WKÖ-Klacska: "Jeder ausgeflaggte Lkw kostet die Republik Österreich 50.000 Euro"

Massiv steigende Kostenbelastung in der Transportbranche - Bundessparte fordert bundesweite Investitionsförderung für schadstoffarme Lkw von 5 Mio. Euro

Wien (OTS/PWK323) - "Die Belastungen für die österreichische Transportbranche nehmen immer weiter zu. Auf niedrigem Niveau bleibt dabei leider nur die öffentliche Unterstützung für die Mobilitätsunternehmen", fasste Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Mittwoch in einer Pressekonferenz die Situation in seiner Branche zusammen.

Gewerbediesel um 17% vergünstigen
Massiven Kostenbelastungen ist die Branche durch die hohen Treibstoffpreise ausgesetzt. Der Dieselkostenanteil im Güterverkehr liegt etwa bei 20 bis 30 Prozent - angesichts der geringen Margen in der Branche eine kritische Größe. Klacska: "Österreichische Transporteure stehen im europäischen Wettbewerb - Kostensprünge sind für uns besonders schwierig zu verkraften, zumal Lohnnebenkosten in umliegenden Ländern nicht so hoch sind wie hierzulande. Die WKÖ-Bundessparte fordert daher einen niedrigeren Steuersatz auf Diesel für gewerbetreibende Unternehmen." Ein Gewerbediesel könnte 33 Cent je Liter statt derzeit 39,7 Cent ausmachen. "Das wäre eine 17-prozentige Entlastung für unsere Betriebe und damit ein wichtiger Schritt, um Wettbewerbschancen der heimischen Transportunternehmen aufrecht zu erhalten. Damit würden Arbeitsplätze und Investitionen in Österreich gesichert", so der Bundesspartenobmann.

Fahrverbote kommen Volkswirtschaft, Betrieben und der Umwelt teuer zu stehen
Neben der Preisrally bei Diesel sorgen auch die zahlreichen Fahrverbote in Österreich für massive Belastungen, erläuterte Erik Wolf, Geschäftsführer der Bundessparte. Wie eine aktuelle Studie der WU Wien belegt, führen diese Verbote zu hohen volkswirtschaftlichen, aber auch betriebswirtschaftlichen Kosten. Wolf: "Diese Verbote führen nach dem Floriani- Prinzip nur zu punktuellen Entlastungen, die Schäden durch die hunderten Kilometer an Umwegen sind jedoch erheblich." Laut Studie fühlen sich 74% der Transportunternehmen von Fahrverboten massiv betroffen.

Wie die WU errechnet hat, belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten für Umwegverkehre auf 215 bis 285 Mio. Euro. Der CO2-Ausstoß durch Umwegverkehre liegt zwischen 375.000 und 500.000 t pro Jahr -Verkehre nicht österreichischer Unternehmen sind hier noch gar nicht eingerechnet.
Auch auf betrieblicher Ebene entstehen erhebliche Kosten durch Fahrverbote: Je 1,2 Euro pro Kilometer fallen in den Unternehmen an. Das ergibt 1.800 bis 2.400 Euro pro Jahr an Zusatzkosten allein durch die Umwegverkehre. "Das führt dazu, dass viele Betriebe nicht mehr mithalten können und aufgeben müssen".

Teure Ausflaggung
Belastungen wie diese führen zu einer weiteren Beschleunigung des Ausflaggens. Immer mehr heimische Transportunternehmen haben in den letzten Jahren aufgrund des Kostendrucks Teile ihres Geschäfts ins Ausland verlagert. Univ.-Prof. Sebastian Kummer von der WU Wien hat errechnet, dass das Ausflaggen eines einzigen Lkw die Republik Österreich bis zu 50.000 Euro pro Fahrzeug und Jahr kostet. Die wichtigsten Gründe für Unternehmen auszuflaggen, sind Lohn- und Lohnnebenkosten. Auch die Verfügbarkeit von Personal und die MöSt spielen für die Betriebe eine wichtige Rolle, belegen Kummers Erhebungen.

Bundesweite Förderung für schadstoffarme Lkw
Ein Anreiz, um der Ausflaggung entgegenzuwirken, wären bundesweit akkordierte Investitionsförderungen für schadstoffarme Lkw, wie sie in der Regionalförderungsprogrammen der Bundesländer bereits laufen. Damit könnten die Mehrkosten in Euro 6 Fahrzeuge abgefedert werden. Die Bundessparte fordert eine Förderung im Umfang von 5 Mio. Euro (1000 Fahrzeuge zu je 5000 Euro). "Eine solche österreichweite Förderung von umweltfreundlichen Lkw brächte zusätzliche Wertschöpfung und wäre auch ökologisch ein wichtiger Schritt. Damit würden Ersatzinvestitionen in österreichische Lkw forciert und Arbeitsplätze im Inland gesichert."

Dass die Förderprogramme der Bundesländer Früchte tragen, zeigt der aktuelle Konjunkturtest der WKÖ-Bundessparte für das erste Quartal 2012: Demnach konnte Österreich im Vergleich zum EU-Schnitt mehr Neuzulassungen bei Lkw über 3,5t und Sattelzugmaschinen verzeichnen. Die aktuelle Konjunkturbefragung der Transportbranche zeigt zudem, dass die Unternehmen das zurückliegende Quartal generell positiver bewerten als das letzte Jahresviertel 2011. Die Nachfrage wird deutlich besser eingeschätzt als zuvor, 70% der befragten Unternehmen bezeichnen ihren Auftragsbestand im ersten Quartal 2012 als ausreichend. (PM)

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