Musiol zum zweiten Kindergartenjahr: Einschränkung auf Integration nicht plausibel

Grüne fordern Chancengleichheit für alle Kinder

Wien (OTS) - "Dass sich bildungspolitisch etwas bewegt, freut
mich. Ich finde es aber bedenklich, dass hier wieder nur von Kindern mit Migrationshintergrund die Rede ist", kritisiert Daniela Musiol, Familiensprecherin der Grünen.

Staatssekretär Sebastian Kurz hat im Morgenjournal vom Mittwoch, dem 16.Mai, das verpflichtende zweite Kindergartenjahr für Kinder, das gemeinsam mit den Bundesländern Niederösterreich und Salzburg als Modellregionen erprobt werden soll, vorgestellt. Kurz will damit eine bereits ein Jahr alte Forderung umsetzen. Seit Herbst 2010 ist das letzte Kindergartenjahr in ganz Österreich gratis und verpflichtend. Das zweite verpflichtende Kindergartenjahr gibt es vor allem aus Kostengründen noch nicht. Jetzt soll der Versuch für das zweite Kindergartenjahr von den Ländern Salzburg und Niederösterreich finanziert werden.

"Kurz hat Recht, wenn er sagt, dass das Echo durchwegs positiv ist, allein das Geld wollten weder der Bund noch die Länder aufstellen. Sein Fehler ist jedoch, dass er nur von Kindern spricht, die nicht gut Deutsch sprechen können, obwohl wir wissen, dass es hier nicht um Migrationshintergrund alleine geht, sondern um allgemeine Sprachdefizite vieler Kinder", meint Musiol.

Es ist bekannt, dass der Besuch von Kindergärten die Sprachkompetenz erhöht. Dabei kommt es nicht auf den Pass, sondern die Sprachkenntnis wichtig. Fast jedes dritte Kindergartenkind in Wien hat 15 Monate vor Schulbeginn Sprachprobleme. In Salzburg hingegen haben 25 Prozent der Kinder Förderbedarf, vorrangig im Sprachbereich, wobei ein Viertel dieser Kinder keinen Migrationshintergrund hat.

"Aber auch Defizite die nicht im sprachlichen Bereich, sondern in anderen Entwicklungsbereichen liegen, können vorliegen. Zum Beispiel in der Motorik oder in der emotionalen Entwicklung. Wir Grüne treten daher für einen zweijährigen verpflichtenden Kindergartenbesuch für ALLE Kinder ein, denn nur dann ist gewährleistet, dass sie bestmöglich auf die Schule vorbereitet sind. Der Kindergarten ist eine Bildungseinrichtung und als solche steht sie allen Kindern zu, damit alle Kinder mit den gleichen Chancen in ihre Bildungskarriere zu starten", sagt Musiol.

"Kurz hat sich das Ziel gesetzt binnen zwei Jahren das verpflichtende zweite Kindergartenjahr flächendeckend in ganz Österreich umzusetzen, das begrüße ich. Ich würde ihm jedoch dringend nahe legen, Sprachdefizite nicht nur MigrantInnenkindern zu unterstellen. Er soll sich lieber für eine Sprachförderung aller Kinder, die sie benötigen, einsetzen" fordert Musiol.

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