WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Griechenexit und die Büchse der Pandora - von Wolfgang Tucek

Europa sollte alles tun, um den Austritt noch zu verhindern

Wien (OTS) - Leider war es den Menschen in der griechischen Mythologie nicht vergönnt, nur einmal kurz unbeschadet in die Büchse der Pandora hineinzuschauen. So schnell konnte sie gar nicht wieder geschlossen werden, sämtliches Unheil war schon über die Welt gekommen. Ganz ähnlich könnte es der Eurozone beim Austritt ihres Sorgenkinds Griechenland ergehen. Schnell rückgängig zu machen wäre das nicht und die Auswirkungen trauen sich nur ganz wenige Experten in Zahlen zu fassen. Über den Daumen schätzen sie dann bis zu eine Billion Euro Schaden, der sich nach Erstrundeneffekten durch den unmittelbaren Zahlungsausfall der Griechen aus angenommenen Abschreibungen, Ansteckungseffekten und den Konsequenzen für die Realwirtschaft ergibt. Die meisten Ökonomen halten die Folgen schlicht für unabsehbar - vom politischen Desaster wie dem möglichen Scheitern der gesamten Europäischen Währungsunion ganz zu schweigen.

Natürlich haben auch die Befürworter des Griechen-Exit nachvollziehbare Argumente nach dem Motto "Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende". Es klingt verlockend, den größten Unsicherheitsfaktor der Eurozone abzutrennen und dann das Vertrauen der Märkte mit einer gestärkten Währungsunion zurückzugewinnen. Andere schwächere Länder wie Portugal, Irland, Spanien und Italien haben sich bei der Umsetzung ihrer Spar- und Reformprogramme unter dem Druck der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF oder vorauseilend als wesentlich konsequenter und zuverlässiger erwiesen. Voraussetzung für ein Gelingen ist aber, dass diese Staaten auch wirklich vor einem Übergreifen des griechischen Pleitevirus bewahrt werden können. Denn trotz der Beschwörung Griechenlands als Ausnahmefall könnten die Märkte einen gefährlichen Präzedenzfall annehmen. Neben dem neuen Rettungsschirm ESM müsste auch die EZB den dortigen Banken massiv unter die Arme greifen, um einen Bankenrun verhindern oder zumindest abfangen zu können.

Ausgeschlossen ist dieses Szenario wegen des politischen Chaos in Athen ohnehin nicht mehr. Aber bis dahin sollte die Eurozone alles tun, um es doch noch zu verhindern. Denn auch den Menschen in der griechischen Mythologie gefiel am Ende nicht so gut, was sie in Pandoras Büchse fanden.

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