Ware Gesundheit - das Ende der klassischen Medizin

Österreichischer Hausärzteverband lädt am 26. Juni zum Vortragsabend mit Prof. Dr. Paul U. Unschuld ins Wiener RadioKulturhaus

Wien (OTS) - Zwei Jahrhunderte lang, vom frühen 19. bis in das späte 20. Jahrhundert, war die Gesundheitspolitik der westeuropäischen Nationen von dem Bewusstsein geleitet, dass ein effektives Gesundheitswesen Grundlage wirtschaftlicher und militärischer Stärke eines Staates sei. Diese Zeit findet nun ihr Ende. Auf Grund weltpolitischer Umwälzungen verringert sich der Druck auf die Politik, sich mit allen Mitteln für die Gesundheit der Gesamtbevölkerung, unabhängig von Bildung, Einkommen und sozialer Schichtzugehörigkeit einzusetzen.

Das Gesundheitswesen ist somit nicht länger die Grundlage der Wirtschaftskraft eines Staates; das Gesundheitswesen ist selbst Teil der Wirtschaftskraft geworden. Als Folge kommt es zu einer Neudefinition der bisher im Gesundheitswesen beteiligten Kräfte. Die Politik zieht sich zurück und beschränkt sich mehr und mehr auf die finanziellen Rahmenbedingungen. Auch die Krankenkassen haben ihre Rolle verändert. Sie sind nicht länger neutrale Mittler zwischen Beitragspflichtigen und medizinisch Aktiven. Sie haben eigene kommerzielle Interessen und Verhaltensweisen übernommen, die mit ihrer ursprünglichen Aufgabe kaum vereinbar sind.

Schließlich die Ärzte. Sie stören als Entscheidungsträger in einer Gesundheitswirtschaft, da sie an den Universitäten und in der klinischen Praxis ausgebildet werden, nach bestem medizinisch-fachlichem und medizinisch-ethischem Wissen und Gewissen der Gesellschaft und ihren Kranken zu dienen. Das Renditedenken gehört nicht zu ihren ureigenen Aufgaben. Hier konkurrieren kommerzielle mit medizinischen Werten. Als Folge werden die Ärzte zunehmend aus den Entscheidungszentren verdrängt und als Erfüller ökonomischer Interessen übergeordneter Investoren auf die Funktionen beschränkt, für die sie unabdingbar sind.

Diese Entwicklung gilt vielen Beteiligten als begrüßenswert; andere bedauern den unumgänglichen Wandel. Der Preis, den die Gesellschaft, und insbesondere diejenigen entrichten müssen, die auf medizinische Leistungen angewiesen sind, ist hoch. Es ist der Verlust des Vertrauens. Ungeachtet der Tatsache, dass auch weiterhin viele Ärztinnen und Ärzte ihr Bestes geben, kann schon heute keiner mehr sicher sein, dass das, was ihm an Therapie und Ratschlag in einer Arztpraxis, in einer Klinik oder seitens der Gesundheitsbehörden empfohlen wird, tatsächlich seinen besten medizinischen Interessen entspricht und nicht vorrangig den Renditeforderungen der Investoren.

Vortrags- und Diskussionsabend des Öster. Hausärzteverbandes "Ware
Gesundheit. Das Ende der klassischen Medizin"


Referent: Prof. Dr. Paul U. Unschuld
Autor des Buches "Ware Gesundheit"
(Verlag C.H.Beck, 2. Auflage 2011)
Direktor des Horst-Görtz-Stiftungsinstitutes

Moderation: Dr. Christian Euler
Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes

Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at

Datum: 26.6.2012, um 19:00 Uhr

Ort:
RadioKulturhaus
Argentinierstraße 30A, 1040 Wien

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