Bauchgefühl - Kampf dem Krampf

Stress und seine gesundheitlichen Auswirkungen auf Frauen

Wien (OTS) - Forschungen in der Gendermedizin haben gezeigt, dass
es mehr geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der Medizin gibt, als bisher angenommen. Viele Auslöser von Erkrankungen werden anders verarbeitet, so auch Stress. Frauen, insbesondere berufstätige Mütter, sind in verstärktem Ausmaß von Stress durch Mehrfachbelastung und daraus resultierendem Zeitmangel betroffen. Diese Faktoren sind häufig Ursache für einen Lebensstil, der Auslöser einiger Zivilisationskrankheiten ist.
Adipositas aber auch Symptome wie häufige Bauchkrämpfe sind daher besonders bei Frauen im Steigen begriffen.

Die Anforderungen, die das Leben heutzutage an uns alle stellt, sind oft geprägt von Mehrfachbelastung und Zeitmangel. Das trifft besonders auf berufstätige Mütter zu, die gleichzeitig Kinder, Haushalt und Beruf bewältigen müssen. Wenn es sich dann auch noch um eine Alleinerzieherin handelt, wird der Druck, dem die Frau ausgesetzt ist, enorm: sie hat die alleinige Verantwortung für Kinder, Haushalt und Einkommen. Der Großteil ihrer Zeit fließt in die Aufrechterhaltung, die Organisation und die Gestaltung des Familienlebens, ein weiterer großer Teil in die Erwerbstätigkeit und in die Arbeiten im Haushalt. 85 Prozent der Alleinerzieher in Österreich sind Frauen. Das sind in absoluten Zahlen 249.600 alleinerziehende Mütter. Von ihnen sind 79,3 Prozent erwerbstätig (1).

Busy-Mums müssen funktionieren

Eine solche Busy-Mum muss ständig funktionieren. Zwischen den täglichen Aufgaben bleibt ihr kaum Zeit für sich selbst. Wenn sie von typisch stressbedingten Leiden, wie Bauchkrämpfen, geplagt wird, kann sich eine alleinerziehende Mutter nur selten den Luxus gönnen, ein entspannendes Vollbad zu nehmen. Eva Maria Marold, Kabarettistin und Musicaldarstellerin ist selbst alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und kann aus eigener Erfahrung berichten, was es heißt, trotz Schmerzen Familie, Beruf und Alltag zu bewältigen: "Ich kann es mir nicht leisten auf der Bühne schlechte Laune oder Schmerz die Oberhand gewinnen zu lassen. Das Publikum erwartet gute Unterhaltung, da muss man Befindlichkeit oder Tagesverfassung schon mal zurückstellen und mit gebrochener Zehe tanzen oder mit Bauchkrämpfen spielen, denn die Gage zahlt die Miete für nächstes Monat und den Babysitter, damit man überhaupt auftreten kann."

Stress macht Frauen krank

Ständige Mehrfach- und Überbelastungen, Zeitmangel und Stress machen krank. Das geringe Zeitbudget, das berufstätige Mütter durch diese Mehrfachbelastungen für sich selbst haben, erhöht ihre Anfälligkeit für Krankheiten, die im Zusammenhang mit Stress und Überforderung stehen. Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, erste Professorin für Gender Medizin in Österreich an der MedUni Wien und Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechsel erklärt dazu: "Frauen führen auf Grund dieses Stress' oftmals einen ungesunden Lebensstil, der wiederum einen Anstieg von Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule und Erkrankungen aufgrund mangelnder Bewegung zur Folge hat. Chronischer Stress kann zu einem Anstieg des Blutdrucks und des Cholesterinspiegels führen und die Entstehung von verschiedenen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes begünstigen. Weiters können Schlafstörungen, körperliche Symptome wie Rücken- oder Kopfschmerzen und auch das chronische Müdigkeitssyndrom auftreten. Funktionelle Darmstörungen, das "Reizdarmsyndrom" mit Bauchkrämpfen und -schmerzen und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten sind weitere typische Stress-assoziierte Symptome bei Frauen."

