Städtebund: Zuzug in Ballungszentren hält an - Stadtregionen wachsen

Wien (OTS) - "Bereits jetzt hat der Großteil der Bevölkerung ihren Hauptwohnsitz in einer Stadtregion. In Gemeinden ab 5.000 EinwohnerInnen leben 57 Prozent der Bevölkerung. Der Trend in die Stadt zu ziehen hält an", erklärt Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes anlässlich der Pressekonferenz "Österreichs Städte in Zahlen 2011" am Dienstag.

"Städte sind das Rückgrat des Landes. Sie bieten attraktive Arbeitsplätze, Schulen, Kindergärten, den öffentlichen Nahverkehr sowie zahlreiche Gesundheits- und Kultureinrichtungen", macht Weninger deutlich.

Stadtregionen wachsen

Den höchsten Bevölkerungszuwachs verzeichneten zwischen 2001 und 2011 die Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet von Wien (Gänserndorf +28,1 Prozent, Vösendorf +25,7 Prozent, Gerasdorf bei Wien +23,4 Prozent) und Graz (Seiersberg +22,6 Prozent, Gratkorn +13,2 Prozent). Auch die Randgemeinden von Linz (Leonding +14,0 Prozent, Hörsching +10,4 Prozent) und Innsbruck (Kufstein +13,2 Prozent, Hall in Tirol +10,5 Prozent) wiesen deutliche Zuwächse auf.

In vielen Regionen ist die Zahl bzw. der Anteil der Kinder und Jugendlichen gesunken, während Menschen im Pensionsalter stark zugenommen haben. Die erwerbsfähige Bevölkerung im Alter von 20 bis unter 65 Jahren lag in den Stadtregionen bei 62,4 Prozent - in den Landeshauptstädten zwischen 63,8 Prozent (Wien) und 60,7 Prozent (St. Pölten).

Integration passiert in Städten

In Österreich wächst durch Zuwanderung. Im Durchschnitt des Jahres 2010 lebten rund 19 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Österreich. Die in Österreich lebenden Zuwanderer konzentrieren sich in wenigen Gemeinden: So lebten rund 80 Prozent der Personen ausländischer Herkunft in 10 Prozent aller Gemeinden Österreichs. "Integration ist ein urbanes Thema und betrifft unmittelbar die Bevölkerung. Österreichs Städte leisten hier hervorragen Arbeit, vor allem wenn man sich das finanzielle Korsett ansieht, das zur Verfügung steht", so Weninger.

Die Bereitstellung von Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen ist neben den Gesundheits- und Sozialdiensten oder den Verkehrseinrichtungen eine der wichtigsten Infrastrukturleistungen der Städte und Gemeinden.

Betrachtet man die Entwicklung der Kinderbetreuung bei 3-, 4- und 5-Jährigen in den letzten zehn Jahren, zeigt sich, dass bei allen drei Alterskategorien beträchtliche Anstiege zu erkennen sind. So erhöhte sich die Betreuungsquote der 3-Jährigen von 53,4 Prozent im Jahr 1999 auf mittlerweile 80 Prozent. Bei den 4-Jährigen wurde in den letzten zehn Jahren eine Steigerung von 84,0 Prozent auf 95,5 Prozent verzeichnet, bei den 5-Jährigen von 90,2 auf 94,4 Prozent. Die Betreuungsquote der 0- bis 2-Jährigen ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen und liegt aktuell bei 17,1 Prozent.

"Umso ärgerlicher ist es, wenn im Rahmen des Konsolidierungspaketes die Möglichkeit des Vorsteuerabzuges für Bildungseinrichtungen eliminiert wurde", sagt Weninger, denn dadurch würden sich Investitionen für Bauprojekte um 20 Prozent verteuern. Weninger: "Der Bildungscampus ist das städtische Investitionsprogramm schlechthin. Dieses wird nun unnötigerweise erschwert. Wir fordern weiterhin die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs".

Finanzen

Betrachtet man die Gesamtausgaben der vergleichsweise geringen Anzahl der Gemeinden über 5.000 Einwohner (226), so lässt sich feststellen, dass von diesen knapp 10 Prozent der Gemeinden (226) immerhin 73 Prozent der Gesamtausgaben bestritten werden. "Dies ist ein wichtiger Indikator dafür, dass Städte zentralörtliche Aufgaben wie die Bereiche Bildung, Kultur und Sport übernehmen," so Weninger.

Die Gesamtausgaben der Städte und Gemeinden insgesamt (ohne Wien) beliefen sich 2010 auf 16.656 Mio. Euro, rechnet man jene von Wien (11.878 Mio.) dazu, so ergeben sich Ausgaben von 28.534 Mio. Euro.

Den größten Anteil an den Gesamtausgaben der Landeshauptstädte (mit Wien) von 14.860 Mio. Euro haben 2010 die "Dienstleistungen" (20,3 Prozent), also die Leistungen der Daseinsvorsorge, und die "allgemeine Verwaltung" (18,6 Prozent).

Weninger: "Gemeindekooperationen und Verwaltungszusammenlegungen bieten große Effizienz- und Einsparungspotenziale an. Zudem müsste man auch die Rolle der Städte, die ja eine Fülle von Aufgaben für ihr Umland erfüllen, neu definieren. Eine Reform des Finanzausgleichs müsste dem Rechnung tragen - er sollte sich nicht nur an der Einwohnerzahl sondern auch an den Aufgaben orientieren."

"Österreichs Städte in Zahlen"

"Österreichs Städte in Zahlen" ist ein Kooperationsprojekt von Österreichischem Städtebund und der Bundesanstalt Statistik Österreich. Die Publikation ersetzt seit 2007 das "Statistische Jahrbuch Österreichischer Städte", das seit 1950 über demographische, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte der Städte berichtet.

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