WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Fußball-Euro rollt - aber nur für wenige - von Hans Pleininger

Bier- und Chipskonsum steigen. Diesen Kalorienverlust spüren die Wirte

Wien (OTS) - Die Fußball-Europameisterschaft ist ein großes Geschäft. Ja - vorrangig für die UEFA, also den europäischen Fußballverband, der das Großereignis in Polen und der Ukraine veranstaltet, dafür Milliarden Euros aus TV-Übertragungsrechten, Ticketverkäufen und Sponsorgeldern lukriert und bis zum letzten Würstel hinunter alles bestimmt und immer mitschneidet.

Weil aber Polen und die Ukraine keine Fußballhochburgen und die Anforderungen der UEFA hoch sind - man pflegt ja gut zu reisen und komfortabel zu sitzen -, durften sich auch ein paar große Unternehmen freuen, die für die neuen Stadien und die Verkehrsinfrastruktur sorgten - darunter aus unserer Sicht glücklicherweise die Alpine Bau, die Porr und die Strabag. Das war's dann schon mit Österreichs EM-Teilnahme und dem großen Verdienen.

Wenn's richtig losgeht, mit dem EM-Eröffnungsspiel am 8. Juni in Warschau, dann bleiben auf nationaler Ebene oft nur die Krümel übrig. Das kann für manche ein leckeres Zusatzgeschäft sein, aber auch nicht mehr - für viele bedeutet die EM nichts anderes als Brösel.

Das Staatsfernsehen kündigt schon jetzt lauthals die Dauerblockade der ORF eins-Primetime durch die Übertragung von allen 31 EM-Spielen mit Vorberichten und Nachanalysen an. Wer kein Multikulti-Fußballfan ist, kann für drei Wochen die Koffer packen oder auf unaufgeregte ORF2-Schonkost umsteigen. Naja.

Apropos TV: Ein paar Fernseher mehr gehen immer. Die werden die heimischen Elektrohändler schon verkaufen, wenn nur die Angebote günstig genug und der Bildschirme groß genug sind. Nur spätestens nach dem Zweit- und Dritt-Flatscreen reicht's dann.

Man kann eh nur vor einem TV-Schirm mitfiebern - natürlich bei Bier und Chips. Das werden die EM-Abräumer. Kurzfristig steigt der Bierdurst und Snackwahn beim Fußballschauen. Mehr als Kalorienverschieben ist das aber nicht. Dann wird halt vor dem Fernseher weniger Gesundes gegessen. Das Bier zuhause auf der Couch, ganz ohne Autoschlüssel, schmeckt auch gleich nach mehr - und man genießt ungeniert das eine oder andere Seidel mehr. Ich kann die Brauereien schon jetzt jubeln hören. Dass aber der Bierkonsum den Wirten abgeht, weil sich die EM verstärkt zu Hause abspielt -mittlerweile schauen angeblich immer mehr Frauen Fußball - daran denkt niemand. Im Juni wird man in Restaurants und Freizeiteinrichtungen nicht lang vorher reservieren müssen. Am 1. Juli ist der EM-Kick vorbei, aber der Spuk nicht: Am 27. Juli beginnen die Olympischen Sommerspiele in London - zur Primetime...

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