Geraubte Kindheit

Die Kindernothilfe kämpft in Haiti gegen ausbeuterische Kinderarbeit

Wien (OTS) - Anlässlich des Internationalen Tages gegen Kinderarbeit am 12.6. macht die Kindernothilfe Österreich auf eine der schlimmsten Formen von ausbeuterischer Kinderarbeit in Haiti aufmerksam.

In Haiti sind über eine Viertelmillion Mädchen und Buben als Kinderarbeiter in fremden Familien im Einsatz. Das Leben dieser Kinder ist von Einsamkeit und Gewalt geprägt: Viele sind völlig auf sich allein gestellt, werden von ihren "Arbeitgebern" ausgebeutet und sind zudem gefährdet, Opfer von gewalttätigen Übergriffen oder Kinderhandel zu werden.

Bis zu zehn Prozent aller 5- bis 17-jährigen in Haiti sind sogenannte Restavèks (französisch: "rester avec", "bei jemandem bleiben"). Unter diesen knapp 300.000 Kindern ist jedes dritte ein Mädchen, jedes zehnte Kind ist noch keine 10 Jahre alt.

Das Restavèk-System hat seinen Ursprung im vergangenen Jahrhundert. Von Armut betroffene Eltern, die meist auf dem Land leben, übergeben ihre Kinder an wohlhabende Familien in die Stadt. Sie vertrauen den Zusagen, dass die Mädchen und Buben dort gegen Mithilfe im Haushalt regelmäßige Mahlzeiten und Schulbildung bekommen.

In der Realität werden jedoch die meisten Restavèk-Kinder massiv ausgebeutet. Sie müssen bis zu 16 Stunden täglich hart arbeiten und dürfen nicht zur Schule gehen. Da es in Haiti Altersobergrenzen für die Einschulung gibt, haben die älteren Restavèk-Kinder auch später kaum Chancen, im staatlichen Schulsystem eine Ausbildung zu bekommen.

Um diesen Teufelskreis der Armut zu durchbrechen, kümmert sich die Kindernothilfe um diese ausgebeuteten Kinder. Gemeinsam mit ihrem lokalen Partner sorgt die Kindernothilfe in Wharf Jérémie, einem Armenviertel der Hauptstadt Port-au-Prince, für positive Veränderungen:

Bereits Februar 2010, nicht einmal ganz vier Wochen nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe in Haiti, hat die Kindernothilfe ein Kinderzentrum für 150 Restavèk-Kinder eröffnet. Jetzt wird das Kinderzentrum mit seinem Notschulprogramm zu einer dauerhaften Sozialeinrichtung ausgebaut. Aus Spenden der Kindernothilfe wird jetzt in Wharf Jérémie eine Schule für bis zu 200 Kinder errichtet, damit die Restavèk-Kinder in eine staatliche Schulausbildung wechseln können.

Die Kindernothilfe und ihre lokalen Partner setzen zudem alles daran, das Restavèk-System aufzubrechen. Durch offene Straßensozialarbeit und aktive Kontaktaufnahme mit den "Arbeitgebern" müssen viele Restavèk-Kinder weniger arbeiten. Stattdessen können sie im offenen Kinderzentrum am Schulunterricht teilzunehmen und mehr Zeit mit Gleichaltrigen verbringen. Hier werden sie auch von geschulten Mitarbeitern liebevoll betreut und in ihrer Entwicklung gefördert.

Der Internationale Tag gegen Kinderarbeit am 12.6. ist ein internationaler Aktionstag, der ein kritisches Bewusstsein für die weltweite Ausbeutung von Kindern schaffen will. Laut einer aktuellen Statistik der Internationalen Arbeitsorganisation ILO müssen weltweit 215 Millionen Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren arbeiten, um ihre Familien mit zu versorgen. 115 Millionen von ihnen sind dabei sogar Arbeitsbedingungen ausgesetzt, die ihre körperliche, geistige oder seelische Gesundheit gefährden.

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