Coface-Studie: Schwieriger Zugang zu Krediten größte Sorge chinesischer Unternehmen

9. Studie zum Zahlungsverhalten der Unternehmen in China: 90% nutzen Lieferantenkredite - Zahlungsverzüge häufiger, aber kurzfristiger - insgesamt finanziell stabil

Wien (OTS) - Trotz der Konjunkturabschwächung im Jahr 2011 nach
dem Ende des Konjunkturpakets, einer strengeren Geldpolitik und des Abflauens der Außennachfrage erwies sich das Zahlungsverhalten der chinesischen Unternehmen insgesamt als zufriedenstellend. Das Volumen an Geschäften auf offene Rechnung ist stark angestiegen. Dennoch werden Faktoren, die schon 2011 die Hauptursachen für Zahlungsverzug darstellten, wie etwa Liquiditätsprobleme, der starke Wettbewerb sowie der schwierigere Zugang zu Finanzierungsmitteln für Kleinunternehmen im Jahr 2012 weiterhin die Finanzkraft der Unternehmen beeinträchtigen. Mögliche Konjunkturimpulse aus dem Staatsbudget könnten jedoch zu einer Abmilderung der wirtschaftlichen Risiken beitragen und konjunkturbelebend wirken.

Im Rahmen der bereits neunten von Coface erstellten Studie zum besseren Verständnis des inländischen Zahlungsverhaltens chinesischer Unternehmen wurden mehr als 1.300 Unternehmen unterschiedlicher Rechtsform und aus unterschiedlichen Branchen im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2011 befragt.

90% der Unternehmen nutzen Lieferantenkredit

Lieferungen auf offene Rechnung stellen seit der Wirtschaftskrise von 2008 die wichtigste Finanzierungsquelle für Unternehmen in China dar. Der Anteil jener Unternehmen, die sich dieser Methode bedienen, stieg im Jahr 2011 auf 90%, im Vergleich zu nur 65% vier Jahre zuvor. Dieses Phänomen lässt sich laut Einschätzung der befragten Unternehmen auf zwei Hauptfaktoren zurückführen: die Notwendigkeit, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten (53% der befragten Unternehmen stimmen dem zu), sowie größeres Vertrauen zwischen Geschäftspartnern (23,5% Zustimmung). Mangelnde Liquidität bei den Abnehmern ist für weniger Lieferanten ein Problem. 17% nannten das als Grund, Zahlungsziele einräumen zu müssen, 2010 waren es 25%.

Obwohl Lieferantenkredite in immer größerem Umfang zum Einsatz kommen, war 2011 eine Verschärfung der Kreditkonditionen zu verzeichnen. Fast 75% aller Transaktionen weisen ein Zahlungsziel von 60 Tagen (oder weniger) auf, was eine Risikoverringerung darstellt. Gleichzeitig werden Transaktionen mit einem Zahlungsziel von 90 Tagen (oder mehr) immer seltener und kommen hauptsächlich bei einmaligen Verträgen zur Anwendung.

Zahlungsverzüge öfter, aber kürzer

Da Lieferungen auf Kredit zunehmen, sind chinesische Unternehmen auch automatisch von Zahlungsverzögerungen im Inland betroffen. 2011 haben 79% verspätete Zahlungen registriert. Im Jahr zuvor waren es 67,4%. Allerdings waren 2008 über 90% davon betroffen.

Andererseits betreffen die Zahlungsverzüge heute kürzere Fristen:
Nur 10% erstrecken sich auf mehr als 90 Tage nach Fälligkeit. 36,5% der Rechnungen werden innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit bezahlt - dieser Wert wächst seit 2008 stetig.

Drei besonders sensible Branchen bilden eine Ausnahme vom allgemeinen Trend: das Baugewerbe, die Stahlindustrie und die Textilindustrie. Hier werden häufig Zahlungsverzüge von mehr als 60 Tagen verzeichnet. Auch die Solarenergiebranche sollte angesichts der Überkapazitäten und Überproduktion neuer Energiequellen im Auge behalten werden: Trotz geringer Konsumnachfrage auf dem Inlandsmarkt in Folge überhöhter Preise und fehlender staatlicher Förderungsmaßnahmen herrscht in dieser Branche ungebrochenes Wachstum.

63% der befragten Unternehmen sehen - wie auch schon im vergangenen Jahr - die Hauptursachen für Zahlungsverzüge in der schwierigen Finanzlage der Kunden aufgrund von Liquiditätsproblemen, Wettbewerb und mangelndem Zugang zu externen Finanzierungsmitteln.

Grund zur Besorgnis im Jahr 2012: unzureichender Zugang zu Krediten

2012 könnte sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft weiter verlangsamen und sich im Jahresverlauf bei 8% einpendeln. Die Erfahrungen von Coface in China zeigen, dass der Zugang zu einer Finanzierung durch Banken für Privatunternehmen und dabei insbesondere für Kleinunternehmen zunehmend eingeschränkt ist. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Studie wider: Nahezu ein Drittel der befragten Unternehmen gab an, die größte Gefahr im Jahr 2012 im unzureichenden Zugang zu Kreditmöglichkeiten zu sehen.

Da Banken Finanzierungen in erster Linie an öffentliche Unternehmen vergeben (60% der Finanzierungen gingen an Staatsbetriebe und an Gebietskörperschaften), müssen Kleinunternehmen Zuflucht bei alternativen Finanzierungsquellen wie etwa dem "Schattenbankensystem" suchen. Dieser neben dem traditionellen Bankensystem bestehende informelle Kreditmarkt hat zwar aufgrund der Verzerrung des Kreditmarkts durch die aktuelle Zusammensetzung des chinesischen Finanzsektors Wachstum verzeichnet, ist aber dennoch sehr anfällig.

Coface Austria & Coface Central Europe

Coface Austria, mit Zentrale in Wien und Niederlassungen in Polen, Ungarn, Litauen, Lettland, Slowakei, Tschechien, Rumänien und Bulgarien ist seit Gründung 1954 der Partner am heimischen Markt für Kreditversicherungen. Seit 1997 ist Coface Austria Tochter der französischen Coface und damit Teil eines der drei Global Player am Kreditversicherungsmarkt. Die Schwestergesellschaft Coface Central Europe ist seit 20 Jahren Marktführer für Wirtschaftsinformationen in 12 zentraleuropäischen Ländern. Ergänzend bietet man in der gesamten Region Inkassoservices an. Coface Central Europe ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Coface (75 Prozent) und des KSV1870 (25 Prozent). Seit 2002 ist Wien innerhalb des Coface Konzerns Headquarter für Zentral- und Osteuropa, die gesamte Region zählt bereits über 700 Mitarbeiter/innen.

Coface

Die Coface-Gruppe, einer der weltweit führenden Kreditversicherer, bietet Unternehmen globale Lösungen für ihr Forderungsmanagement. 2011 erwirtschaftete die Gruppe einen konsolidierten Umsatz von 1,6 Mrd. Euro. 4.600 Mitarbeiter/innen in 66 Ländern bieten weltweit lokalen Service. Jedes Quartal veröffentlicht Coface ihre Einschätzung des Risikos von 157 Ländern. Diese Bewertung basiert auf den einzigartigen Kenntnissen über das Zahlungsverhalten von Unternehmen und der Expertise der 250 Kreditprüfer. Coface ist die Tochter der französischen Bank Natixis (Core Tier 1 Ratio 10,2% Ende Dezember 2011).

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