Neues Volksblatt: "Symbolcharakter?" von Markus EBERT

Ausgabe vom 18. Juni 2012

Linz (OTS) - Schulschwänzen klingt eigentlich gar nicht so wild.
Im Gegenteil: Seit jeher haftet diesem Ausdruck ein Hauch von Rebellentum an - gemäß dem Motto "Lieber Kaffeehaus als Mathe". Der Heldenmut des Schulschwänzers bleibt in der Regel ohne Konsequenzen, zumindest wenn er es nicht übertreibt. Zeitgewinn schaut unter dem Strich auch keiner heraus, weil das Versäumte ja doch irgendwie nachgeholt werden muss.
Ans Eingemachte geht es ohnehin dort, wo der Terminus "Schulpflichtverletzung" mit voller Wucht zum Tragen kommt -schließlich sind da die Eltern (oder Erziehungsberechtigten) im Spiel. Die Bandbreite ist groß, sie reicht vom vorzeitigen Ferienantritt, weil der Flug billiger ist, bis zur systematischen, erzwungenen Absenz. "Bildungsraub" sei das, sagt Staatssekretär Kurz. Dass dieser Bildungsraub bei Kindern mit Migrationshintergrund häufiger vorkommt, wird zwar von Experten relativiert, indem man "kulturell bedingten Faktoren" nur eine untergeordnete Rolle zumisst. Aber hinschauen muss man schon genau, Motivforschung kann daher nicht schaden. Immerhin wird viel Geld in das Bildungssystem gepumpt, und man kann es sich nicht leisten, mit Bildungsaussteigern die Einsteiger in die soziale Abwärtsspirale zu produzieren. Strafen dürfen daher mehr als nur Symbolcharakter haben.

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