OeNB erwirtschaftet 2011 ein Geschäftsergebnis von 249 Mio EUR

Risikorückstellung um 400 Mio EUR erhöht

Wien (OTS) - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwirtschaftete 2011 in einem von hoher Unsicherheit auf den Märkten geprägtem Jahr ein geschäftliches Ergebnis von 249 Mio EUR (2010: 291 Mio EUR). "Die Bank hat insgesamt gut gewirtschaftet und ihre Betriebsleistung gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr sogar leicht steigern können", führte OeNB-Präsident Claus J. Raidl im Anschluss an die Generalversammlung aus. "Allerdings haben wir aufgrund der markant gestiegenen Risiken unsere Risikorückstellung um weitere 400 Mio EUR erhöht. Aus diesem Grund liegt das Ergebnis der OeNB auch unter dem des Geschäftsjahres 2010", sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny. "Für eine Zentralbank steht aber nicht die Erwirtschaftung hoher Gewinne im Vordergrund. Vorrangig ist die OeNB laut EU-Vertrag und Nationalbankgesetz (NBG) den Zielen der Preisstabilität und der Finanzmarktstabilität verpflichtet."

Vom erwirtschafteten Ergebnis erhält die Republik Österreich 231 Mio EUR (2010: 269 Mio EUR), wovon 62,3 Mio EUR auf die Körperschaftssteuer und 168,3 Mio EUR auf den im Notenbankgesetz festgelegten 90-prozentigen Gewinnanteil des Bundes entfallen.

Der Bilanzgewinn der OeNB betrug im Jahr 2011 18,7 Mio EUR. Die Generalversammlung hat beschlossen, davon weitere 1,2 Mio EUR für die Ausschüttung einer 10-prozentigen Höchstdividende auf das Grundkapital von 12 Mio EUR an den Alleineigentümer Bund und 9 Mio EUR als Zuweisung von Förderungsmitteln an den Jubiläumsfonds der OeNB zu verwenden. Die verbleibenden 8,5 Mio EUR werden der Gewinnglättungsrücklage zugeführt.

Der Nettozinsertrag - die traditionell wichtigste Ertragskomponente einer Zentralbank - stieg um 17 % auf 842 Mio EUR. Das umsichtige Reservenmanagement der Bank trug dazu bei, dass trotz der hohen Unsicherheit auf den Finanzmärkten bei den Fremdwährungen keine und bei den Wertpapieren nur geringe Abschreibungen vorzunehmen waren. Umfangreiche und flexible Maßnahmen in der Liquiditätssteuerung sowie eine historisch noch nicht dagewesene Rückführung der Leitzinsen haben im Zuge der Krise entscheidend zur Stabilisierung der Finanzmärkte, zur Sicherstellung von Preisstabilität und zur Hintanhaltung negativer Effekte auf die Realwirtschaft beigetragen.

Im Rahmen dieser stabilitätspolitischen Aktivitäten übernimmt die OeNB als Teil des Eurosystems Risiken im Interesse der Gesamtwirtschaft. "Neben den traditionellen Risiken von Zentralbanken - den Fremdwährungs- und Zinsrisiken - haben auch die Kreditrisiken zugenommen. Diese Risiken resultieren vor allem aus der Teilnahme an der einheitlichen Geldpolitik wie auch aus dem verstärkten Engagement des Internationalen Währungsfonds", so Gouverneur Nowotny.

Die Personalaufwendungen der OeNB betrugen im Berichtsjahr 125 Mio EUR und lagen damit etwas höher als 2010. Durch das Andauern der Krise und neue zusätzliche Aufgaben (Integration der Bankenaufsicht) erhöhte sich der durchschnittliche Mitarbeiterstand seit 2007, blieb aber seit 2009 stabil (2007: 918; 2009: 984, 2011: 986 Mitarbeiter-Ressourcen). Der Sachaufwand nahm im Jahr 2011 aufgrund der Einführung des Clearingservice im unbaren Zahlungsverkehr leicht auf 79 Mio EUR zu - schwankt mittelfristig gesehen aber nur gering.

