VHS Wien: Bildung ist das wichtigste Mittel gegen Arbeitslosigkeit und Armutsgefährdung

Podiumsdiskussion "Braucht es ein europäisches Jugendrettungspaket? Herausforderung Jugendarbeitslosigkeit - Perspektiven und Konzepte" am 31. Mai

Wien (OTS) - Jugendarbeitslosigkeit ist seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 zur größten Herausforderung Europas geworden. Mit über 20 Prozent durchschnittlicher Jugendarbeitslosigkeit und Spitzenwerten von über 50 Prozent in Spanien und Griechenland, muss die Lage als dramatisch bezeichnet werden. Die Jobchancen jeder/jedes Einzelnen hängen dabei wesentlich vom Bildungsgrad ab. Das zeigt sich auch in Österreich. "Je höher der Bildungsgrad eines Menschen ist, umso weniger läuft er Gefahr, von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen zu sein. Über 20 Prozent der Gruppe mit Pflichtschulabschluss gilt als besonders armutsgefährdet. Hingegen nur etwa 5 Prozent der AkademikerInnen", erklärt Mario Rieder, Geschäftsführer der VHS Wien bezugnehmend auf Zahlen der Statistik Austria. Gemeinsam mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer, EU-Abgeordneten Josef Weidenholzer, der Wiener Landtagsabgeordneten Tanja Wehsely und dem Wirtschaftswissenschafter Markus Marterbauer diskutiert Rieder am 31.5. ab 17 Uhr in der VHS Wiener Urania (1., Uraniastraße 1) über die Notwendigkeit eines europäischen Jugendrettungspakets.

Bildung zahlt sich aus

Dass sich Bildung auszahlt, belegen nicht nur die Arbeitslosenquoten nach Bildungsabschlüssen - 2010 waren etwa 9 Prozent der Menschen mit Pflichtschulabschluss von Arbeitslosigkeit betroffen, hingegen nur 2,6 Prozent der AkademikerInnen. Auch die durchschnittlichen Einkommen bevorzugen besser Gebildete deutlich. "Jedes Jahr, das ein Mensch zusätzlich im Bildungssektor verbringt, steigert das durchschnittliche Einkommen", so Rieder. Bei Männern in Österreich durchschnittlich um 5 Prozent, bei Frauen sogar um ca. 6 Prozent. Der Lebensstandard von Menschen mit maximal Pflichtschulausbildung lag im Jahr 2010 ca. 17 Prozent unter dem mittleren Wert aller EinkommensbezieherInnen. AkademikerInnen lagen ca. 40 Prozent darüber. "Wer gegen Arbeitslosigkeit und Armutsgefährdung kämpfen will, muss für Bildung kämpfen", unterstreicht Rieder.

Bildungschancen hängen stark von der Herkunft ab

Dabei muss beachtet werden, dass Bildung nicht nur die eigenen Chancen steigert, sondern auch die der Folgegenerationen. Der Bildungsweg, den ein junger Mensch einschlägt, hängt wesentlich vom Bildungsgrad der Eltern ab. Akademikerkinder absolvieren zu ca. 40 Prozent ein Studium. Wenn die Eltern höchstens Pflichtschulabschluss haben, erreichen nur 4,5 Prozent der Kinder einen akademischen Grad, jede/r dritte verlässt das Bildungssystem ebenfalls nach der Pflichtschule. "Wir können beobachten, dass sich das sogenannte Bildungsniveau in Österreich und anderen europäischen Ländern von Generation zu Generation stark fortschreibt. Die mangelnde Durchlässigkeit des Bildungssystems festigt so auch in hohem Ausmaß den sozialen Status", betont Rieder.

Europäische Initiativen sind notwendig

Um dieser Situation entgegenzuwirken, braucht es massive Anstrengungen auf europäischer Ebene. "Wir können die Verflechtungen innerhalb der EU nicht außer Acht lassen. Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien wirkt längerfristig auch auf Österreich und die Stabilität der Union. Ich halte daher groß angelegte Investitionen in den Bildungssektor und in Arbeitsmarktinitiativen für die jungen Menschen Europas für unbedingt erforderlich", so Rieder. Die österreichische Politik kann hier Impulse auch auf europäischer Ebene setzen und Lobbying für die Jugend Europas betreiben.

Angebote der VHS Wien für mehr Chancen am Arbeitsmarkt

Die VHS Wien setzt schon jetzt zahlreiche Initiativen im Bereich der Qualifizierung von Erwachsenen und Jugendlichen. Damit wird versucht, gegen soziale Selektion zu wirken. "Wir beteiligen uns an der Initiative Erwachsenenbildung, die vielen ermöglicht, den Hauptschulabschluss nachzuholen und so den Wiedereinstieg in das Bildungssystem zu schaffen. Auch beim Jugendcoaching, das sich um junge Menschen kümmert, die davon bedroht sind, aus der Schule auszuscheiden, ist die VHS beteiligt. So gelingt es uns, sowohl Menschen zu erreichen, die bereits aus dem Bildungssystem gefallen sind und gleichzeitig mit Präventivmaßnahmen einzuschreiten, bevor das passiert", bekräftigt Rieder. Darüber hinaus werden in ständigen Lernhilfeangeboten Jugendliche aktiv und mit sozialen Ermäßigungen unterstützt. Projekte wie "Gemeinsam schlau im Gemeindebau" verschaffen Jugendlich direkte Lernbetreuung in ihrer Umgebung.

Weitere Informationen auf www.vhs.at.

Service:
Detailliertes Zahlenmaterial finden Sie im Bericht der Statistik Austria "Bildung in Zahlen" auf http://www.statistik.at
und in der Studie "Ländervergleich in Westeuropa. Wo sich Bildung für Frauen mehr lohnt als für Männer" auf der Homepage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unter:
http://doku.iab.de/kurzber/2012/kb0512.pdf

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Daniela Lehenbauer
Mediensprecherin
Tel.: 01/89 174-100 352
Mobil: 0650/820 86 55
E-Mail: daniela.lehenbauer@vhs.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0009