Fehlerberichts- und Lernsystem CIRSmedical.at

ÖÄK-Wechselberger: Erfolgreiches System jedenfalls fortsetzen

Wien (OTS) - Seit November 2009 steht dem heimischen Gesundheitswesen das von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) initiierte Fehlerberichts- und Lernsystem CIRSmedical.at zur Verfügung. Die hohe Anzahl an Berichten und Kommentaren sowie der aktuelle Evaluationsbericht belegen: Das "Critical Incident Reporting System" trägt wesentlich zur Entwicklung einer modernen Sicherheitskultur und zur Verbesserung der Patientensicherheit bei. Dennoch habe man in der Ärztekammer den Eindruck, das Gesundheitsministerium distanziere sich seit Abschluss der positiven Evaluation im Herbst 2011. "Wir wundern uns, dass im Zusammenhang mit der geplanten nationalen Patientensicherheitsstrategie keine Rede von CIRSmedical ist", erklärte ÖÄK-Vizepräsident Artur Wechselberger bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Schließlich habe das Ministerium die Pilotphase sehr gut begleitet und auch deren Evaluation in Auftrag gegeben.

Positiver Evaluationsbericht

Im Vordergrund stehe jedoch die Freude über den Erfolg von CIRSmedical, so der ÖÄK-Vizepräsident: "Unser Fehlerberichts- und Lernsystem hat nun auch im Regelbetrieb die Erwartungen voll erfüllt - sowohl was den hohen Zuspruch als auch die Qualität der Berichte und Kommentare betrifft." Über 76.000-mal wurde seit dem Start vor zweieinhalb Jahren auf das System zugegriffen - durchschnittlich also über 80-mal pro Tag. 85 Prozent der vom Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) im Zuge der Evaluierung befragten Personen erachten ein bundesweites Fehlerberichts- und Lernsystem für notwendig und sprechen sich für eine Fortführung von CIRSmedical aus. - Für Wechselberger ein exzellentes Ergebnis, das eindeutig zeigt, dass CIRSmedical bereits als nationales System wahrgenommen wird. Sollte das Ministerium das anders sehen, werde die Ärztekammer den erfolgreichen Weg mit dem bislang ausschließlich von der Ärzteschaft finanzierten Fehlerberichts- und Lernsystem jedenfalls fortsetzen.

CIRSmedical bietet über die Website grundsätzlich einen offenen Zugang, richtet sich aber klar an die im Gesundheitswesen tätigen Personen. Die Teilnahme erfolgt freiwillig und unter absoluter Wahrung der Anonymität. Alle Berichte werden von anerkannten Experten geprüft und kommentiert. Wesentliches Prüfkriterium ist der erzielbare Lerneffekt.

Für Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, liege der hohe Zuspruch auch daran, "dass von Anfang an die Angehörigen der Pflegeberufe miteingebunden wurden". Das Online-Lernsystem schaffe reale Lernmöglichkeiten, weil es die reale Alltagssituation der Gesundheitsberufe abbilde, also das gemeinsam Bemühen von Pflegenden und Ärzten, kranken Menschen zu helfen. Der multiprofessionelle Ansatz ermöglicht umfassende Fehleranalysen und damit Qualitätssteigerungen in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung. So können nicht nur Ärzte oder Pflegekräfte, sondern etwa auch rein administrativ tätige Personen auf Mängel -etwa in Verwaltungsabläufen - hinweisen

Ausblick und weitere Einsatzmöglichkeiten

In Zukunft wolle man, so ÖÄK-Vizepräsident Wechselberger, den Erfahrungsaustausch über Ländergrenzen hinweg intensivieren. Ein Vorhaben, das der Präsident der Schweizer Stiftung Patientensicherheit, Dieter Conen, ausdrücklich begrüßt: "Schon jetzt stehen die Quick Alerts, die unsere Stiftung regelmäßig erstellt, auch den österreichischen CIRSmedical-Usern zur Verfügung. Ich freue mich auf den weiteren Austausch von Erfahrungen." Je größer der Pool an Erfahrungen, desto höher der Lerneffekt und die Chance, die Patientensicherheit nachhaltig zu steigern, sind sich Conen und Wechselberger einig.

"Die Quick Alerts sind ein echtes Best-practise-Beispiel", freut sich Brigitte Ettl, Präsidentin der Plattform Patientensicherheit und Ärztliche Direktorin des Spitals Hietzing. "Wenn die Schweiz hier etwas Tolles entwickelt hat, müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch im österreichischen CIRSmedical bald solche komprimierten Verbesserungsvorschläge bereitstellen können, um aus konkret aufgezeigten Mängeln zu lernen."

Auch die effiziente Behandlung fach- oder bereichsspezifischer Probleme in geschlossenen Meldegruppen ist in CIRSmedical bereits möglich und wird sehr gut angenommen. Daher zählt die Vernetzung mit bestehenden Fehlerberichts- und Lernsystemen in einzelnen Gesundheitseinrichtungen oder Krankenhausverbünden zu den vorrangigen Zielen. Ebenso wie die verstärkte Einbindung des niedergelassenen Bereichs. Über Anreizmechanismen denke man bereits nach.

In die ärztliche Fortbildung werde CIRSmedical derzeit integriert. Und selbstverständlich spiele Riskmanagement eine wichtige Rolle auch in der Ausbildung, wobei die Inhalte von Arbeitnehmerschutz über Hygiene bis hin zu Strahlenschutzmaßnahmen reichten. "Wir möchten, dass auch die Turnusärzte vermehrt von CIRSmedical profitieren. Über den fachspezifischen Lernbenefit hinaus würde das generell eine neue Sicherheitskultur fördern", nannte Wechselberger ein weiteres Vorhaben. (ar)

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