SOS Mitmensch: So wird die Schulschwänzdebatte manipuliert

Strafe für Politiker, die sich an Bildungsraub beteiligen?

Wien (OTS) - SOS Mitmensch übt scharfe Kritik daran, dass eine kleine, nichtrepräsentative, durchaus interessante Studie dazu benutzt wird, um pauschale Urteile über "die Schulprobleme der MigrantInnen" zu fällen. Zudem warnt die Menschenrechtsorganisation davor, dass die Schulschwänzdebatte von Teilen der Politik missbraucht werde, um die wahren Sozial- und Bildungsprobleme unter den Teppich zu kehren. Es sei zynisch, dass PolitikerInnen Eltern für "Bildungsraub" bestrafen wollen, während sie selbst daran mitwirken, sozial Schwachen Bildungschancen zu nehmen.

Vergangene Woche wurde vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft eine kleine, nicht repräsentative Pilotstudie über den Bildungserfolg von "Menschen mit Migrationshintergrund" präsentiert. Insgesamt wurden 34 SchülerInnen befragt, von denen gerade einmal 3 (!) erwähnten, dass sie in größerem Ausmaß Schule geschwänzt hätten. Dennoch titelten zahlreiche Medien, dass "Schulschwänzen bei Migranten ein zentrales" bzw. "das größte Schulproblem" sei. Bildungsministerin Schmid kündigte daraufhin "als Ultima Ratio" eine Verdopplung der Strafsätze für nachlässige Eltern an. Der Integrationsstaatssekretär erneuerte gar seine Forderung nach einer Versiebenfachung der Strafsätze.

"Die Schulschwänzdebatte wird manipulativ geführt. Obwohl keinerlei repräsentative Zahlen vorliegen, wird so getan, als wäre Schulschwänzen das zentrale Schulproblem. Darüber hinaus werden einmal mehr "Menschen mit Migrationshintergrund" in den Mittelpunkt einer Problemdebatte gestellt. Von Teilen der Politik werden hohe Strafen für vorwiegend sozial schwache Eltern gefordert, während es in Wahrheit PolitikerInnen selbst sind, die durch Einzementierung der Schulfrühselektion Bildungsraub an Kindern begehen. Wie wäre es eigentlich, wenn die verantwortlichen PolitikerInnen für diesen Bildungsraub Strafe zahlen müssten?", fragt sich Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.

OECD-Studien weisen seit Jahren darauf hin, dass Frühselektion dazu führt, dass sozial schwache Kinder eine gravierende Bildungsbenachteiligung erfahren. Österreich zählt zu den europäischen Ländern, in denen Kinder am frühesten in unterschiedliche Schulzweige getrennt werden. Das führt zu einem markanten Auseinanderdriften von Chancen. Eine einmal eingeschlagene Schullaufbahn zu durchbrechen, ist außerordentlich schwierig.

SOS Mitmensch fordert, dass endlich die wirklich grundlegenden Sozial- und Bildungsprobleme angegangen werden. Das Bildungsvolksbegehren darf nicht länger auf Eis liegen, sondern dessen Forderungen gehören zügig umgesetzt. "Schulabbrüche und das dauerhafte Fernbleiben vom Unterricht stehen erst am Ende einer sozialen und schulischen Problemkette. Wer sich nur auf das Ende der Problemkette konzentriert, betreibt im besten Fall Systemkosmetik, aber mit Sicherheit keine nachhaltige Systemverbesserung". so Pollak abschließend.

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Alexander Pollak
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apo@sosmitmensch.at
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