeboten. Seit 2008 bis 2015 wird ein ehrgeiziges Programm umgesetzt: Mit einem Budget von 16 Mio. Euro wurden eine neue Werkhalle und eine Sport-und Veranstaltungshalle errichtet. Der nächste Schritt ist die Sanierung des Schul-und Internatsgebäudes.

Sägeproduktion 2011 auf demselben Niveau wie im Vorjahr, schwieriger Start 2012

Während im Jahr 2011 der Jahreseinschnitt von 16 Mio. fm Rundholz bei einer Produktion von
9,6 Mio. m3 gehalten werden konnte, rechnet die Sägeindustrie für 2012 mit einem deutlichen Produktionsrückgang.

Für Christoph Kulterer, Vorsitzender der Österreichischen Sägeindustrie, sind drei Faktoren dafür verantwortlich:

  • Hauptgrund ist die geringe, von der Forstwirtschaft zur Verfügung gestellte, Rundholzmenge im Inland. Die Prognose der Forstwirtschaft für 2011 lautete 20,5 Mio. fm, die Einschlagstatistik weist aber nur 18,7 Mio. fm aus.
  • Der beachtliche Importrückgang bei Sägenadelrundholz um -10,3 % über das Gesamtjahr 2011 bzw. -11,9 % im 1. Quartal 2012 kommt erschwerend hinzu.
  • Die Absatzschwierigkeiten im Hauptmarkt Italien mit -14,4 %.

Hoher Rohstoffpreis drückt internationale Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Säger
Derzeit gibt es eine Preisschere zwischen zu hohem Rundholz und zu niedrigem Schnittholz. Laut Kulterer ist der Rundholzpreis in Mitteleuropa um 10 % zu hoch. Die Wettbewerbsfähigkeit leidet darunter, denn auf dem Weltmarkt ist man mit diesem hohen Rohstoffpreis nicht konkurrenzfähig. Die Ursache für diese Preisschere liegt in den Überkapazitäten von rund 20 % in Mitteleuropa, wobei die Situation in Deutschland weit schlimmer ist als in Österreich. Kulterer rechnet daher mit einem deutlichen Strukturwandel in der Sägeindustrie in den kommenden Jahren.

Ausblick 2012: 10 % weniger Rundholz in Österreich?
Die Prognose der Forstwirtschaft für 2012 ist ein Einschlag von -10 % gegenüber dem Vorjahr. Ursprünglich waren die Prognosen von einer Steigerung um 10 % ausgegangen! "Das Paradoxe an unserer Branche ist, dass mit steigenden Preisen offensichtlich weniger Sägeholz auf den Markt kommt, da die Forstbetriebe leichter ihre Kosten decken und mehr in Durchforstungen gehen.", so der Vorsitzende der Österreichischen Sägeindustrie. Sorgen bereiten ihm auch die Forderungen nach einer Ausweitung der Nutzungsbeschränkungen von Waldflächen. Dadurch wird die Wirtschaftsfunktion des Waldes weiter eingeschränkt.

Schlechte Entwicklung in den Absatzmärkten
Die Exportzahlen im 1. Quartal 2012 sind für alle wichtigen Absatzmärkte alarmierend. Der Export von Schnittholz ging um beachtliche -15,5 % zurück. Hauptmarkt Italien weist ein Minus von 14,4 % auf. Eine wesentliche Besserung ist nicht in Sicht, bedingt durch die Wirtschaftskrise bleiben auch öffentliche Projekte aus. Exporte nach Deutschland gingen um 13,5 % zurück, die Levante hat ein Minus von 19,2 %. Hier rechnete man teilweise mit einer Erholung nach den Umbrüchen im Jahr 2011. Insbesondere Saudi-Arabien wird als positives Beispiel erwähnt.

Effiziente Bahnlogistik gefordert
Für eine kontinuierliche Versorgung der heimischen Holzindustrie mit Rundholz ist die Bahn von entscheidender Bedeutung. Derzeit werden ca. 26 % von Holz und Holzprodukten mit der Bahn transportiert - europaweit ein Spitzenwert. Der Holzanteil an den gesamten RCA-Transporten beträgt dabei 10 % mit rund 10 Mio. Tonnen. Aufgrund der Unternehmensstandorte der Holzindustrie in den ländlichen Regionen ist ein ausreichendes Sekundärnetz notwendig, um den Transport effizient bewältigen zu können. Die wirtschaftliche Situation des ÖBB-Güterverkehrs erforderte in den letzten 2 Jahren tiefgreifende Sanierungsmaßnahmen mit Kostensteigerungen, die von der Holzindustrie mitgetragen worden sind. Allerdings kann die Branche Preiserhöhungen nur bei marktgerechten Tarifen akzeptieren und fordert daher von der Politik, den Einzelgüterverkehr als sogenannte "gemeinwirtschaftliche Leistung" zu bewerten. Ansonsten droht eine weitere massive Umschichtung des Verkehrs auf die Straße, da die Bahn bei Transporten unter 200 km bereits jetzt kaum mehr konkurrenzfähig ist. (us)

Links:
www.holzindustrie.at
www.genialeholzjobs.at
www.proholz.at
www.holztechnikum.at
www.forstholzpapier.at

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Dolunay Yerit
Fachverband der Holzindustrie Österreichs
Tel.: +43 (0)1 / 712 26 01 - 21
Fax.: +43 (0)1 / 713 03 09
yerit@holzindustrie.at
www.holzindustrie.at

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