TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 9. Juni 2012 von Mario Zenhäusern "Über n Kirchturm hinausschauen"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Das drohende Aus für die Pendelbahn am Patscherkofel sollte Anlass genug sein, über einen gemeinsamen Kurs der Klein- und Kleinstskigebiete im Großraum Innsbruck nachzudenken. Motto: Gemeinsam statt einsam.

Der Patscherkofel ohne Pendelbahn? Für viele undenkbar. Nicht nur für viele Igler und natürlich die Betreiber der Hütten und Almen am Inns brucker Hausberg. Auch die Tausenden Wanderer, die von der Bergstation aus zu ihren Touren aufgebrochen sind, werden der bequemen, spätestens seit den beiden Olympischen Spielen in Innsbruck legendären Aufstiegshilfe eine Träne nachweinen.
Daraus jetzt aber die Forderung abzuleiten, dass die Bahn auf Biegen und Brechen erhalten werden muss, greift zu kurz. Auch die Patscherkofelbahn unterliegt den Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft. Unterm Strich muss zumindest eine schwarze Null übrig bleiben. Das ist ganz offensichtlich nicht der Fall. Die Patscherkofelbahn ist ein Zuschussbetrieb.
Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, den Kofel nicht isoliert zu betrachten. Weit erfolgversprechender wäre es, ihn als Bestandteil einer Region zu sehen, die vom Glungezer im Osten bis zum Kühtai im Westen und von der Innsbrucker Nordkette bis zur Bergeralm in Steinach reicht. In diesem zentralen Tiroler Raum gibt es ein gutes Dutzend Klein- und Kleinstskigebiete, die - mit Ausnahme des Stubaier Gletschers - alle ein und dasselbe Problem haben: Zum Leben werfen sie zu wenig ab, zum Sterben zu viel. Diese Anlagen sind für 150.000 Menschen in
Innsbruck und Umgebung von viel zu großer Bedeutung, als dass sie ihrem Schicksal allein überlassen werden dürfen.
"Gemeinsam statt einsam" muss deshalb die Devise lauten. Nur wenn sich alle - Liftbetreiber, Tourismusverbände, Gemeinden, Marketing-Gesellschaften, Interessenvertretungen, Umweltschützer und natürlich das Land Tirol - an einen Tisch setzen und ein Gesamtkonzept erarbeiten, haben diese Aufstiegshilfen auf lange Sicht betrachtet eine Chance. Wenn es gelingt, die vorhandenen Stärken der einzelnen Regionen hervorzuheben und die Schwächen zu kaschieren, ist Wirtschaftlichkeit plötzlich kein Fremdwort mehr.
Andere Regionen im In- und Ausland, die von der Natur nicht mit einer ähnlich prächtigen Kulisse ausgestattet sind wie der Zentralraum Innsbruck, haben vorgemacht, wie und dass so ein überregionaler Zusammenschluss funktioniert. Das drohende Aus am Patscherkofel sollte jetzt Anlass genug sein, über Alternativen zumindest nachzudenken. Was es dazu braucht? Am Anfang nur die Bereitschaft aller Beteiligten, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen. Das ist eigentlich nicht zu viel verlangt, oder?

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