Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 17. Mai 2012. Von ALOIS VAHRNER. "Schwarz-roter Scherbenhaufen".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Ampel in Innsbruck startet mit einem Scherbenhaufen für die ÖVP und die schwarz-rote Landeskoalition und ist für BM Oppitz-Plörer wohl ein Pyrrhussieg.

Manche ÖVP-Granden wollen es immer schon gewusst haben, dass Für-Inns-
bruck-Chefin Christine Oppitz-Plörer die Stadt-Schwarzen ausbooten und nur eine Ampelkoalition wollte. Nur deshalb, und nicht etwa weil die VP in den Umfragen unterirdisch gelegen ist, habe man Christoph Platzgummer aus dem Hut gezaubert. Dieser war die personifizierte Kampfansage an Oppitz-Plörer. Der VP gelang der Sprung vom vierten auf den ersten Platz. Platzgummer verlor aber das Bürgermeister-Duell klar und jetzt den beinharten Koalitions-Poker.
Für die ÖVP ist die gelb-grün-rote Ampel ein Desaster, weil die Landeshauptstadt trotz bürgerlicher Mehrheit jetzt sechs Jahre lang von einer Mitte-Links-Koalition regiert wird. Der Landesspitze, die auf Dauer-Tauchstation war, ist es misslungen, die Streithähne Oppitz-Plörer und Platzgummer zusammenzubringen. Aus dem tiefen Riss wurde jetzt sogar die Spaltung. Mit den gestrigen Beschlüssen des VP-Landesparteivorstands, der auf den Affront reagieren musste, ist die endgültige Scheidung perfekt. Dass auch die SPÖ ein jämmerliches Bild abgegeben und die Kritik bestätigt hat, dass sie leicht mit Posten geködert werden kann, wird auch die Zukunft der Landeskoalition nicht erleichtern. Bei der Wahl im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt.
Stadtchefin Oppitz-Plörer hat die VP gedemütigt - wohl auch gegen den Willen vieler ihrer Wähler. Ihr droht ein Pyrrhussieg, weil sie mehr als in einer Vierer-Koalition von Grün und Rot abhängig ist (gestern schrammte die Ampel bei der Vizebürgermeister-Kür hauchdünn an der ersten Blamage vorbei) und ihr ein Lagerduell mit Mitte bis Rechts ebenso ins Haus steht wie Dauerkonflikte mit der schwer verärgerten Landesspitze.

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