Konflikte durch Dialog lösen - für gutes Miteinander der Religionen arbeiten

Dalai Lama und LH Dörfler bei Pressekonferenz in Klagenfurt - Große Ehre für Kärnten - Dank für Verbundenheit und Freundschaft

Klagenfurt (OTS/LPD) - In einer gemeinsamen Pressekonferenz des Dalai Lama mit Landeshauptmann Gerhard Dörfler nahm das geistliche Oberhaupt der Tibeter heute, Freitag, Stellung zu zahlreichen Themen, wie Glück, Werte, Tibet, China, Religionen und Pressefreiheit. In der Walter Dermuth-Messehalle in Klagenfurt betonte der Landeshauptmann eingangs, dass der Besuch und viertägige Aufenthalt des Dalai Lama eine große Ehre für Kärnten sei und er auch persönlich sehr dankbar für dessen Lebensweisheiten sei, deren Essenz Güte und Mitgefühl sei.

"Sie haben ein Land umarmt, weil Sie eine besondere Freundschaft mit Heinrich Harrer und dessen Gattin Carina hatten bzw. haben, weil Sie sich auch in Kärnten wie zuhause fühlen", sagte Dörfler. Er dankte für diese Verbundenheit und Freundschaft sowie für die Botschaften, die alle Zuhörer bereichern. Die Worte des Dalai Lama seien gerade in einer Zeit der Atemlosigkeit und Hektik, in der Cash und Kapital anstelle von Menschlichkeit dominieren, wichtig. Auch über die Wegwerfgesellschaft und den Werteverlust habe man heute schon gemeinsam debattiert, sagte Dörfler.

Der Dalai Lama sagte, dass alle Menschen Glück und Wohlergehen finden wollen und das sei mit inneren Werten verbunden. Macht- und Gewinnstreben würden nicht ausreichen. Um diese Werte herauszustellen, seien auch die Medien besonders herausgefordert. Die großen Religionen würden sich im gemeinsamen Ziel finden, Liebe, Mitgefühl, Genügsamkeit und Zufriedenheit zu fördern, führte der Dalai Lama aus. Trotz einzelner inhaltlicher Differenzen gebe es ein Miteinander und führte als Beispiel dafür Indien an, wo viele Religionen und Kulturen relativ friedlich zusammenleben. Es sei wichtig, für die Zukunft der Menschen, dass im Bereich der Religionen für die Gemeinsamkeit zusammengearbeitet werde.

Er hob die Bedeutung der Pressefreiheit hervor und sagte, die Medienvertreter sollten gleichsam wie Elefanten mit einem langen Rüssel sein, der sich überallhin bewege und auch hinter die Kulissen blicke. "Seien Sie ehrlich, objektiv und wahrhaftig", plädierte er. Er sprach auch zur tibetischen Exilregierung. Hier habe man demokratische Strukturen erreicht, denn er selbst habe seine politische Verantwortung an einen gewählten Führer abgegeben. Die politische Führung durch den Dalai Lama sei damit nach vierhundert Jahren endgültig zu Ende gegangen.

Zu seinem langjährigen Kärntner Freund Heinrich Harrer sagte er, dass Tibet immer auch einen Platz in seinem Herzen gehabt habe. Harrer habe Tibet sehr positiv vermittelt, was er bereits bei seinem ersten Österreich-Besuch im Jahr 1973 durch Sympathiebekundungen erfahren habe. Gestern in Hüttenberg habe er sich wieder sehr stark an persönliche Begegnungen und Gespräche mit Heinrich Harrer erinnert.

Weiters sagte der Dalai Lama, dass sehr viele Chinesen keine unzensurierten Informationen über Tibet erhalten würden. Umso wichtiger sei es, dass sie ein Recht bekommen, um Zugang zum freien Informationsfluss zu erhalten. Damit könnten sie sich ein eigenes Urteil bilden. Auch das Rechtssystem müsse auf einen internationalen Standard gebracht werden. Er zeigte sich zuversichtlich, dass mit der entsprechenden Informationsarbeit sich auch etwas in Tibet ändern und die Tibetfrage gelöst werden könne. Es sei ihm auch offiziell zugesagt worden, dass China einen mittleren Weg hin zu einer Lösung verfolge.

Zur Frage betreffend seiner Selbstcharakterisierung sagte er, dass er viele absurde Titel, wie Halbgott oder auch Dämon, erhalten habe, er sei aber "ein einfacher buddhistischer Mönch". Eine wichtige Botschaft an die Jugend laute, Gewalt nicht mit Gewalt zu bekämpfen. Konflikte sollen durch Dialog gelöst werden. Das 20. Jahrhundert habe enorme technische Fortschnitte gehabt, leider aber auch unfassbar viel Gewalt gebracht und Opfer gefordert. Die Hoffnung liege nun bei der Jugend, diese solle über Werte nachdenken, empfahl der Dalai Lama.

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