Die Bankenaufsicht belastete die OeNB im Geschäftsjahr 2011 mit direkten Kosten von etwa 19 Mio EUR oder 26 % mehr als 2010. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde refundiert davon erstmalig den im Rahmen der NBG-Novelle vorgesehenen höheren Maximalbetrag von 8 Mio EUR (bisher 4 Mio EUR).

Weitere Reformschritte umgesetzt
Die OeNB hat im Jahr 2011 weitere wichtige innerbetriebliche Reformschritte gesetzt: Mit der Implementierung eines neuen Dienstrechts ist es gelungen, ein marktkonformes und konkurrenzfähiges Entlohnungssystem zu etablieren. Gemeinsam mit dem Betriebsrat wurde die Übernahme von rund 70 externen Beschäftigten in das neue OeNB-Dienstrecht vorbereitet und Anfang Mai 2012 durchgeführt. Gouverneur Nowotny: "Dadurch steigt zwar der Personalstand der OeNB, der daraus resultierende Anstieg des Personalaufwands im laufenden Geschäftsjahr 2012 wird aber durch einen entsprechenden Rückgang des Sachaufwands, in dem die Leiharbeitskräfte bisher erfasst wurden, mehr als ausgeglichen werden."

Als unmittelbare Reaktion auf gravierendes Fehlverhalten einzelner Personen im Beteiligungsbereich der OeNB werden neue Verhaltensregeln und effiziente Kontrollmechanismen eingeführt, um damit die Reputation und das Vertrauen in die Notenbank nachhaltig zu sichern. Präsident Raidl: "Unter Einbindung von externen Experten wurden nach internationalen Maßstäben ausgerichtete Compliance-Regeln erarbeitet, die nunmehr einheitlich für die OeNB selbst sowie ihre Tochtergesellschaften gelten". "Als besonders wichtige Maßnahmen hat die OeNB die Einrichtung einer Compliance-Stelle sowie auch eine Neuregelung von Spenden, Subventionen und Sponsoring vorgenommen", präzisierte Gouverneur Nowotny.

Im Rahmen eines Schlichtungsstellenverfahrens konnten im Einvernehmen mit dem Betriebsrat letztlich außergerichtliche Änderungen bei Sozialleistungen (v.a. Bankwohnungen) erreicht werden.

Konjunktur zieht langsam an, Inflationsrate wieder rückläufig
Was die konjunkturelle Lage betrifft, schnitt Österreichs Wirtschaft im Jahr 2011 mit einer im Euroraum-Vergleich deutlich überdurchschnittlichen BIP-Wachstumsrate von 3 % gut ab. Die Arbeitslosenquote von 4 % war die niedrigste der gesamten EU. Die Leistungsbilanz verzeichnete neuerlich ein Aktivum. Im Jahr 2012 wird das Wachstum infolge der getrübten außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der verstärkten Konsolidierungsmaßnahmen voraussichtlich etwas unter 1 % betragen (Prognose der Europäischen Kommission vom Mai 2012: +0,8%). Im Einklang mit der erwarteten Erholung der internationalen Konjunktur ist aus heutiger Sicht im Jahr 2013 aber wieder mit einer Zunahme des Wachstums auf rund 1 3/4 % zu rechnen.

Steigende Energie-, Nahrungsmittel- und Dienstleistungspreise bewirkten im Jahr 2011 in Österreich einen Anstieg der HVPI-Inflation auf 3,6 %. Damit lag der Preisauftrieb über dem Euroraum-Durchschnitt, aber auch höher als in Deutschland und Italien. "Schon 2012 ändert sich das Bild aber deutlich", so Gouverneur Nowotny. "Seit Anfang des Jahres beruhigte sich der Inflationsdruck und im April 2012 betrug die HVPI-Inflationsrate 2,3 %. Damit liegt der Preisauftrieb wieder niedriger als im Euroraum (+2,6 %) und etwa gleich hoch wie in Deutschland (2,2 %). Für das gesamte Jahr 2012 gehen die jüngsten Prognosen für Österreich von etwas über 2 % aus. Im Jahr 2013 dürfte die Teuerung dann auf rund 2 % sinken - womit Österreich wieder auf Preisstabilitätskurs liegen sollte."

