WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Keep Calm and Carry On" - von Eva Komarek

Die meisten Firmen haben keine Notfallpläne in der Schublade

Wien (OTS) - Sie geht wieder um, die Angst vor dem
wirtschaftlichen Super-GAU, und täglich werden neue dramatische Rezessionsszenarien gezeichnet. Der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro, der "Grexit" - das Wort alleine schickt einem schon kalte Schauer über den Rücken - wird täglich diskutiert. In einem Negativszenario wird von Experten eine Kettenreaktion befürchtet, die den gesamten Währungsverbund destabilisieren könnte. Die "Financial Times" berichtet davon, dass die kapitalkräftigen Schwellenländer offenbar ihre Euro-Bestände auflösen. Das könnte die Rolle des Euro als zweitwichtigste Reservewährung neben dem Dollar infrage stellen. Zur Sorge um Griechenland gesellt sich die Angst, dass Spanien unter dem Druck der hohen Staatsverschuldung und dem angeschlagenen Bankensystem ins Trudeln gerät. Und hinter den Kulissen ist schon davon die Rede, dass hochrangige EU-Politiker an einem Geheimplan zur Stabilisierung der Eurozone arbeiten sollen.

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung: Die Realwirtschaft lässt sich von der globalen Krisenhysterie nicht mehr anstecken. Die Auftragsbücher sind voll und die Zuversicht, dass es zu keinem dramatischen Geschäftseinbruch kommt, überwiegt. Die meisten heimischen Firmen haben auch keine großen Notfallspläne in der Schublade. Sie geben sich gelassen, weil sie sich im Zuge der ersten Krise gut aufgestellt haben.

Auch in Deutschland ist laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer von einer Panik nichts zu bemerken. Der Großteil der deutschen Unternehmen rechnet bei einem Ausstieg Griechenlands nur mit "kurzfristigen Irritationen". Die Krise findet einmal mehr vor allem auf den Finanzmärkten statt. Österreich hat zudem den Vorteil, dass Griechenland und Spanien nicht zu den wichtigen Handelspartnern gehören, und ist daher wenig betroffen. Auch die Insolvenzprognosen sind zumindest stabil. Für einen deutlichen Rückgang benötigen wir aber ein BIP-Wachstum von zwei Prozent, sagt der Kreditversicherer Prisma. Zwar dämpfen die Sparpakete ein wenig die Nachfrage, andererseits spüren die Firmen eine Entlastung auf der Finanzierungsseite, weil die Lage so günstig wie lange nicht mehr ist. Kurz gesagt, die Realwirtschaft scheint dem Sinnspruch der Briten aus dem Zweiten Weltkrieg zu folgen: "Keep Calm and Carry On".

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