Zulehner: "Ungehorsam hat gedient und ausgedient"

Wiener Pastoraltheologe warnt vor "Gehorsamsfalle" und "unnötigem pastoralen Schaden"

Wien, 09.05.12 (KAP) "Das Wort vom "Ungehorsam" durch die Pfarrer-Initiative "hat gedient und zugleich ausgedient": Zu dieser Einschätzung kommt der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner mit Blick auf die Entwicklungen seit der Veröffentlichung des Aufrufs zum Ungehorsam im Juni vor einem Jahr. Die Predigt des Papstes bei der Chrisammesse am Gründonnerstag habe gezeigt, "dass selbst 'Rom' die Pfarrer und deren Anliegen wahrgenommen habe, sagte Zulehner im Gespräch mit "Kathpress" am Mittwoch. "Jetzt braucht es ein gemeinsames Nachdenken über konkrete Schritte, die eine 'win-win-Situation' erbringen und unnötigen pastoralen Schaden verhindern" so Zulehner, der alle Akteure vor einer "unbedachten Eskalation in Wort und Tat" warnte.

Das "Kampfwort vom Ungehorsam" habe insofern "gedient, weil das Ziel - die Wahrnehmung auf der Weltkirchenebene - erreicht wurde", führte der Pastoraltheologe näher aus. Daher sollte jetzt auf dieses Wort verzichtet werden, denn ein Festhalten der Pfarrer-Initiative am "Ungehorsam" könnte den erreichten Fortschritt gefährden, weitere Reformschritte stören und somit zur "Gehorsamsfalle" werden.

Gleichzeitig plädierte Zulehner für ein biblisches Verständnis von Gehorsam: Aus dem biblischen Akt des Hörens erwachse ein positiver "Gehorsam", der von einem autoritären Gehorsam im Sinne von "Unterwerfungsbereitschaft" zu unterscheiden sei. Wenn sich die Bischöfe und die Vertreter der Pfarrerinitiative darauf einigen könnten, "wäre ein großer Stolperstein für einen zielführenden Reformdialog aus dem Weg geräumt".

In der Folge könnten die kirchlichen Verantwortungsträger mit dem Kirchenvolk verstärkt die von der Pfarrer-Initiative aufgeworfenen zwei großen Themenkreise angehen, so Zulehner. Konkret gehe es um eine "Pastoral im Umkreis von Scheidung und Wiederverheiratung" und um die zu erhaltende "Eucharistiefähigkeit gläubiger Gemeinden". Es werde aber einer "glaubhaften Bereitschaft der Kirchenleitung auf allen Ebenen" bedürfen, damit nicht auch der Aufruf der Pfarrer wie viele andere Reforminitiativen der letzten Jahrzehnte letztlich "tatenlos ausgesessen" werde und die "Geschichte der Frustration der Reformkräfte" fortsetze.

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