Der Bauchkrampf ist weiblich

Laut einer Befragung durch das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS leiden fünf Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen in Österreich regelmäßig unter Bauchkrämpfen. Prim. Dr. Michael Häfner, Vorstand Interne Abteilung am Krankenhaus St. Elisabeth in Wien ist Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie und ist häufig mit den spezifischen Folgen von Stress im Verdauungsapparat konfrontiert: "Stress hat die unterschiedlichsten gesundheitlichen Auswirkungen auf uns Menschen und er schlägt sich sprichwörtlich auf den Magen. Das Verdauungssystem gerät aus dem Gleichgewicht, Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe sind die Folge. Sie gehören zu den häufigsten Beschwerden, die Magen und Darm betreffen und sind sehr oft das Ergebnis von Stressbelastung. In Industrienationen leiden bis zu 30 Prozent der Bevölkerung unter Bauchschmerzen. Frauen sind deutlich öfter von Bauchschmerzen und mehr als doppelt so oft von Bauchkrämpfen betroffen als Männer. Am Reizdarmsyndrom erkranken Frauen zwischen 25 und 50 Jahren zwei- bis dreimal häufiger als Männer."

Vom Kampf mit dem Krampf zum guten Bauchgefühl

Um Bauchschmerzen zu begegnen gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Prim. Dr. Häfner dazu: "Entspannung und Wärme sind kurzfristig oft ein guter Ansatz. Sie fördern die Durchblutung und lassen verkrampfte Muskeln entspannen. Aber in den meisten Lebenssituationen wird es nicht möglich sein, sich ein Entspannungsbad zu gönnen. Wenn man am Arbeitsplatz ist, oder seine Kinder betreuen muss, kann man sich nicht einfach mal ein Bad einlassen. Hier kann eine Wärmflasche helfen oder, wenn es schnell gehen muss, ein krampflösendes Mittel aus der Apotheke, ein sogenanntes Spasmolytikum."

Um negativen Stress zu vermeiden oder besser dafür gewappnet zu sein, kann man selbst einiges beitragen, wie beispielsweise genug Wasser trinken und auf eine ausgewogene Ernährung achten. Bei immer wiederkehrenden Beschwerden sollte auch an relativ häufige Veränderungen, wie Milchzuckerunverträglichkeit, gedacht werden. Eva Maria Marold rät: "Seien Sie nicht perfekt. Viele Frauen neigen zum Perfektionismus und können sich erst dann entspannen, wenn alles nach ihren Vorstellungen läuft und wenn es nicht perfekt läuft gibt's Bauchweh. Ich rate dazu, die Dinge, die einem so groß und wichtig erscheinen und Stress verursachen in Relation zu etwas wirklich Bedeutsamen zu setzen, wie beispielsweise Zeit mit den eigenen Kindern verbringen. Dann werden die meisten vermeintlich wichtigen Dinge sehr schnell recht klein."

Der Stress hat System

Der Stress, und seine gesundheitlichen Folgen, denen berufstätige Mütter durch die Mehrfachbelastungen und den chronischen Zeitmangel ausgesetzt sind, haben ihren Ursprung zum Teil in der Tatsache, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Österreich immer noch als ein Frauenproblem wahrgenommen wird. Univ.Prof.in Kautzky-Willer meint dazu abschließend: "Die Emanzipation hat den Frauen zwar das Recht auf Arbeit gebracht, hat aber die Pflichten bei Haushaltsführung und Kindererziehung nicht neu und paritätisch aufgeteilt. Ein Anfang für einen Ausweg aus dieser Situation würde eine konsequente Angleichung der Gehälter von Frauen an die der Männer sein, sowie der weitere Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und flexibleren Arbeitszeitmodellen. Ein konsequenter nächster Schritt wäre die Emanzipation der Männer bei der Inanspruchnahme von Karenzzeit und der Übernahme von Pflichten in Haushalt und Kindererziehung."

Die vollständige Pressemappe und Fotos des Pressegesprächs stehen für Sie zum download unter folgendem Link bereit:
http://www.publichealth.at/p-62133.html

O-Töne vom Pressegespräch stehen für Sie unter folgendem Link zum download bereit:
http://www.o-ton.at/

(1) Familien- und Haushaltsstatistik 2009, Statistik Austria

Rückfragen & Kontakt:

Public Health PR
Thomas Braunstorfer
Tel.: 0699/19258677
Mail: thomas.braunstorfer@publichealth.at

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