WKÖ startet Rekrutierungsinitiative für Fachkräfte in EU-Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit

Leitl: Fachkräftemangel ist Bremse des Wirtschaftswachstums - Bedarf kann nicht alleine im Inland gedeckt werden

Wien (OTS/PWK391) - "Der Fachkräftebedarf der Wirtschaft ist
kein österreichisches Thema alleine, es ist ein weltweites Mangelproblem", betonte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl heute (Mittwoch) vor Journalisten. Dementsprechend ist der internationale Wettbewerb um die besten Hände und Köpfe im vollen Gange. Alleine die USA benötigen bis 2030 mehr als 25 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte, um ihr Wirtschaftswachstum aufrecht erhalten zu können, und in Deutschland stehen in den nächsten 15 Jahren rund 6,5 Millionen weniger Arbeitskräfte zur Verfügung. In Österreich klagt jedes fünfte Kleinunternehmen und jedes zweite Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern darüber, dass bestimmte fachspezifische Positionen nicht besetzt werden können, weil das Angebot in Österreich an Fachkräften nicht groß genug ist. Insgesamt fehlen Österreichs Unternehmen rund 30.000 Fachkräfte, die nicht aus dem "heimischen Nachwuchs" besetzt werden können.

Leitl: "Der Fachkräftemangel wird zur Bremse des Wirtschaftswachstums - dagegen müssen wir etwas tun." Leitl stellte folgende Schwerpunkte zur Problemlösung dar: Einerseits müssen ältere Arbeitnehmer durch Anreizsysteme motiviert werden, länger im Arbeitsleben zu bleiben. "Wir schicken Fachkräfte in die Pension, die wir noch dringend brauchen könnten", so Leitl. Auf der anderen Seite müsse dringend eine (Aus)Bildungsreform her, um die Duale Ausbildung wieder aufzuwerten, "denn von dort hat Österreich in der Vergangenheit die meisten Fachkräfte geschöpft, die uns jetzt fehlen." Die Duale Ausbildung ist außerdem der Garant für eine relativ niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Bei Ländern mit einem solchen System liegt sie bei rund 8%, Staaten ohne Duale Ausbildung kämpfen mit Jugendarbeitslosigkeitsquoten von 20% und mehr.

Leitl: "Selbstverständlich wollen wir versuchen, den Bedarf nach Fachkräften zu allererst im Inland abzudecken. Entsprechende Maßnahmen, wie eine Bildungsreform oder eine Pensionsreform, werden aber nur mittel- bis langfristig greifen. Daher müssen wir zusätzlich im Ausland 'nach Talenten fischen'."
Das funktioniert bereits erfolgreich über die vor einem Jahr eingeführte Rot-Weiß-Rot-Card in Drittstaaten - erst vor wenigen Tagen wurde von den Sozialpartnern und dem AMS eine entsprechende Mangelberufsliste erstellt. Hier hat Österreich einen Meilenstein gesetzt und europaweit eine Vorreiterrolle eingenommen. Die Suche nach den benötigten Fachkräften in Drittstaaten werde aber auf Dauer nicht ausreichen. "Wir müssen uns verstärkt auch innerhalb der EU nach Fachkräften umsehen und diese motivieren, bei uns offene Jobs anzunehmen. Gerade Länder, die derzeit in einer Krise stecken und hohe Arbeitslosenraten haben, könnten dafür ein Reservoir bieten. Damit können wir auch einen kleinen Beitrag leisten, um dort etwas gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu unternehmen", so Leitl.

Die Wirtschaftskammer hat ein diesbezügliches Pilotprojekt im Februar in Spanien gestartet und wird es auf Grund des großen Erfolges Ende Juni in Spanien wiederholen und ab Herbst auf andere Länder wie Irland, Portugal oder Griechenland ausdehnen. Auf einer B2B Website geben österreichische Firmen in Englisch eine Kurzbeschreibung des Unternehmens sowie Jobprofile ein. Die Kandidaten registrieren sich auf der Webseite und kreuzen bis zu drei österreichische Firmen an. Die Firmen treffen eine Vorauswahl unter den registrierten Bewerbern und vergeben Gesprächstermine - die vom AußenwirtschaftsCenter koordiniert werden und an einem Tag im jeweiligen Zielland über die Bühne gehen. Die Entscheidung über ein mögliches Engagement trifft alleine das Unternehmen. Die Wirtschaftskammern bzw. die AußenwirtschaftsCenter treten als Vermittler auf. Die Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ analysiert im Vorfeld die entsprechenden Fachkräftepotenziale in den angesprochenen Ländern und bewirbt die Rekrutierungsevents vor Ort in Kooperation mit den lokalen Handels- und Wirtschaftskammern, Universitäten, Fachhochschulen und Ausbildungszentren. "Dabei kamen wir bereits zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen", präzisiert Friedrich Steinecker, Marketingleiter der AWO. "In Spanien etwa ist das Potenzial an gut ausgebildeten Absolventen von technischen Fachhochschulen oder Universitäten, die vor Ort keine Jobs finden, sehr hoch. Fertig ausgebildete Lehrlinge sind dort hingegen - auf Grund eines fehlenden Dualen Ausbildungssystems - nicht zu finden. Fachkräfte aus diesem Bereich könnten aber in anderen Ländern, die ein vergleichbares Ausbildungssystem haben - zum Beispiel Irland -, gefunden werden."

Das erste Rekrutierungsprogramm für Fachkräfte aus Spanien wurde vom AußenwirtschaftsCenter Madrid gemeinsam mit der Wirtschaftskammer-Vorarlberg durchgeführt. Fünf Vorarlberger Unternehmen konnten anlässlich dieses Events mit über 30 vorselektierten Kandidaten Bewerbungsgespräche führen. Im Schnitt wurden in der Folge pro Firma zwei bis drei Kandidaten nach Österreich eingeladen. Für die Folgeveranstaltung Ende Juni werden 16 Unternehmen aus Vorarlberg, Tirol und Salzburg nach Madrid kommen und Erstgespräche mit angemeldeten, vorselektierten spanischen Fachkräften führen. Insgesamt haben sich 1.200 Spanier registriert. Unter den österreichischen Unternehmen sind z.B. ALPLA, D. Swarovski KG, GANTNER Electronic (bereits zum 2. Mal), OMICRON, SAG, WolfVision, Rhomberg Bau, Zumtobel Gruppe. (BS)

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