WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Viele Kleine sind gleich wichtig wie wenige Große - von Oliver Jaindl

Der heimische Mittelstand ist krisenresistenter geworden

Wien (OTS) - Sie haben keine PR-Abteilungen, die schicke
Sommerfeste mit Cocktailempfang ausrichten. Sie residieren nicht in gläsernen Wolkenkratzern in futuristischen Stadtvierteln. Sie können nicht am Anleihenmarkt billig eigene Schulden "zurückkaufen". Es ist für sie nicht eine emotionslose Entscheidung am Papier, Mitarbeiter aufzunehmen (bzw. zu kündigen) oder eine größere Investition zu wagen. Der heimische Mittelstand hat oftmals nicht jene Bühne mit spektakulären Inszenierungen für sich, die sich die großen, börsenotierten Unternehmen (oder deren Vertreter) gönnen. Zu Unrecht. Gerade der Mittelstand als "Rückgrat" der heimischen Wirtschaft hat mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung verdient. Die Konjunkturindikatoren zeigen, dass die heimischen KMU gar nicht so schlecht unterwegs sind. Sie erweisen sich nach dem Schock der Krisenjahre 2008/2009 als erfreulich stabil und haben seither noch an Eigenkapital zugelegt- was bedeutet: Die Krisenresistenz steigt. Das ist ein Faktum, das nach der konjunkturellen Aufhellung nach 2009 und den noch immer unsicheren Aussichten für die nächsten Jahre nicht unwichtig erscheint.

Gerade der Blick zurück in die Zeit unmittelbar nach 2008 zeigt aber, dass stabile Verhältnisse in einem großen Teil der Wirtschaft sehr wertvoll sein können. Denn es ist unbestreitbar, dass ein relativ stabiler Konsum, der zum Teil durch Arbeitsmarktprogramme teuer erkauft werden musste, in der Krise 2008/2009 vor Schlimmerem bewahrt hat. Die Sorge, dass der private Konsum zurückgeht, war damals bei den Börsianern groß. Doch wer sprach vom Mittelstand? Hier zeigt sich, dass dieser als Indikator sicher genauso wichtig ist wie der private Konsum.

Wenn Beobachtern des Kapitalmarkts angesichts schlechter Werte im Konsumentenvertrauen oder ähnlicher Indikatoren ein kalter Schauer über den Rücken läuft, dann sollte bei negativen KMU-Daten dasselbe passieren - oder es sollte sich Optimismus einstellen, wenn die Daten trotz allgemeiner Verunsicherung (vielleicht bloß der "Großen"?) dann doch nicht so schlecht sind. Vielleicht gibt es nämlich heute nicht mehr die Zweiteilung zwischen "Wirtschaft" da und "Konsumenten" dort, sondern eine Dreiteilung: Konsumenten - KMU - Konzerne. Und vielleicht hätten sich zweitgenannte auch - wie Konsumenten oder Konzerne - in Anerkennung ihrer Stellung im ökonomischen Gesamtgefüge ein paar maßgeschneiderte rechtliche Rahmenbedingungen mehr verdient.

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