Weitere Reformen zur Sanierung der öffentlichen Finanzen im Euroraum unabdingbar
Die Schuldenkrise hat Europa weiter fest im Griff. Die prekäre Lage der öffentlichen Haushalte einiger Euroraum-Länder führte im Verlauf 2011 zu erheblichen Spannungen auf den Finanzmärkten und stark steigenden Zinsen für deren Staatsanleihen. Auch der Renditeabstand österreichischer gegenüber deutschen Staatsanleihen weitete sich aus. Die Rating-Agentur Standard & Poor's senkte das langfristige Rating Österreichs um eine Stufe auf AA+; zwei andere Agenturen (Moody's, Fitch) stufen Österreich weiter mit AAA ein. Die im Herbst 2011 von der Bundesregierung beschlossene Schuldenbremse, ein weitreichendes Konsolidierungspaket von rund 26 Mrd EUR bis zum Jahr 2016 sowie ein deutlich niedriger als erwartetes öffentliches Defizit in Österreich im Jahr 2011 von 2,6 % des BIP trugen dazu bei, dass in den ersten Monaten 2012 die Zinsen für 10-jährige österreichische Staatsanleihen wieder deutlich auf unter 3 % zurückgingen. Im Mai wurden sogar neue Tiefstände bei den Renditen von rund 2 1/2 % verzeichnet.

Mittelfristig sind aber weitere konsequente gemeinsame Anstrengungen zur Sanierung der öffentlichen Finanzen im Euroraum notwendig. Mit den auf EU-Ebene eingeleiteten und teils bereits umgesetzten umfangreichen fiskal- und finanzmarktpolitischen Reformen sind wichtige Schritte gemacht worden. Die damit einhergehende sukzessive Neuordnung der Architektur der Wirtschafts- und Währungsunion wird - im Einklang mit einer nachhaltigen Wachstumspolitik - dazu beitragen, dass der Euro auch in Zukunft eine stabile Währung bleibt. Die anlässlich 10-Jahre-Euro-Bargeld analysierten Fakten zeigen, dass sich der Euro als stabile und international etablierte Währung sowie als sicheres und verlässliches Zahlungsmittel für über 330 Mio Europäerinnen und Europäer bewährt hat.

Umfangreiche Aktivitäten zur Bewältigung der Krise stellten die Geschäftsbereiche der OeNB neuerlich vor außerordentliche Herausforderungen. Insbesondere betraf dies die Geldpolitik und das Management der Währungsreserven. Im Bereich der Finanzmarktstabilität standen die Mitwirkung bei der Stabilisierung einzelner Kreditinstitute, die Durchführung der Bankenstresstests, sowie die Stärkung der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle österreichischer Banken im Vordergrund.

Die OeNB steht vor weiteren großen Aufgaben. Erstens gilt es, mit den laufenden geldpolitischen Aktivitäten die Preis- und Finanzmarktstabilität zu sichern. An zweiter Stelle stehen die Umsetzung nationaler und die Mitgestaltung internationaler Regulierungsvorhaben sowie die Begleitung österreichischer Großbanken beim Kapitalaufbau bzw. bei der Restrukturierung, um damit ein hohes Maß an Finanzmarktstabilität zu gewährleisten. In Bezug auf die Währungsreserven ist es das Ziel, die Ertragskraft der OeNB durch eine optimierte Ertrags-Risiko-Steuerung in einem schwierigen Umfeld weiter zu stärken.

Alle diese Aktivitäten erforderten und erfordern von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz besondere Leistungen, die es der OeNB ermöglichen, ihrer Rolle als stabilitätspolitischer Anker in Zeiten höchster Unsicherheit gerecht zu werden. Sie liefern durch ihre hohe Expertise und ihren engagierten Einsatz einen wertvollen und unverzichtbaren Beitrag zum effektiven Krisenmanagement in Österreich und im Euroraum.

Details zum Jahresabschluss 2011 sowie zu den Aktivitäten in den Geschäftsfeldern der OeNB sind im Geschäftsbericht 2011 verfügbar. Dieser beinhaltet als Nachhaltigkeitsbericht auch die Wissensbilanz 2011 und die Umwelterklärung 2011. Siehe www.oenb.at.

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