"profil": Mohammed El-Baradei: "Israel muss sich Sorgen machen"

Friedensnobelpreisträger bezweifelt, dass Friedensvertrag mit Israel hält - "immenser Druck der Bevölkerung, eine härtere Haltung gegenüber Israel einzunehmen"

Wien (OTS) - In einem Interview in der Freitag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" bezweifelt Mohammed El-Baradei, der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Generaldirektor der UN-Atomenergiebehörde IAEA, dass der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel hält. "Israel muss sich Sorgen machen, und ehrlich gesagt: zu Recht", so El-Baradei: "Es kann nicht einfach weiterhin palästinensisches Land besetzen und dort mit dem Siedlungsbau fortfahren. Das geht nicht. Jeder gewählte ägyptische Präsident, wer immer das auch sein wird, steht unter immensem Druck der Bevölkerung, eine härtere Haltung gegenüber Israel einzunehmen." Die Israelis "können nicht an ihrer Politik der Unterdrückung der Palästinenser festhalten und gleichzeitig davon ausgehen, dass in der Region Frieden herrscht", so El-Baradei weiter.

Die Situation in seiner Heimat Ägypten beurteilt El-Baradei im "profil"-Interview skeptisch: "Im Moment herrscht einfach das Chaos. Es ist unklar, wer das Land regiert. Die geltende Übergangsverfassung funktioniert nicht weil sie keinen Machtausgleich schafft. Das Parlament hat nicht die Befugnisse, die es haben sollte, der Präsident wird sie auch nicht haben. Deshalb sollten sich die Menschen auch keine allzu große Hoffnungen machen, dass nach der Wahl alles anders wird." Problematisch sei vor allem die Rolle des Militärs, das sich "mit allen Mitteln an seine Macht klammert. Es will kein bisschen von seiner Autorität abgeben, sondern sie im Gegenteil sogar noch ausweiten."

Die Gefahr, dass sich radikal-islamische Forderungen wie jene nach einem Bikini- und Alkoholverbot in Ägypten durchsetzen könnten, sieht El-Baradei nicht: "In diesem Fall würden wir viele Urlauber aus Österreich verlieren. Nein, dafür sind die Muslimbrüder viel zu klug und zu pragmatisch. Sie wissen, dass sie erfolgreich sein müssen, wenn sie das Land führen wollen - und das geht nicht, indem man Touristen und ausländische Investoren aussperrt. Das gilt auch für die meisten Salafisten, die ja für die freie Marktwirtschaft eintreten."

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